Hände
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Welttag der Handhygiene Ist der Händedruck "vom Aussterben" bedroht?

Sich die Hand geben bei der Begrüßung, Hygieniker tun das meist nicht - Leitkultur hin oder her. Denn die Berührung mit den Händen ist einer der häufigsten Übertragungswege für viele ansteckende Krankheiten. Wie kann man das vermeiden? Und was passiert beim Waschen im Unterschied zum Desinfizieren? Die Antworten zum Welttag der Handhygiene.

von Karsten Möbius

Hände
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Der Tag der Handhygiene wird nicht zufällig am 5.5. begangen. Die zwei Fünfen im Datum symbolisieren die jeweils fünf Finger an unseren Händen. Und er ist in gewisser Weise die "Steigerungsform" des Tages des Händewaschens, der immer am 15.10. begangen wird. Denn während beim Händewaschen die Hände zwar sauber werden, werden sie bei der Handhygiene mit Hautdesinfektion fast keimfrei. Das ist natürlich vor allem dort wichtig, wo sich Menschen aufhalten, deren Immunsystem vielleicht schon geschwächt ist und wo möglicherweise gehäuft Keime eingeschleppt werden, nämlich im Krankenhaus.

Die 10 Finger des Klinikpersonals sind die 10 häufigsten Übertragungswege für multiresistente Erreger.

Claudia Szczesny, leitende Hygienefachkraft am Uni-Klinikum in Halle

Studien zeigen, dass Handhygiene das effektivste Mittel ist, um eine Ansteckung mit diesen gefürchteten Keimen zu vermeiden. Damit ist nicht gemeint, sich die Hände mit Seife zu waschen, sondern sie zu desinfizieren. Den Unterschied erklärt Dr. Dieter Worlitzsch, Leiter des Hygieneinstituts in Halle.


Dr. Dieter Worlitzsch
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Wenn man richtig desinfiziert, kann man die Keimzahl von Zehntausend auf Eins reduzieren. Beim Händewaschen schafft man es geschätzt vielleicht von Zehntausend auf Eintausend.

Dr. Dieter Worlitzsch, Leiter des Hygieneinstituts in Halle

Beim Händewaschen bleiben also 1.000 mal mehr Keime auf der Hand als bei der Desinfektion. Der entscheidende Unterschied ist: Desinfektion tötet Keime ab, beim Waschen werden Keime nur abgespült. Deshalb wäscht sich das Klinikpersonal eigentlich gar nicht die Hände - außer, wenn sie sichtbar schmutzig sind. Stattdessen werden sie desinfiziert und das sogar ziemlich oft, nämlich nach jedem Patientenkontakt.

Da sprechen wir von 100 bis 200 mal pro Schicht. Arbeitet man enger am Patienten, muss man sich die Hände öfter desinfizieren als wenn jemand reine Schreibtischarbeit erledigt.

Claudia Szczesny, leitende Hygienefachkraft am Uni-Klinikum in Halle.

Für den Hausgebrauch ist Handdesinfektionsmittel nach Einschätzung von Claudia Szczesny nicht notwendig. Hauptsache, man wäscht die Hände auch da regelmäßig und benutzt dazu Seife.

Seife ist in erster Linie dazu dazu da, um Fette zu lösen. Damit verringern wir die Haftung von einigen Bakterien. Keimabtötend ist Seife jedoch nicht.

Claudia Szczesny, leitende Hygienefachkraft am Uni-Klinikum in Halle.

Seife vs Sterillium
Seife vs Sterillium - 90 zu 99 Prozent. Bildrechte: Karsten Möbius / MDR

Ob wir zum Waschen kaltes oder lauwarmes Wasser benutzen, spielt keine Rolle, wenn es darum geht, Keime abzuspülen. Beides hat den gleichen Effekt. Auch wenn der lange nicht so gründlich ist wie beim Desinfizieren, reicht das Händewaschen meist aus, um eine Ansteckung über die Hände zu verhindern. Denn für das Immunsystem komm es darauf an, wie viele Keime im Spiel sind. Weder beim Händewaschen - egal wie intensiv und lange - noch bei der Desinfektion werden unsere Hände komplett keimfrei. Das würde unserer Haut auch nicht gut tun, die Keimbesiedlung braucht.

Dass immer Keime auf unseren Händen sitzen, weiß Hygieneexperte Dr. Dieter Worlitzsch und behält deshalb beim Abschied genau wie bei der Begrüßung die Hände gefaltet am Körper. Die ausgestreckte Hand des Gegenüber greift ins Leere.

Das hat nichts mit Unhöflichkeit zu tun. Ich bin im Klinikum inzwischen dafür bekannt, dass ich nicht mehr die Hände gebe.

Hygieneexperte Dr. Dieter Worlitzsch

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 05.05.2017 | 07:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 13:47 Uhr