Schild mit Piktogramm eines Mannes, auf dem der Dickdarm hervorgehoben ist.
Bildrechte: Colourbox.de

Ach du Kacke! Stuhltransplantation als Heilmittel für Darmerkrankungen

Nierentransplantationen kennt man schon. Lunge, Leber, Sehnen oder Knorpel werden ebenfalls transplantiert. Bei bestimmten Darmerkrankungen allerdings wird etwas anderes versetzt: Hier hilft eine Stuhltransplantation.

von Clemens Haug

Schild mit Piktogramm eines Mannes, auf dem der Dickdarm hervorgehoben ist.
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Kacke gehört eigentlich ins Klo. Wie Mediziner nun zeigen, kann sie aber auch bei anderen Menschen Krankheiten heilen, zumindest wenn sie aus einer gesunden Verdauung stammt. Die sogenannte Stuhltransplantation, also die Übertragung von hilfreichen Bakterien aus einer intakten Darmflora, wird bei immer mehr Krankheitsbildern als mögliche Heilung diskutiert. Forscher um Professor Thomas Borody vom Zentrum für Verdauungskrankheiten im australischen Sydney haben nun untersucht, ob eine solche Stuhltransplantation bei der chronischen Dickdarmentzündung "Colitis ulcerosa" helfen kann. Ihre Ergebnisse sind ermutigend.

Wir brauchen unsere Darmflora zum Überleben

Um Nahrung im Darm verdauen zu können, sind wir auf viele Millionen winziger Helfer angewiesen. In unserer sogenannten Darmflora leben Bakterien in Symbiose mit uns. Unter anderem zerkleinern sie Nährstoffe für uns, so dass unsere Körper sie weiterverarbeiten können. Doch diese Darmflora kann empfindlich gestört werden. Machen andere Krankheiten zum Beispiel eine Therapie mit Antibiotika notwendig, töten diese Medikamente nicht nur die schlechten Bakterien ab, sondern auch die hilfreichen. Das kann zu gefährlichen Folgekrankheiten führem zum Beispiel zu einer Clostridien-Infektion.

Dabei überwuchert das Bakterium Clostridium difficile die Darmflora und entzündet den Dickdarm (Kolitis). Betroffene leiden an schweren, blutigen Durchfällen. Bei älteren Patienten kann das zu einem lebensbedrohlichen Flüssigkeitsmangel führen. Kommt es zu dieser Krankheit, werden seit einiger Zeit Stuhltransplantationen angewendet. Zwar stehen Patienten und Ärzte, die damit noch nicht vertraut sind, dem Verfahren oft zunächst mit Skepsis gegenüber. Wie Experten allerdings betonen, ist der tatsächliche Vorgang ziemlich unspektakulär.

Stuhltransplantation bei chronischer Dickdarmentzündung

Die Stuhlprobe eines Spenders wird im Labor aufbereitet. Dabei werden vor allem die nützlichen Darmbakterien in einer Lösung kultiviert, während grobe Bestandteile herausgefiltert werden. Das fertige Gemisch wird dann meist mit einer Darmspiegelung in den Verdauungstrakt der Erkrankten gebracht. Ob aber eine Stuhltransplantation außer zur Therapie von Clostridien-Infektionen auch bei anderen Krankheiten sinnvoll ist, wurde bislang noch nicht erforscht.

Hier macht nun die im Journal "The Lancet" veröffentlichte Studie von Thomas Borody einen Anfang. Das Team untersuchte die Wirksamkeit bei Patienten, die an einer "Colitis ulcerosa" leiden, einer vom eigenen Immunsystem ausgelösten chronischen Entzündung der Dickdarmschleimhaut, die zu heftigem Durchfall führen kann. Insgesamt testeten die Forscher die Therapie in drei verschiedenen australischen Krankenhäusern. 81 Patienten bekamen über acht Wochen Darmeinläufe, die Hälfte von ihnen mit den Darmfloren mehrerer Spender, die andere Hälfte mit einem Placebo.

Deutliche Verbesserung bei einem Viertel der Patienten

Bei 27 Prozent der Patienten, die eine Stuhltransplantation bekamen, schwächten sich die Symptome stark ab und Schäden in der Darmschleimhaut besserten sich. Bei der Kontrollgruppe mit dem Placebo erreichten nur 8 Prozent der Untersuchten ein gleich gutes Ergebnis. Allerdings kam es auch bei beiden Patientengruppen zu Nebenwirkungen, darunter oftmals milde Magen- und Darmbeschwerden. Betroffen waren 78 Prozent derjenigen mit und 83 Prozent derjenigen ohne Stuhltransplantation. Nur bei einem Patienten aus der Placebo- und zwei Betroffenen aus der Hauptgruppe kam es zu schweren Komplikationen.

Die Forscher schreiben, durch die Transplantation habe sich die Zahl der Mikroorganismen in der Darmflora deutlich erhöht. Außerdem identifizierten sie einige Bakterienstämme, die wichtigen Anteil an der positiven Wirkung hatten. Sie ziehen ein insgesamt positives Fazit aus ihrer Untersuchung und halten die Übertragung der Darmflora nun für eine vielversprechende neue Therapiemöglichkeit bei "Colitis ulcerosa". Allerdings müsse noch untersucht werden, wie häufig und über welchen Zeitraum die Einläufe durchgeführt werden müssen, um die Wirkung zu optimieren und die Nebenwirkungen zu minimieren. Außerdem sei noch unklar, wie ähnlich die Darmfloren von Empfänger und Spender sein müssen.

Über dieses Thema berichtete MDR-Fernsehen: Hauptsache Gesund | 06.04.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2017, 15:52 Uhr