Kiebitzküken im Grünen
Ein Küken der bedrohten Kiebitze: Um die Vögel zu schützen testet das Artenschutzprojekt F.R.A.N.Z. Methoden, mit denen Landwirtschaft das Überleben von Tieren und Pflanzen auf dem Land möglich machen kann. Bildrechte: IMAGO

F.R.A.N.Z Artenschutzprojekt Wie Landwirte Lerchen und Kiebitze schützen können

Lerchenfenster und Kiebitzinsel sind weder Bauteile noch Ortsnamen, sondern Rückzugsräume für Tiere, die unter anderem durch intensive Landwirtschaft gefährdet sind. Kiebitz, Feldlerche und Feldhase zum Beispiel kämpfen hier ums Überleben. Das Projekt F.R.A.N.Z. beobachtet an zehn Standorten in Deutschland, wie es gelingen kann, Felder ertragreich zu bewirtschaften und gleichzeitig Wildtiere zu schützen.

von Kathleen Raschke-Maas

Kiebitzküken im Grünen
Ein Küken der bedrohten Kiebitze: Um die Vögel zu schützen testet das Artenschutzprojekt F.R.A.N.Z. Methoden, mit denen Landwirtschaft das Überleben von Tieren und Pflanzen auf dem Land möglich machen kann. Bildrechte: IMAGO

F.R.A.N.Z. - diese Abkürzung steht für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft. Diese Worte scheinen auf den ersten Blick ziemlich abstrakt, aber hinter ihnen steckt schon sehr viel Praxis. In zehn sogenannten Demonstrationsbetrieben in ganz Deutschland nähern sich Bauern und Naturschützer einander an, um zugunsten der Artenvielfalt einen grundsätzlichen Interessenkonflikt auszuräumen.

Wir wollen Artenvielfalt, Lebensmittel aber auch

Einerseits sollen bedrohte Vögel wie Lerche, Kiebitz und verschiedene Insekten vor der Vertreibung durch intensive Landwirtschaft geschützt werden, andererseits sollen die von schlechten Preisen für Milch und Co. geplagten Bauern trotzdem von ihrer Arbeit leben können. Bei F.R.A.N.Z geht es erst einmal um die Ännäherung beider Seiten, es heißt deshalb auch Dialogprojekt. Noch komplizierter wird der Konflikt zwischen Bauern und Naturschützern dadurch, dass auch die Interessen der Konsumenten eine große Rolle spielen.

Wir haben weltweit eine steigende Nachfrage nach Lebensmitteln und Rohstoffen. Andererseits soll aber auch die Artenvielfalt erhalten bleiben.

Franziska Gawlik, Projektleiterin Deutscher Bauernverband

Dieser Konflikt brachte bislang viele Tiere und Pflanzen in Not, weil sie dort, wo der Mähdrescher rollt, weder Schutz noch Nahrung finden.

Inseln, Fenster und ein Stück Wildnis

Annäherung heißt hier, dass die Bauern wieder Lebensräume schaffen, die durch die ihre intensive Landwirtschaft verloren gegangen sind. Wie zum Beispiel im Demonstrationsbetrieb in Oschersleben. Auf Blühstreifen und -flächen sollen am Rande der Monokultur auf dem Acker wieder Naturkräuter gedeihen, die einerseits Deckung z.B. für Feldhasen und Amphibien bieten. Andereseits bieten sie einen reich gedeckten Tisch mit Blütennektar und Samen für Insekten und Vögel - und zwar vom Frühjahr bis zum Herbst. Denn sind die Felder abgeerntet, gucken die Tiere ins Leere.

Auf Brachflächen können Vögel ungestört brüten und sich vor den Landwirtschaftsmaschinen und vor Raubvögeln verstecken.

Landeplätze für Lerchen

Lerchenfenster
Ein sogenanntes Lechenfenster: Die freie Fläche ist kein Versehen des Landwirts sondern eine kleine Ruhezone für Lerchen. Bildrechte: IMAGO

Eigens für die Lerche lassen die Bauern auf ihren Feldern kleine freie Flächen, auf denen die Feldlerche sicher landen kann. Hier im dichten Getreide findet sie auch geeignete Brutplätze. Und auch der Feldhase fühlt sich hier wohl. Auch die Erntepraxis wurde verändert, damit die Vögel auch dann noch Schutz finden, wenn sie ein drittes Mal im Jahr brüten.

Wir haben auf 1.600 qm Erbsen angebaut und lassen sie die Pflanzen auch stehen, wenn die Frucht abgeerntet ist. Das lieben die Lerchen und es bietet Schutz auch für eine weitere Brut.

Hartmut Schulze, Landwirt und Betriebsleiter

Der Nachteil: Für die Bauern ist das ein erheblicher Mehraufwand, den sie nur verkraften, wenn das auch finanziell gefördert wird. Genau deshalb werden im F.R.A.N.Z.-Projekt verschiedene Möglichkeiten ausprobiert:

Wir werden auf einer weiteren Versuchsfläche vom Getreide nur 50 bis 60 cm hohe Stoppeln stehen lassen und nur die Ähren abernten, damit die Lerchen länger Deckung finden. Das kann jeder Landwirt problemlos leisten und wir werden dann vergleichen, was effektiver ist.

Hartmut Schulze, Landwirt und Betriebsleiter

Für den Kiebitz haben Bauern und Naturschützer Inseln eingerichtet, die seinen Bedürfnissen entsprechen: Eine freie Fläche, auf der nichts wächst, die manchmal feucht und manchmal trocken ist. Umgeben ist sie von niedrigen Planzen, in denen der bedrohte Vogel Nahrung findet und sich verstecken kann.

Wir haben nur noch sehr wenige Kiebitze in Deutschland und in der ganzen EU. Deshalb bemühen wir uns im Rahmen des F.R.A.N.Z.-Projektes um spezielle Schutzmaßnahmen für ihn. Und wir hoffen, dass wir irgendwann auch wieder mehr Kiebitze bei uns haben werden.

Ohne Opfer geht es nicht

Die Flächen, die auf diese Weise zum Schutz von Tieren und auch Pflanzen notwendig sind, können von den Bauern natürlich nicht für den Anbau genutzt werden. Je nach Maßnahme sind das fünf bis zehn Prozent.

Das ist ein großer Anteil, der für die Landwirtschaft dann nicht direkt zur Verfügung steht. Aber diesen Anteil brauchen wir, um der Artenvielfalt wieder eine Chance zu geben.

Ein Anfang ist gemacht. Und für manche Landwirte ist F.R.A.N.Z. nicht nur ein Kompromiss, bei dem sie Opfer bringen müssen.

Naja, ich bin selbst auch sehr gespannt, ob die Lerche unser Angebot annimmt und halte Ausschau. Auch wenn wir dafür natürlich, die Experten hier auf dem Hof haben. Aber wenn man sich länger damit beschäftigt, wächst einem die Sache schon ans Herz.

Landwirt und Betriebsleiter

Über dieses Thema berichtet der MDR im Fernsehen: LexiTV | 19.05.2017 | 15:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 11:59 Uhr