Autoscheinwerfer in der Dunkelheit
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Gefährliche LED-Scheinwerfer Blindflug im Straßenverkehr

Sie sind modern, schick und leuchten die Straße vor dem eigenen Auto hell aus: Neuartige LED-Scheinwerfer. Doch die Leuchten werden immer heller, blenden entgegenkommende Fahrer und werden damit zur Gefahr.

Autoscheinwerfer in der Dunkelheit
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LED-Scheinwerfer sind ein Traum für Autodesigner: Sie geben dem Fahrzeug ein Gesicht, wirken elegant oder kantig, böse oder freundlich. Allerdings sind sie ziemlich grell. Sie können doppelt so stark leuchten wie Halogenscheinwerfer. Ihr Licht wird damit zum Alptraum der entgegenkommenden Fahrer. Auch wenn ihre Augen in Ordnung sind: Das LED-Licht blendet, macht Fahrer blind.

Das gilt nicht nur für Pkw. Auch Fußgänger, Fahrradfahrer und Jogger nutzen die neuen Leuchten, denn alle wollen sicher unterwegs sein. Gut wenn man das helle Licht vor der Nase hat – schlecht wenn man es direkt in die Augen bekommt.

Prof. Tran Quoc Khan
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Gesetzlich ist keine Begrenzung der Lichtstärke vorgesehen, sagt Tran Quoc Khanh, Professor für Lichttechnik an der Technischen Universität Darmstadt. "Zwar gibt es für Autos Vorschriften, aber die stammen aus den 60ern und regeln die Mindest-Leuchtstärke von Frontscheinwerfern. Eine Begrenzung nach oben war schlicht nicht nötig, denn damals gab es die lichtstarken LEDs noch gar nicht."

Für den Wissenschaftler liegt das Hauptproblem in der hohen Leuchtdichte. Anders als früher strahle das Licht nicht mehr von einer großen Fläche ab. Die LEDs seien stattdessen kleine, punktförmige, zugleich sehr helle Lichtquellen. Dadurch sei die Leuchtdichte hoch, die dann zur Blendung führe. Gerade weil die Scheinwerfer immer heller werden, wird die Sicht auf den Straßen problematischer. Die Autoindustrie aber verdient gut an den Aufpreisen für n LED-Scheinwerfern und nutzt den Spielraum, den die Gesetze ihr lassen.

Das Gesetz von heute für heute wurde schon vor rund 30 Jahren gemacht. Damals gab es diese Glühlampe mit einer großen Linsenoptik.

So eine Technik gilt heute als veraltet, die Vorschriften sind es auch. Test zeigen, Blendung ist nicht nur für ältere Fahrer sondern auch für Jüngere ein großes Problem. Das Unfallrisiko ist dadurch nachts schon bei Trockenheit und guten Sichtverhältnissen erhöht. Nasse Straßen aber verstärken die Blendwirkung weiter. Auf spiegelnden Oberflächen, ist kaum noch was zu erkennen. Im Extremfall bedeutet das für Autofahrer: Blindflug. Besonders nachts stört Blendung das Sehvermögen.

Olaf Strauss, Universitätsmedizin Charité Berlin
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Beim Autofahren auf der Landstraße gerät man genau in die Situation wo das Auge im Grunde wehrlos ist gegen so eine Lichtattacke. Wir fahren mit an die Dunkelheut angepassten Augen. Unsere Pupillen sind geweitet, die Stoffwechselprozesse in der Netzhaut laufen langsam ab. Wenn mir jetzt plötzlich ein Auto entgegenkommt, dessen Scheinwerfer die weit geöffneten Pupillen und die lichtempfindlichen Sehzellen im Auge treffen, dann bin ich für einen kurzen Augenblick total blind.

Olaf Strauss, Augenspezialist an der Charité in Berlin

Nachdem ein Lichtstrahl die Sinneszellen erregt hat, müssen sie mit Vitamin-A nachgeladen werden. Dieser Prozess läuft im Dunkeln langsamer ab als tagsüber. Kommt nun plötzlich helles Licht, muss das System erst hochgefahren werden. Bis ausreichend Vitamin-A-Nachschub bereit steht, funktioniert nur ein Teil der Sehzellen. Dadurch kommt es zum Blindflug nach einer Blendung, dem oft ein sogenanntes "Nachglühen" folgt, bis wieder ausreichend Vitamin-A im Auge bereit steht. Das kann dauern. "Wenn man direkt getroffen wird, hat man oft eine halbe bis eine ganze Minute eine stark reduzierte Sehfähigkeit. Beim Autoverkehr auf der Landstraße mit 80 Kilometern pro Stunde sind 30 Sekunden eine elend lange Zeit und sehr gefährlich", sagt Strauss.

Blindflug im Straßenverkehr – in welchem Maß das zu Unfällen führt ist unbekannt. Blendung wird als Unfallursache gar nicht registriert. Auch von Versicherern nicht. In ihren Statistiken gibt es also eine Dunkelziffer.  Niemand macht Druck. Und, dass die Autohersteller sich bei der Gestaltung der Scheinwerfer zurücknehmen, ist nicht zu erwarten. Sie halten sich schließlich an die Normen.

Experten wie Professor Tran Quoc Khanh raten, die alten Vorschriften anzupassen. Die Gesetzgeber sehen dazu bisher offenbar keinen Anlass.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Fernsehen : nano/3sat | 03.03.2017 | 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2017, 15:59 Uhr