Barsch
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Aquaponik Clevere Kombi: Fischzucht mit Pflanzenanbau

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Sie steckt in den Kinderschuhen und ist gleichzeitig uralt: Die Aquaponik. Schon die Azteken in Mittelamerika nutzten vor gut 600 Jahren die Kombination zweier Ökosysteme, um ein Kernproblem großer Städte zu lösen: Wie sichert man die Nahrungsmittelversorgung von Mega-Cities? Ist Aquaponik die Antwort auf Überfischung der Meere und Flüsse, das Allheilmittel gegen ausgelaugte Böden und andere gravierende Folgen der Monokultur in der Landwirtschaft?

Die Chinampas von damals …

Fluss in Mexiko
Reste einer "fruchtbaren schwimmenden Insel" aus der Zeit der Azteken in Mexiko, die ab 2011 wieder instand gesetzt wurden. Bildrechte: IMAGO

Die Azteken hatten im Gegensatz zu uns weder Transportsysteme für Nahrungsmittel über größere Entfernungen, noch Kühlketten, um zum Beispiel Fisch frisch zu halten auf dem Weg vom Netz auf den Teller. Trotzdem wurden die Bewohner von großen Städten wie zum Beispiel in Tenochtitlan, einer frühen mexikanischen Mega-City mit 250.000 Einwohnern, mit Lebensmitteln versorgt. Die Azteken entwickelten dafür eine Anbaumethode, die Industrienationen heute für sich entdecken - als Antwort auf die drohende Nahrungsmittelknappheit angesichts der wachsenen Weltpopulation.

Chinampas, so hießen die künstlich hergestellten Anbauflächen in einstigen Sumpfgebieten außerhalb der Stadt Tenochtitlán. Die Anbauflächen der Chinampas wurden aus Schilf zusammengesteckt und mit Schlamm bedeckt zu "schwimmenden (Nahrungs-)Inseln". Neu ist der Ansatz der heutigen Industrienationen also nicht, nur ausgefeilter und von allen Unwägbarkeiten befreit, mit denen die Azteken auf ihren Chinampas vermutlich noch konfrontiert wurden.

… ist die Aquaponik von heute

Der Transport von Lebensmitteln um den halben Globus ist heute zwar möglich und künstlicher Dünger sorgt für optimale Ernte- oder Zuchtergebnisse. Doch angesichts der Nebenwirkungen von Pestiziden auf Felder oder Antibiotika in Fischzuchtbecken experimentieren Forscher mit umweltfreundlichen Anbau- und Zuchtmethoden wie der Aquaponik, einem Mischwort aus "Aquakultur" und "Hydroponik".

Theoretisch: Gleicher Ansatz

Ob Chiampas oder Aquaponik: Beide Systeme kombinieren Pflanzenanbau und Fischzucht, indem sie einen natürlichen Kreislauf nutzen: Fische reichern das Wasser, in dem sie schwimmen, mit ihren Ausscheidungen an. Bakterien im Wasser bilden das hochgiftige Ammoniak der Fischexkremente zu Nitraten um. Pflanzen ziehen das Nitrat, das sie für ihr Wachstum brauchen, über die Wurzeln aus dem Wasser, und reinigen es so wieder.

Fische im Wasser
Bakterien, die aus dem Ammoniak der Fischexkremente Nitrat machen
Pflanzen, deren Wurzeln aus dem von den Bakterien gereinigten Wasser das Nitrat ziehen
Das ums Nitrat bereinigte Wasser geht zurück zu den Fischen.
Schematische Darstellung einer Aquaponik-Anlage Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/ Colourbox

Natürliche Schwankungen der Natur ausgetrickst

Im Aquaponiksystemen wird im Gegensatz zur Zeit der Azteken nichts mehr dem Zufall überlassen: Forellen und Tomaten, Barsche und Paprika, gedeihen streng kontrolliert in geschlossenen Systemen – bei durchgängig optimierten Bedingungen. Fische schwimmen in Wassertanks, Bakterien "arbeiten" in einem abgeschlossenen Filterbereich, die Pflanzen gedeihen in Gewächshäusern im perfekt auf sie abgestimmten Klima. Das von Nitrat gereinigte Wasser wiederum fließt zurück ins Fischbecken, wo der Kreislauf von vorne beginnt. Naturbedingte Schwankungen wie Regenmenge, Trockenheit, Sonnendauer, Temperaturstürze oder schwankendes Nahrungsmittelangebot, - Faktoren, die Landwirtschaft und Fischzucht unwägbar machen, sind bei aquaponischen Anlagen ausgeschaltet - Ernte und Zuchterfolg sind planbar.

Kombiniert: Fischzucht und Pflanzenanbau

Aquaponik , gleichzeitige Fisch- und Pflanzenproduktion in einem kombinierten Kreislauf
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Aquaponik , gleichzeitige Fisch- und Pflanzenproduktion in einem kombinierten Kreislauf
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M.Sc. Berit Wasenitz (41) kümmert sich hier um den Versuchsaufbau im Fisch-Glas-Haus.
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Stand der Aquaponik-Forschung

In Deutschland ist diese kombinierte Anbauart noch nicht sehr verbreitet. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei forscht in einer Anlage am Müggelsee bei Berlin. In der Schweiz wird an der Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW die Aquaponik-Technik in sogenannten Dachfarmen erforscht - mit dem Ziel, Lebensmittel so nah wie möglich am Verbraucher zu produzieren, nämlich mitten in der Stadt, beispielsweise auf Gebäudedächern. Am südlichen Zipfel Europas, im wasserknappen Spanien, könnte man dank Auqaponik-Kultur viel Wasser sparen. Doch davon ist man entfernt. Bisher gibt es eine einzige größere Aquaponik-Anlage in Malaga.

Über dieses Thema berichtet der MDR im Fernsehen: LexiTV| 22.08.2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2017, 17:00 Uhr