ein Grönlandhai
Bildrechte: Julius Nielsen, University of Copenhagen

Eishaie werden bis zu 400 Jahre alt - Rekord Methusalems der Meere

Wir kennen Schildkröte Jonathan - 184 und damit das derzeit vermutlich älteste bekannte Landlebewesen. Und dann gibt es noch die Grönlandwale – bis zu 18 Meter lange Glattwale, die in arktischen Gewässern leben und über 200 Jahre alt werden können. Doch das ist alles nichts im Vergleich zu den Eishaien. Denn die können bis zu 400 Jahre alt werden, haben Wissenschaftler der Universität Kopenhagen jetzt herausgefunden.

ein Grönlandhai
Bildrechte: Julius Nielsen, University of Copenhagen

Der Eishai, auch Grönlandhai, lateinisch Somniosus microcephalus ist eine der bisher am wenigsten erforschten Haiarten der Meere. 1801 wurden sie zum ersten Mal beschrieben aber erst Ende der 1990-er Jahre gelangen Meeresforschern Filmaufnahmen der Tiere. Umso erstaunlicher sind die Ergebnisse, die ein Wissenschaftler-Team der Universität Kopenhagen um Professor Julius Nielsen jetzt in der Zeitschrift “Science“ veröffentlichten. Eishaie, so die Untersuchungen, können bis zu 400 Jahre alt werden. Damit sind sie die langlebigsten Wirbeltiere der Welt. Erst mit 150 Jahren erreichen sie die Geschlechtsreife.

Wer langsam wächst, wird richtig alt

getzötete Grönlandhaie
Eis- bzw. Grönlandhaie auf einem Forschungsschiff. Bildrechte: Julius Nielsen, University of Copenhagen

Eines der Geheimnisse des Alters ist offenbar das langsame Wachstum. Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass sie nur einen Zentimeter pro Jahr wachsen. Offenbar ist es noch weniger. Da die Tiere statt Knochen Knorpelgewebe haben, war eine konventionelle Altersbestimmung nicht möglich, so Nielsen im Magazin Science. Daher grioiffen die Forscher auf die sogenannte Radiokarbondatierung zurück, mit der das Alter kohlenstoffhaltiger organischer Materialen über den Zerfall bestimmter Kohlenstoffatome errechnet werden kann. “Die Radiokarbondatierung der Augenlinse Kerne von 28 weiblichen Grönlandhaie (81-502 cm Gesamtlänge) zeigte eine Lebensdauer von mindestens 272 Jahre“, schreibt Nielsen in “Science“.

Besonders ihre späte Geschlechtsreife macht die Grönlandhaie sehr anfällig

Jürgen Kriwet, Paläontologe, Universität Wien
Ein Eishai
Ein Eishai - aufgenommen vor der Nordostküste der USA. Bildrechte: NOAA Okeanos Explorer Program, 2013 Northeast U.S. Canyons Expedition

Der nächste Schritt wird jetzt sein, den genauen Grund für das hohe Alter zu ermitteln. Bisher galt zum Beispiel die Größe als einer der Gründe. “Aber Grönlandhaie sind nicht die größten Haie, und auch nicht die einzigen, die in so kalten Gewässern leben“, sagt Jürgen Kriwet vom Institut für Paläontologie der Universität Wien, der nicht an der Studie beteiligt war zu deren Ergebnissen. Und die Forscher aus hoffen außerdem, dass die Eishaie besser geschützt werden. Bisher stehen sie auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion ( IUCN ) als “potenziell gefährdet“. Die neuen Ergebnisse, so Professor Nielsen, zeigen, dass mehr Schutz nötig ist. Das unterstützt auch Paläontologe Kriwet: “Besonders ihre späte Geschlechtsreife macht die Grönlandhaie sehr anfällig.“

Super-Methusalem in der Antarktis

Stimmen die Berechnungen von Nielsen, dann ist der bisherige “Alterspräsident“ der Wirbletiere, der Grönlandwal, vom Thron gestoßen. Allerdings ist der Grönlandhai damit nicht die Nummer 1 unter den Tieren. Noch älter ist die auch in der Ostsee vorkommende Islandmuschel (Arctica islandica ). Diese kann sogar über 500 Jahre alt werden, wie britische Forscher ermittelt haben. Aber auch sie ist damit noch nicht Spitzenreiterin. Denn der “Super-Methusalem“ lebt in der Antarktis. Es ist ein Schwamm aus der Klasse der Glasschwämme. Er heißt Anoxycalyx joubini und kann bis zu 10.000 Jahre alt werden.

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2016, 13:16 Uhr