Ein Führerschein und ein Autoschlüssel liegen auf einem Fahrzeugschein.
Wann werden Führerscheine überflüssig? Bildrechte: dpa

Autonomes Fahren Brauchen wir in Zukunft noch einen Führerschein?

Was in den 80er Jahren noch Utopien aus Serien wie "Knight Rider" waren, wird langsam aber stetig Wirklichkeit: Autos mit einer künstlichen Intelligenz, die autonom fahren und mitdenken können. Vieles ist schon heute machbar in Theorie und Praxis: Doch, wo stehen wir derzeit mit selbstfahrenden Autos und wie werden sie unseren Verkehr verändern? Werden zukünftige Generationen vielleicht gar keinen Führerschein mehr brauchen?

von Katja Schmidt

Ein Führerschein und ein Autoschlüssel liegen auf einem Fahrzeugschein.
Wann werden Führerscheine überflüssig? Bildrechte: dpa

In Zukunft wird sich der Straßenverkehr in Deutschland und der ganzen Welt stark verändern. Bis zum Jahr 2020 planen verschiedene Autohersteller und Wissenschaftler, selbstfahrende Autos serienreif zu machen. Dadurch soll der Verkehr sicherer und komfortabler werden. Doch wie weit ist die Entwicklung der autonomen Autos schon fortgeschritten? Stephan Schmidt hat an der Universität Magdeburg die Juniorprofessor "Autonome Fahrzeuge" inne.

Ich glaube das Beispiel von dem Tesla aus dem letzten Jahr, das zeigt das ganz gut: Die Fahrzeuge haben einen Stand erreicht, wo man meint als Benutzer, dass sie relativ zuverlässig sind, aber dann, wenn es darum geht, dann doch in so kritische Grenzbereiche zu kommen, dass sie eben versagen und das sehe ich noch als großes Problem an.

Jun.-Prof. Stephan Schmidt, Universität Magdeburg
Ein Journalist sitzt während einer Testfahrt auf dem Fahrersitz eines Audi und macht Notizen in seinem Schreibblock.
Selbstfahrendes Auto: Heute noch ein Prototyp - 2030 schon der Regelfall? Bildrechte: dpa

Schmunzelnd fügt Stephan Schmidt hinzu, man müsse bei Youtube nur mal "My tesla tried to kill me" eingeben, dann bekomme man einen ungefähren Eindruck davon, wie sicher selbstfahrende Autos aktuell wären. Doch Wissenschaftler und Unternehmen arbeiten unter Hochdruck an der Verbesserung – auch weil es eine gesellschaftliche Relevanz gibt.

So mache der ADAC regelmäßig Befragungen, die über die Zeit zeigten, dass sich eine wachsende Zahl Menschen autonome Fahrzeuge vorstellen können. Doch Schmidt ergänzt: "Also den Cabrio-Fahrer auf der kurvigen Bergstraße wird man wahrscheinlich nicht erreichen, aber wenn man sich überlegt, wieviel Zeit man im Stau auf der Autobahn verbringt, dann denk ich schon, dass das einen Mehrwert hat." Doch es gibt vor allem in Deutschland eben viele Menschen, die gern Auto fahren. Für Professor Andreas Wendemuth vom Lehrstuhl für Informations- und Kommunikationstechnik der Universität Magdeburg ein großer Unterschied zum Beispiel zu den Amerikanern.

In den USA heißen diese autonom fahrenden Autos "People mover" – also es sind Geräte, die Leute von A nach B bewegen, das ist in soweit interessant, dass der Begriff des Fahrens da gar nicht mehr drin ist. In Europa hat man ja auch Spaß am Fahren, den will man sich nicht nehmen lassen. Das heißt, ich brauche eigentlich für unsere Anforderungen die komplette Bandbreite von 'Ich mach alles alleine' bis hin zu 'Ich überlass alles dem Auto'.

Prof. Andreas Wendemuth, Universität Magdeburg

Für Stephan Schmidt ist das vor allem eine Generationenfrage: Natürlich können wir uns schwer vorstellen, uns einfach unbeteiligt in ein Auto zu setzen. Kinder jedoch, die mit solchen Fahrzeugen groß werden, werden sie ganz selbstverständlich nutzen und dann, so Schmidt, auch keinen Führerschein mehr brauchen. Wer jetzt acht Jahre alt sei, der werde noch Geld zurücklegen müssen für den Führerschein. Seine Tochter sei jetzt fünf Jahre alt und sie könnte ein Grenzfall sein: Denn bis sie den Führerschein machen würde, wären das noch 13 Jahre, dann sei es 2030 und dann werde es eben schon realistisch, dass autonom fahrende Autos auf den Straßen unterwegs sind.

Ich hab noch ne ganz kleine Tochter, die ist sieben Monate: Bei ihr bin ich mir relativ sicher, dass sie keinen Führerschein mehr machen muss. Ob sie einen machen will, ist eine andere Sache. Ich bin mir relativ sicher, wir werden noch länger parallelen Verkehr haben.

Jun.-Prof. Stephan Schmidt, Universität Magdeburg

Zumal auch viele rechtliche Dinge noch nicht geklärt sind: Wer haftet, wenn das selbstfahrende Auto einen Unfall baut und wie programmiert man es für den Fall, dass ein Unfall, bei dem Menschen zu Schaden kommen, unvermeidbar wird? Schützt das Auto dann eher seine Insassen oder die Kindergartengruppe am Straßenrand? Wichtige moralische Fragen, denen wir uns auch als Gesellschaft stellen müssen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 15.05.2017 | ab 05:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2017, 06:00 Uhr