Die Leiterin der Algenbiotechnologie an der Hochschule Anhalt, Carola Griehl, steht neben Photobioreaktoren zur Algenproduktion auf dem Gelände der Fachhochschule in Köthen (Sachsen-Anhalt).
Biochemikerin Carola Griehl vor den Photobioreaktoren zur Algenproduktion Bildrechte: dpa

Hochschule Anhalt Morgen tanken wir Algen

Wenn das Erdöl zu Neige geht, könnten in Zukunft Kraftstoffe, Plastik und Bestandteile für Chemikalien aus Algen hergestellt werden. Forscher an der Hochschule Anhalt in Köthen arbeiten daran und haben ganz spezielle Aufzuchtanlagen für die grünen Einzeller entwickelt. "LexiTV extra" (14.12. 15.00 Uhr) hat sich diese "Tannenbaum-Technologie" ganz genau angeschaut.

Die Leiterin der Algenbiotechnologie an der Hochschule Anhalt, Carola Griehl, steht neben Photobioreaktoren zur Algenproduktion auf dem Gelände der Fachhochschule in Köthen (Sachsen-Anhalt).
Biochemikerin Carola Griehl vor den Photobioreaktoren zur Algenproduktion Bildrechte: dpa

Algen sind klein, grün und nahezu überall in der Natur zu Hause. In der Wirtschaft haben sie bislang allerdings keine größere Rolle gespielt. Gerade einmal 20 von über 500.000 Arten werden derzeit genutzt, etwa in der Lebensmittelindustrie, als Nahrungsergänzungsmittel und Farbstoff, aber auch in kosmetischen Produkten wie Antialterungscremes und Haarshampoos. In Zukunft könnten die Einzeller aber wichtiger werden. Forscher wollen aus ihnen Kraftstoffe für Motoren, Material für Plastik sowie Zutaten für Medikamente und Kosmetika gewinnen. Um die Einzeller im großen Maßstab industriell nutzen zu können, sind aber neue Technologien zur ihrer Vermehrung notwendig.

Tannenbaum-Technologie ist Weltspitze

Eine solche neuartige Aufzuchtanlage haben Forscher an der Hochschule Anhalt in Köthen entwickelt. Der sogenannte GICON-Photobioreaktor sieht aus wie ein Tannenbaum. Durch die Form kommt von überall Licht an die Kleinstlebewesen. Innerhalb von rund 200 Tagen soll die Anlage etwa 130 Kilo Biotrockenmasse erzeugen.

Algen-Kraftstoff aus Köthen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Das ist momentan weltweit einmalig. Wir haben jetzt hier einen Weltrekord gebrochen, wir haben nämlich zwei Jahre in Dauerkultur Algen kultivieren können und zwar Sommer und im Winter“, sagt Professorin Carola Griehl, die sich vor 16 Jahren den Algen verschrieben hat. Grund dafür ist eine weitere Besonderheit an den Reaktoren. Mit einem speziellen System lassen sich die Temperaturen so stabil halten, dass die kleinen grünen Organismen optimal wachsen. Selbst im besonders heißen Juli 2015 gelang es Griehl und ihren Kollegen, dass die Flüssigkeit mit den Algen nicht heißer als 30 Grad wurde.

Inzwischen haben die Forscher in Köthen eine Art Algen-Tankstelle geschaffen, die es ermöglicht, direkt Öl zu extrahieren. Wenn das im industriellen Maßstab gelänge, so Griehl, wäre es eine Lösung, wenn die Erdölvorräte zur Neige gehen. Und so ganz nebenbei haben sie noch einen Wirkstoff in den Algen entdeckt, der vielleicht einmal hilft, Alzheimer zu besiegen.

Die Biochemikerin Carola Griehl schaut sich Algen vor einem Bioreaktor an
Algen sind das Spezialgebiet von Biochemikerin Carola Griehl Bildrechte: dpa

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2016, 19:14 Uhr