Frau sitzt alleine vorm Fernseher.
Bildrechte: IMAGO

Endstation Selbstheirat? Das Leben in der Single-Falle

Etwa 40 Prozent aller Deutschen leben allein, meist unfreiwillig. Wer einmal in der "Single-Falle" sitzt, kommt nur schwer wieder heraus. Warum das so ist, haben amerikanische Wissenschaftler jetzt untersucht. Und sie wissen auch, wie man diesen Teufelskreis durchbrechen kann.

von Kathleen Raschke-Maas

Frau sitzt alleine vorm Fernseher.
Bildrechte: IMAGO

Wer einsam ist, fängt irgendwann an, immer mehr um sich selbst zu kreisen und wird langsam zum Egozentriker. Das fand der Psychologe John Cacioppo von der Universität Chicago gemeinsam mit seinen Kollegen heraus. Die Forscher sichteten Daten einer umfassenden Gesundheitsuntersuchung, bei der von 2002 bis 2013 rund 230 Amerikaner zwischen 50 und 68 Jahren jährlich dazu befragt wurden. Es zeigte sich, dass einsame Teilnehmer schon nach einem Jahr deutlich selbstbezogener waren. Und genau das ist es, was es so schwer macht, sich wieder auf Menschen einzulassen und den Kontakt zu ihnen über längere Zeit zu erhalten.

Kurzfristig ist Einsamkeit evolutionär durchaus sinnvoll. Man kann so seine eigenen Bedürfnisse besser wahrnehmen und sich neu motivieren, Sozialkontakte zu pflegen. Aber langfristig schadet sie Körper und Seele.

John Cacioppo, Psychologe

Cacioppo forscht seit Jahren zur Einsamkeit - in diversen Studien in verschiedenen Ländern fand er heraus, dass sich im Schnitt etwa 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung einsam fühlen. Der Psychologe betont jedoch, dass jemand, der alleine lebt, nicht zwingend einsam sein muss. Viele Singles liebten ihre Ungebundenheit.

Gesellschaft allein hilft nicht gegen Einsamkeit

Andererseits könne man sich auch chronisch einsam fühlen, selbst wenn man einen Partner hat oder in Schule und Beruf von anderen Menschen umgeben ist. Das ist der Fall, wenn diese Kontakte eine reine Alltags-Unterstützung bzw. eine bloße Gesellschaft sind und eine echte gegenseitige Ansprache fehlt. Dann empfiehlt Cacioppo:

Essensausgabe in der Bahnhofsmission Berlin Zoologischer Garten
Bildrechte: IMAGO

Machen Sie ein Ehrenamt, das Sie erfreut. Wenn Sie in einer Suppenküche arbeiten, werden Sie plötzlich feststellen, dass andere Menschen wirklich nett sein können und mit Dankbarkeit, eben dieser Ansprache reagieren, die Sie sonst vielleicht vermissen.

John Cacioppo, Psychologe

Wem all das nicht hilft, dem bleibt am Ende immer noch die "Selbst-Heirat", ein kurioser Trend, der Anfang 90er Jahre in Amerika seinen Anfang nahm. 1993 heiratete Linda Baker aus Los Angeles sich selbst und lieferte damit die Vorlage für den Fernsehfilm "I Me Wed" - "Ich heirate mich selbst". Erst seit kurzem jedoch sind die Single-Eheschließungen wirklich populär, vor allem in den USA, in Großbritannien und Japan - mit Junggesellinnen-Abschied, Brautkleid, Ring und allem drum und dran. Dieses Ritual ist ein Bekenntnis zu sich selbst und es erfüllt den Traum, einmal Braut zu sein - auch ohne Mann.

Eine Braut sitzt wartend auf einem Sofa.
Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Über dieses Thema berichtete MDR KULTUR auch im: Radio | 04.05.2017 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2017, 19:10 Uhr