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Mode, Statistik und Wissenschaft Warum Frauen doppelt so viele Schuhe kaufen wie Männer

Frauen lieben Schuhe! Das Statistische Bundesamt hat nachgezählt und bestätigt das Klischee: Für Damenschuhe wird in Deutschland fast doppelt so viel Geld ausgegeben, wie für Herrenschuhe. Gründe gibt es viele dafür.

von Johannes Schiller

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Caroline Sommerfeld weiß, was Frauen wollen. In ihrer Boutique im Süden von Leipzig verkauft sie vor allem skandinavische Mode. Aber auch das ein oder andere Paar Schuhe gehört zum Sortiment. "Schuhe können die Figur der Frauen unwahrscheinlich verändern. Also: Wenn man zum Beispiel eher kurze Beine hat und trägt einen hohen Schuh, dann hat man ein verlängertes Bein. Das sieht natürlich toll aus! Dadurch, dass man ein bisschen erhöht ist, verändert sich das ganze Bewusstsein und die Aura der Frau auch", sagt die Ladenbetreiberin.

Diese Aura lassen sich Frauen laut Bundesamt für Statistik einiges kosten. Im Jahr 2015 gaben allein lebende Frauen demnach im Schnitt 168 Euro für Schuhe aus. Bei allein lebenden Männern waren es dagegen nur 96 Euro. Betrachtet man alle Haushalte wird es sogar noch deutlicher: Die Ausgaben für Frauenschuhe sind doppelt so hoch wie die für Männerschuhe. Für Caroline Sommerfeld hat das einen einfachen Grund. "Man findet einfach nie den passenden Schuh. Man geht los, hat ein Outfit, sucht den richtigen Schuh. Dann kauft man einfach aus Zwang was, was halbwegs passt, bisschen gut sitzt und eventuell zur Farbe des Kleides passen könnte. Dann kommt man nach Hause und sieht: Ehh...das passt überhaupt nicht."

Schuhe und Schuhzubehör
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Kürzere Röcke - mehr Schuhe

Katharina Tietze beschäftigt sich wissenschaftlich mit Schuhen. Die Design-Professorin der Zürcher Hochschule der Künste, die in Berlin Design studierte, am Theaterhaus Jena Kostümbildnerin war und an der Bauhaus-Uni Weimar lehrte, sieht zunächst gesellschaftliche Gründe für den großen Unterschied beim Schuhwerk. "Frauen brauchen sicher mehr Schuhe, weil sie verschiedene Schuhe zu verschiedenen Anlässen tragen. Und es ist natürlich ein wichtiges modisches Accessoire. Insofern kaufen sie auch Schuhe, die sie nicht zwingend funktional brauchen. Und natürlich kaufen sie auch teurere Schuhe."

Ausgaben Bekleidung
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Bis etwa um 1910 waren Schuhe nach Einschätzung der Wissenschaftlerin vor allem Gebrauchsgegenstände. Für beide Geschlechter. "Da trugen die Frauen dann eben auch so Schnürstiefel zu allen möglichen Anlässen. Als sich die Rocksäume in den 1920er oder 1930er-Jahren dann hoben, wurden Schuhe eben modische Accessoires und die Formenvielfalt explodierte."

Männer kaufen einen Grill oder Autos

Prof. Katharina Tietze
Katharina Tietze hat in Berlin Design studiert, als Kostümbildnerin in Jena und an der Bauhaus-Uni Weimar wissenschaftlich gearbeitet. Bildrechte: ZHDK

Künftig könnte sich das umkehren, meint Tietze. Sie geht davon aus, dass sich Männer und Frauen in der Schuh-Mode wieder näher kommen. "Der Trend geht vielleicht dahin, dass auch Männer zunehmend mehr Geld ausgeben für Schuhe. Weil sich die Geschlechterunterschiede verwischen, nach und nach." Bis dahin aber gilt vielleicht auch: "Männer kaufen andere Dinge als Frauen. Männer kaufen dann einen Grill, ein Auto oder einen Rasenmäher – und sind dann glücklich damit."

Wie ungleich Männer und Frauen bisher bei Schuhen ticken, belegt auch eine andere Statistik. Demnach besitzen Männer im Schnitt acht Paar Schuhe, Frauen dagegen 17. Ob sie die wirklich brauchen, daran zweifelt selbst Boutique-Besitzerin Sommerfeld. "Dann stapeln sich die Schuhe immer mehr zu Hause, bis man irgendwann mal das Lieblingsteil gefunden hat. Am Ende sind es doch immer nur zwei Paar Schuhe meist für Winter oder Sommer, die man dann trägt. Oder wie ich das mache: Ich laufe dann einfach barfuß."

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL: im Radio | 10.07.2017 | 09:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2017, 10:32 Uhr