Flugzeug-Kabine
Bildrechte: Frauenhofer HHI/MDR

12,5 Gigabit pro Sekunde Dresdner Forscher entwickeln WLAN mit Licht

Es klingt nach Science-Fiction-Film: Daten, die nicht via Funk-Technik auf Laptops oder Handys landen, sondern per Lichtsignal. Am Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IMPS) in Dresden haben Wissenschaftler schon erste Projekte in die Tat umgesetzt. Einzelheiten von MDR-Wissensredakteur Johannes Schiller.

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Dateninformation per Licht ist aus wissenschaftlicher Sicht eine uralte Technik - jedenfalls wenn man so weit zurückschaut wie Alexander Noack vom Fraunhofer IMPS in Dresden:

Bei den Alten Römern war das ein Leuchtfeuer, das oben auf dem Berg gestanden hat. Das hat man angeschaltet, wenn irgendwas war. Und irgendwo anders stand jemand, der hat gesagt: Aha! Das ist irgendwas. Das war ja schon das erste Mal Datenübertragung mit Licht.

Wenn man die beiden Signale, Licht an/Licht aus, in Zahlencodes der digatelen Welt, also Eins und Null, übersetzt, kann man Licht zur Datenübertragung nutzen. Die Übertragungsrate ist dabei so schnell, dass das Auge sie nicht mehr wahrnehmen kann. Die Abkürzung Li-Fi erinnert an den englischen Begriff WiFi für Drahtlos-Netzwerke. Mit Li-Fi-Technik könnten zum Beispiel die LEDs einer Deckenlampe Daten an einen Laptop senden. So schnell, dass ein kompletter Spielfilm in ein oder zwei Sekunden übertragen wäre, oder wie Alexander Noack erklärt: "Wir schaffen es beispielsweise bei uns bis zu 12,5 Gigabit pro Sekunde zu übertragen. Das ist zehn bis 100 Mal schneller als andere Funktechnologien es ermöglichen".

Warum noch LiFi, wenn es doch schon WiFi gibt?

Bei herkömmlichen Funknetzen streuen sich die Daten durch Wände oder Türen. Mit einem großen Nachteil: Laufen in einem Mehrfamilienhaus viele WLAN-Netze gleichzeitig, behindern die sich gegenseitig und Datenübertragung wird für alle langsamer. Das ist bei LiFi anders, erklärt Alexander Noack:

Das geht nicht durch Wände durch. Man kann mit einfachen Mitteln klar definieren, wo ein Lichtspot ist. Das heißt, ich kann sehr kleine Zellen definieren, in denen immer 100 Prozent Bandbreite zur Verfügung stehen.

Es gibt zwar erste Li-Fi-Systeme fürs Zuhause, die aber in der Anschaffung teurer sind, weil theoretisch in jedem Raum ein LiFi-Hotspot hingestellt werden müsste, erklärt Noack im Gespräch mit MDR Wissen. Richtig ausspielen kann die Technologie ihre Vorteile dagegen in der Industrie: Die Datenübertragung per Licht ist abhörsicher und klappt auch zwischen den Metall-Bauten einer Fabrikhalle, ohne dass es zu Störungen kommt, so Noack. Zuletzt hat er die Roboter einer vollautomatisierten Lagerhalle ausgestattet. "Diese Roboter müssen im Raum autonom von einer Station zur anderen fahren, um dort Ware aufzunehmen oder abzugeben." Ein Funknetz wäre damit schnell überlastet, nicht aber bei der Datenübertragung durch Licht, wo die Daten an einem bestimmten Punkt an genau einen Roboter übertragen werden.

Harald Haas, Professor für mobile Kommunikation im schottischen Edinburgh, und einer der Pioniere der Li-Fi-Technologie, geht noch einen Schritt weiter. Er spricht von einer dritten industriellen Revolution und versteht Daten per Licht als eine Art Treibstoff der Zukunft.

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell auch im Radio: MDR | 07.12.2017 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2017, 15:41 Uhr