Getreide mit Huhn- und Eiabdruck
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Gift in Lebensmitteln Wer legt eigentlich die Grenzwerte fest?

Fipronil ist nicht das erste Gift, das in Lebensmitteln auftaucht. Doch wer legt eigentlich die Grenzwerte für solche Belastungen fest? Und auf welcher Grundlage? Karsten Möbius hat nachgefragt.

Getreide mit Huhn- und Eiabdruck
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Viele von uns hatten schon Kontakt mit Fipronil, ohne es vielleicht zu wissen: In Ameisenbekämpfungsmitteln ist es enthalten, ebenso in Floh- und Zeckenschutzpräparaten für Hunde und Katzen. Aber in Lebensmitteln hat es absolut nichts zu suchen.

Solche Pestizide dürfen bei lebensmittelliefernden Tieren überhaupt nicht verwendet werden. Daher entspricht der Grenzwert der Nachweisgrenze. Sie dürfen also überhaupt nicht nachweisbar sein.

Jürgen Thier Kundke, Bundesinstitut für Risikobewertung

Früher war der festgelegte Grenzwert für Fipronil um das Vierfache höher, weil das Mittel damals im Pflanzenschutz häufiger eingesetzt wurde. Heute wird es in geringeren Mengen angewendet und gelangt deshalb weniger ins Futter. Damit ist auch die Belastung der Lebensmittel niedriger. 2014 wurde deshalb der Grenzwert für Fipronil in Eiern und Geflügel auf die Nachweisgrenze herabgesetzt. Die Grenzwerte sagen also nicht immer etwas über die Giftigkeit aus, sondern auch darüber, ob man einen Stoff zur Herstellung eines Lebensmittels überhaupt braucht.

Da Fipronil lange nicht in Eiern auftauchte, suchte man bei Grenzwert-Kontrollen gar nicht danach.

Im Bild die Untersuchung von rohen Eiern auf Fibronil-Verunreinigung am Freitag, 11. August 2017, in einem Labor der Agentur fuer Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Innsbruck.
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Fipronil war deshalb nicht Bestandteil der Routinekontrollen. Die Lebensmittelüberwachung prüft routinemäßig auf unerwünschte Stoffe und deren Grenzwerte, geht aber auch Verdachtsfällen nach.

Laura Groß, Verbraucherinitiative Berlin:

Nachdem es Hinweise gab, begannen die Untersuchungen. Noch gibt es aber keine repräsentativen Zahlen, wie viele Produkte wirklich betroffen sind, es handelt sich derzeit nur Stichproben.

Wie wird ein Grenzwert festgelegt?

Der Grenzwert soll sicherstellen, dass die Belastung von Lebensmitteln nur so hoch ist,dass sie uns Menschen zumindest nicht schadet. In Tierversuchen wird zunächst gemessen, ab welcher Menge Gift pro Kilogramm Körpergewicht sich im Experiment Gesundheitsschäden beim Tier einstellen. Dabei handelt es sich immer um die Dosis, die innerhalb von 24 Stunden aufgenommen wird. Der dann festgelegte Grenzwert wird aber 100mal niedriger als der für´s Tier kritische Wert festgelegt, um ganz sicher zu gehen.

Für einen Erwachsenen erreichen wir bei Fipronil in etwa diesen Grenzwert, wenn wir sieben Eier essen. Beim Kind sind es je nach Körpergewicht diese berühmten 1,7 Eier.

Jürgen Thier Kundke

Wieviel Fipronil ist gefährlich für uns?

1,7 Eier entsprechen einem Frühstücksei, einer Eiernudelmahlzeit mittags und einem Tiramisu am Abend. Berücksichtigt man aber den Sicherheitsfaktor 100, müsste man 100 mal soviel aufnehmen, um an den wirklich gesundheitsschädlichen Wert heranzukommen.

Das heißt also nicht, dass wenn ich jetzt nach mehr als sieben Eier an einem Tag gleich eine gesundheitliche Beeinträchtigung verspüren würde.

Jürgen Thier Kundke

Diese Einschätzung gilt nach gegenwärtigem Erkenntnisstand auch, wenn schon seit Monaten Fipronil in Eiern und Hühnerfleisch enthalten war. Zumindest bis weitere Messergebnisse zur Belastung von Eiern und Eiprodukten vorliegen.

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell auch im: Radio | 18.08.2017 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2017, 18:19 Uhr