ein Porträt Martin Luthers mit einer Colaflasche in der Hand
Bildrechte: Collage: Getty Images / Colourbox.de

Lebensmittelforschung Kommt die erste Cola der Welt aus Wittenberg?

Bislang war für uns klar: Die Cola wurde in den USA erfunden, und zwar im 19. Jahrhundert. Jetzt hat jedoch ein Hallenser Chemiker ein Rezept entdeckt, das nahe legt, dass die Cola aus Wittenberg stammt. Aus einer Zeit, in der die Stadt schon Luthers Stadt war, aber noch nicht Lutherstadt. Karolin Dörner war auf der Spur des Erfrischungsgetränks.

ein Porträt Martin Luthers mit einer Colaflasche in der Hand
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In alten Büchern hat Dr. Christian-Heinrich Wunderlich das Rezept für ein Getränk entdeckt, das der Botaniker Valerius Cordus 1539 in seinem Wittenberger Labor als Mittel gegen Nierensteine braute. Er mischte Süßholzsaft mit ätherischen Ölen wie Muskatnuss und gab noch wenige Tropfen Schwefelsäure hinzu. Die sollte nicht nur gegen die Nierensteine wirken, sondern sie machten das Getränk auch leicht säuerlich und erfrischend. Für Chemiker Wunderlich sind das die Grundpfeiler einer jeden Limonade.

Cola hat auch einen braunen süßen Sirup als Grundlage. Und sie hat auch ätherische Öle, wie Muskatnussöl oder Neroliöl. Phosphorsäure, also etwas ähnliches wie Schwefelsäure, macht sie dann so schön spritzig sauer. Deswegen behaupte ich ganz dreist, dass Cola im Prinzip schon von Valerius Cordus in Wittenberg erfunden worden ist.

Dr. Christian-Heinrich Wunderlich, Chemiker des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle

Um aber eine tatsächliche Coca Cola zu sein, dazu fehlen dem Wittenberger Getränk genau zwei Dinge: Kokablätter - das Coca, Kolanüsse - die Cola. Zudem braute Valerius Kordus ohne Kohlensäure und ohne Koffein. Deshalb schmeckt es dann doch anders, als die Cola, die wir heute kennen, weiß Christian-Heinrich Wunderlich:

Ja ich hab’s zu Hause mal ausprobiert und es schmeckt durchaus passabel. Also es hat eine starke Fenchelkomponente, das würde ich vielleicht noch austauschen, aber so im Prinzip ist alles dran, was ein alkoholfreier Cocktail eben so haben muss.

Christian-Heinrich Wunderlich

Geschmackvoll ja – aber ein wirkungsvolles Medikament? Eher nein. Schwefelsäure gelangt gar nicht erst bis in die Blase oder Nieren. Bereits im Magen wird sie neutralisiert. Den Blasen- oder Nierensteinen konnte die Wittenberg-Cola also nichts anhaben. Und die Coca Cola? Entwickelt von einem Apotheker kam das Tonikum Ende des 19. Jahrhundert auf den Markt - mit dem Versprechen: Hilfe gegen Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Depression. Der Wirkstoff dafür, das Kokain ist heute natürlich nicht mehr enthalten. Übrig bleibt, wie in Wittenberg, eine braune süß-säuerliche Limonade.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 21.03.2017 | 06:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2017, 13:37 Uhr