Illustration einer Fresszelle, die nach einem Tumor greift
Bildrechte: IMAGO

Aggressive T-Zellen Neuer Ansatz bei Immuntherapie gegen Krebs

Immuntherapie – darauf setzten viel Mediziner und Krebspatienten große Hoffnungen. Ziel ist es, die körpereigenen Abwehrzellen dazu zu bringen, die Krebszellen zu finden und zu bekämpfen. Wissenschaftler haben Immunzellen nun mit einem neuen Oberflächenmolekül ausgerüstet. Dadurch reagieren sie besonders aggressiv, wenn sie auf ein Protein treffen, mit dem sich Tumoren eigentlich vor dem Immunsystem tarnen.

Illustration einer Fresszelle, die nach einem Tumor greift
Bildrechte: IMAGO

Krebszellen sind große Täuscher. Sie umgeben sich mit einem biomechanischen Klima, einer Art Schutzschild, das die körpereigene Abwehr austrickst. Hier setzt die Immuntherapie an. Mediziner nennen sie adoptive T-Zell-Therapie.

Man kann diese T-Zellen auch aus Tumoren herausnehmen, im Labor vermehren, aktivieren und dem Patienten wieder zurückgeben. In den USA sind Ansprechraten um die 50 Prozent dokumentiert, und 20 Prozent dauerhafte Remissionen.

Prof. Dirk Jäger, Chef der Onkologie an Nationalen Tumorzentrum in Heidelberg
Mehrere T-Zellen attackieren eine Tumorzelle und schütten lytische Proteine (rot/gelb) aus, um sie zu zerstören.
So sieht es unter dem Mikroskop aus, wenn T-Zellen eine Krebszelle angreifen. Bildrechte: Helmholtz Zentrum München

Dauerhaft heiß hierbei, dass Krebszellen komplett vernichtet wurden. Doch diese Therapieform hat noch einige Probleme. Nicht immer gelingt es, die T-Zellen zielgenau an die Krebszellen zu binden. Die Nebenwirkungen können dann dramatisch sein - schwere Entzündungen bis hin zu Herzversagen. Ein internationales Forscherteam, zu dem Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums München und des Instituts für Immunologie am Charité Campus Berlin-Buch gehören, hat sich daher mit der Frage beschäftigt, wie man die manipulierten Immunzellen besser an die Krebszellen koppelt.

Zwar kann man diese Bindung künstlich verstärken, allerdings steigt damit auch die Gefahr für unerwünschte Bindungen an gesunde Strukturen im Körper.

Prof. Dr. Elfriede Nößner, Leiterin der Forschungseinheit Tissue Control of Immunocytes am Helmholtz Zentrum München

Nößner und ihr Team hatten daher nach einer Möglichkeit gesucht, die Abwehr durch die Immunzellen anderweitig zu verbessern. Gefunden haben sie dabei ein Oberflächenmolekül, dass es aus zwei Teilen besteht. Das ermöglicht der Immunzelle zum einen besseren Halt an der Krebszelle und sorgt außerdem dafür, dass der Angriff besonders aggressiv abläuft. Experimente im Versuchsmodell zeigten, so die Forscher, dass so ausgerüstete T-Zellen sich in den Tumoren stärker vermehrten und mehr Tumorzellen zerstörten.

Zunächst müssen die Ergebnisse, die jetzt in "Cancer Research" veröffentlicht wurden, in klinischen Studien am Menschen bestätigt werden. "Sollte das gelingen, könnte die Methode das Arsenal der für die adoptive T-Zell-Therapie geeigneten T-Zellen erweitern“, so Elfriede Nößner. "Dann würde die Behandlung möglicherweise effektiver und könnte im Rahmen der personalisierten Medizin bei mehr Patienten angewendet werden.“

Über dieses Thema berichtet MDR Kultur Spezial im Radio | 31.01.2017 | 18:00-19:00

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2017, 16:00 Uhr