Eine Frau sitzt wach und verärgert neben ihrem schnarchenden Partner im Bett.
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Gute Nacht? Frauen schlafen schlechter als Männer

Viele Frauen werden jetzt vermutlich sagen, dass sie den Grund dafür kennen, warum sie so schlecht schlafen. Aber nein: Es liegt nicht an den Männern, die daneben liegen und oft ziemlich laut vor sich hin schlafen. Die Ursachen für schlechten Schlaf können sehr verschieden sein - psychologisch, soziologisch oder auch gesundheitlich.

Eine Frau sitzt wach und verärgert neben ihrem schnarchenden Partner im Bett.
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9.284 Probanden im Alter zwischen 18 und 80 Jahren haben die Forscher der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig untersucht. "Sehr intensiv“, so Studienleiter Prof. Dr. Andreas Hinz vom Lehrstuhl für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig. “Je Proband haben wir uns sechs Stunden Zeit genommen – inklusive medizinischer Untersuchung.“

Die Ergebnisse sind jetzt im “Journal of Affective Disorders“ veröffentlicht worden. Und sie bestätigen und präzisieren bisherige Untersuchungen des Robert-Koch-Institutes, nach denen mindestens ein Viertel  der Deutschen unter Schafstörungen leiden. Die Daten der Leipziger Forscher zeigen, dass die Zahl offenbar sogar noch höher ist. 36 Prozent der Untersuchten hatten Probleme mit dem Schlaf – 42 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer.

Fakten und Gefühle

Die Daten stammen aus der Studie des Leipziger Forschungszentrums für Zivilisationserkrankungen (LIFE), einem Untersuchungsprogramm zu Ursachen und Früherkennung von Zivilisationserkrankungen am Beispiel der Leipziger Bevölkerung. In Fragebögen gaben die Versuchsteilnehmer u.a. entsprechend dem Pittsburgh Schlafqualitäts-Index Auskunft über ihren Schlaf, über die Dauer, Einschlafzeiten, Störungen oder Schlafmittel. "Darüber hinaus gab es Fragebögen zur Tagesschläfrigkeit, zu körperlichen Beschwerden aber auch zur Lebensqualität“, so Prof. Hinz. "Dabei geht es auch um die subjektive Sicht auf die eigenen Lebensumstände, um Stabilität, um Teilhabe an der Gesellschaft.“ Und aus all diesen Daten ermittelten die Forscher ihre Ergebnisse.

Pittsburgh Schlafqualitäts Index (PSQI) Der PSQI ist ein international bekannter Fragebogen zur Erfassung der Schlafqualität. Er erfragt retrospektiv für einen Zeitraum von vier Wochen die Häufigkeit schlafstörender Ereignisse, die Einschätzung der Schlafqualität, die gewöhnlichen Schlafzeiten, Einschlaflatenz und Schlafdauer, die Einnahme von Schlafmedikationen, sowie die Tagesmüdigkeit. Der PSQI umfasst 19 Fragen zur Selbstbeurteilung, sowie 5 Fragen zur Fremdbeurteilung. Die Fremdbeurteilung  wird von einem Partner oder Mitbewohner vorgenommen.

Prof. Dr. Andreas Hinz sieht in der Studie deshalb erstmals solide Ergebnisse für guten und schlechten Schlaf für unseren westlichen Kulturkreis. Es ist eine Grundlagenstudie, die als Referenzwert dienen kann. "Wenn wir in Zukunft den Schlaf von bestimmten Patientengruppen untersuchen, wissen wir nun, welches Schlafverhalten wir zugrunde legen können."

Eine Frau hält sich die Ohren zu
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Die Gründe für die Schlafprobleme, die die Forscher ermittelten,  sind vielfältig. So schlafen auch Übergewichtige schlechter. Rauchen spielte dagegen keine Rolle. Und es gab auch keine auffälligen Zusammenhänge zwischen dem Alter und Schlafstörungen. Aber es gab einen Unterschied bei der Bildung. Probanden mit Abitur schliefen besser als Teilnehmer ohne Abitur. Und Arbeitslose hatten mehr Schlafprobleme als Berufstätige.

Das ist ganz interessant. Die Arbeitstätigkeit hält zwar Belastungen bereit, aber keiner Arbeitstätigkeit nachzugehen ist noch belastender für den Menschen. Das zeigen auch Studienergebnisse aus anderen Bereichen - etwa Untersuchungen zu Depressivität.

Prof. Dr. Andreas Hinz, Lehrstuhl für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig

Eine Erklärung, warum Frauen schlechter schlafen als Männer, kann aber auch diese Studie nicht liefern. Das war weder das Ziel der Untersuchung, noch reichen die Daten dafür aus. Und ob wir die Erklärung je liefern können, ist fragwürdig, meint Prof. Hinz. "Wir können uns allerdings annähern“, so der Mediziner. Er vergleicht das mit der Frage, warum Frauen länger leben. Schon seit Jahrhunderten versuchen unzählige Wissenschaftler darauf eine Antwort zu finden – bisher ohne Erfolg.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL im Radio | 11.04.2017 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 11:50 Uhr