Shakira
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Wissenschaft im Party-Style Die Suche nach dem perfekten Tanz

Vielleicht haben sie zu viel Shakira gehört, wir wissen es nicht. Aber die Vermutung könnte nahe liegen. Denn in ihrem Song “Hips don’t lie“ (Hüften lügen nicht) singt die Kolumbianerin über das Tanzen: “Achte auf die Zeichen meines Körpers.“ Und genau das haben die Forscher der britischen Northumbria University gemacht. Sie wollten herausbekommen, welche Signale Frauen beim Tanzen aussenden. Und haben dabei entdeckt, was einen guten Tanz ausmacht.

Shakira
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Mit den Hüften ausladend schwingen, die Beine möglichst asymmetrisch bewegen und bloß nicht zu stark mit den Armen zappeln: Wenn Frauen so tanzen, finden Beobachter das besonders gelungen, wie Forscher im Fachblatt "Scientific Reports" berichten. Sie hatten den weiblichen Tanzstil genau untersucht, um mehr darüber hinauszufinden, welche Signale damit übersendet werden. Fachleute vermuten, dass Tänzer Beobachtern unbewusst etwa Informationen über den eigenen Gesundheitszustand übermitteln.

Typische feminine Tanzeigenschaften verbessern die Bewertung der Attraktivität. Beobachter können darin Fruchtbarkeit erkennen, je nachdem in welcher Phase des Zyklus sie sich befindet.

Kristofer McCarty et al., Northumbria University

Tanz spiele in allen menschlichen Kulturen eine wichtige Rolle, schreiben die Autoren um Kristofer McCarty von der britischen Northumbria University in Newcastle upon Tyne. Er habe keine unmittelbare Überlebensfunktion, spiele aber häufig bei der Partnersuche eine Rolle. Aus diesem Grund interessierten sich auch Wissenschaftler, die die Evolution menschlichen Verhaltens untersuchten, für das Tanzen. Was einen Tanz attraktiv erscheinen lässt, sei aber bislang wenig erforscht.

Tanz der Avatare

Das Team um McCarty ließ 39 Frauen vor der Kamera zu einem einfachen Beat tanzen. Wie bei Hollywoodfilmen erfassten reflektierender Marken die Bewegungen des Körpers und der Gelenke. Mit Hilfe der aufgezeichneten Daten animierten die Wissenschaftler am Computer virtuelle Charaktere, sogenannte Avatare. 57 Männer und 143 Frauen sahen anschließend einen kurzen Ausschnitt von jeweils fünf Avatar-Tanz-Performances und beurteilten sie auf einer Skala von 1 bis 7. Die Note 1 bekam eine extrem schlechte Tänzerin, die Note 7 eine extrem gute. Indem sie Avatare erschufen, stellten die Forscher sicher, dass die Juroren tatsächlich nur die Tanzbewegungen und nicht etwa die Attraktivität einzelner Frauen bewerteten. Anschließend untersuchten die Wissenschaftler, welche Tanzbewegungen zu einer guten Bewertung geführt hatten.

Eine Frau tanzt
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Frauen schwingt die Hüften!

Das Ergebnis: Sowohl Männern als auch Frauen gefielen Tänzerinnen, die ihre Hüften ausladend bewegten.

Rechtes und linkes Bein, genauer gesagt die Oberschenkel, sollten sich unabhängig voneinander bewegen und die Arme deutlich geschwungen werden.

Der Hüftschwung sei wichtig, weil Beobachter daran das Geschlecht erkennen könnten, interpretieren die Forscher ihre Ergebnisse. Eine asymmetrische Bewegung der Gliedmaßen signalisiere eine gute Kontrolle der Motorik – solange keine "unkontrollierten pathologischen“ Bewegungen dabei herauskämen. Bewegungsstörungen seien Merkmal zahlreicher Krankheiten. Zu starke Bewegungen etwa seien ein Zeichen für das Tourette-Syndrom, zu wenig Beweglichkeit könne auf Parkinson hindeuten.

Männer seid variabel!

Im Rahmen der Forschungen haben die Wissenschaftler in Newcastle vor einigen Jahren auch tanzende Männer untersucht. Dabei ging es neben der Qualität des Tanzes auch um die Physis. Das Ergebnis: Wer gut tanzen kann, mit kräftigen Bewegungen des Oberkörpers, wirkt auch körperlich fitter und damit für Frauen attraktiver. Männer dagegen erkennen im evolutionären Sinne den starken Rivalen und loten beim Tanzen auch aus, ob es sinnvoll ist, sich mit dem anderen zu messen.

John Travolta, Saturday Night Fever
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Was einen guten Tanz bei Männern ausmacht, hatte die Uni bereits 2010 untersucht:

Entscheidend sind die Bewegungen im Halsbereich, der Schulter und dem Rumpf.

Sie sollten möglichst abwechslungsreich sein. Wer variabel ist, ist also klar im Vorteil. Immer der gleiche Hüftschwung oder derselbe Kopfnicker kommen nicht so gut an. Wer es dann auch noch schafft, lässig das rechte Knie zu drehen, hat gewonnen.

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell im Radio | 11.02.2017 | 08:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 14:17 Uhr