Aufsteigende sehr große Explosionswolke vor dunklem Himmel.
Die USA zünden auf dem Eniwetok Atoll der Marshall-Inseln im Pazifik die erste Wasserstoffbombe. Zu sehen ist die Bildung einer Pilzwolke. Bildrechte: dpa

Nordkorea Warum Wasserstoffbomben extrem gefährlich sind

Nach einem Test am Wochenende behauptet Nordkoreas Diktatur Kim Jong Un, sein Land verfüge nun über eine Wasserstoffbombe. Stimmt das, besitzt die Armee des asiatischen Lands nun die mächtigste Waffe der Welt, denn Wasserstoffbomben funktionieren anders, als herkömmliche Nuklearsprengsätze.

von Johannes Schiller

Aufsteigende sehr große Explosionswolke vor dunklem Himmel.
Die USA zünden auf dem Eniwetok Atoll der Marshall-Inseln im Pazifik die erste Wasserstoffbombe. Zu sehen ist die Bildung einer Pilzwolke. Bildrechte: dpa

Vor rund 65 Jahren, genauer am 1. November 1952, starteten die USA die Operation Ivy Mike. Sie zündeten eine Wasserstoff-Bombe auf einer Pazifikinsel. Die Sprengkraft war 800 Mal größer als jene der Atombombe auf Hiroshima. Entscheidend dafür war ein neues technisches Prinzip.

Die ersten Atomwaffen wie die Hiroshima-Bombe basierten auf Kernspaltung. Große Atomkerne wie zum Beispiel Uran 235 werden von Neutronen beschossen und zerfallen dadurch in kleinere Kerne. Das hat zwei Folgen: Zum einen wird dabei jede Menge Energie frei und damit Wärme. Zum anderen entstehen neue Neutronen, die selbst wieder weitere Kerne spalten können. Eine unkontrollierte Kettenreaktion kommt in Gang, die in einer mächtigen Explosion mündet.

Wasserstoffbomben: Kernfusion- statt Spaltung

Asiatisch aussehende Männer in Militäruniformen begutachten eine silbern schimmernde Tonne.
Nordkoreas Machthaber Kim bei der Inspektion eines Sprengkopfes einer angeblichen Wasserstoffbombe. Bildrechte: dpa

Eine Wasserstoff-Bombe funktioniert vereinfacht gesagt genau umgekehrt wie eine Atombombe. Atomkerne werden nicht gespalten, sondern zusammengeführt, also fusioniert. Konkret heißt das: Besonders schwere Wasserstoff-Kerne werden verschmolzen. Daher der Name Wasserstoff-Bombe oder H-Bombe. H – weil das das chemische Symbol für Wasserstoff ist.

Damit sie zünden können, brauchen Wasserstoff-Bomben andere Zünder als herkömmliche Atombomben. Sie sorgen für eine extrem hohe Temperatur und hohen Druck. Denn erst bei etwa 100 Millionen Grad kommt die Fusion in Gang, dann verschmelzen die Wasserstoffkerne zu Helium, wie das auch in der Sonne passiert. Und genau wie bei der Spaltung von Atomen wird auch bei ihrer Verschmelzung viel Energie frei.

So stark, wie alle Weltkriegsbomben zusammen

Die Wasserstoff-Kerne fusionieren zu einem größeren Helium-Kern. Aber der ist am Ende leichter als die beiden Ausgangskerne. Weil aber Masse nicht einfach so verschwinden kann, muss sie umgewandelt worden sein. Und zwar in Form von Energie. Das ist die berühmte Einstein-Formel: E=mc2, also Energie gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat.

Ihre Sprengkraft ist noch viel gewaltiger als die von Atombomben. Die große Menge an Energie sorgt für enorme Hitze, die zum Beispiel das Erdreich schlagartig verdampfen kann. Dadurch entsteht eine gigantische Druckwelle. In den Arsenalen der Atomwaffen-Länder lagern praktisch nur Wasserstoffbomben. Der größte atomare Sprengkopf des US-Militärs hat zum Beispiel eine Sprengkraft von einer halben Megatonne TNT. Zum Vergleich: Nur vier dieser Sprengköpfe verfügen über so viel Sprengkraft wie alle Bomben zusammen, die im zweiten Weltkrieg abgeworfen worden sind.

Über dieses Thema berichtet MDR-Aktuell auch im: Radio | 04.09.2017 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2017, 09:57 Uhr