Patientin mit geöffnetem Mund während einer Zahnuntersuchung
Um eine regelmäßige Kontrolle der Zähne führt kein Weg herum, auch nicht, wenn der chinesische Impfstoff gegen Karies tatsächlich Wirklichkeit werden sollte. (Symbolfoto) Bildrechte: Colourbox.de

Streptococcus mutans Chinesen erforschen Impfstoff gegen Karies

Süßigkeiten und Limonaden führen leicht zu Löchern in den Zähnen - bisher. Forscher des Wuhan Institute of Virology in China sind nun einem Impfstoff gegen Karies auf der Spur. Deutsche Mediziner sind aber skeptisch.

Patientin mit geöffnetem Mund während einer Zahnuntersuchung
Um eine regelmäßige Kontrolle der Zähne führt kein Weg herum, auch nicht, wenn der chinesische Impfstoff gegen Karies tatsächlich Wirklichkeit werden sollte. (Symbolfoto) Bildrechte: Colourbox.de

Schon im Kinderkarten lernt man: Gegen Karies helfen vor allem zwei Dinge: Wenig Zucker essen und regelmäßig Zähne putzen. Wie soll da also auf einmal eine Impfung helfen? Um das zu begreifen, muss man zunächst verstehen, was Karies überhaupt ist. Christian Gernhardt, stellvertretender Direktor der Zahnheilkunde an der Uniklinik Halle, erklärt, wie es zum Loch im Zahn kommt.

Nimmt der Patient Zucker oder andere Nahrungsmittel zu sich, werden Teile von den Bakterien in der Mundhöhle verstoffwechselt. Dabei entsteht Säure. Das demineralisiert den Zahn. Sollte die Säureproduktion langanhaltend sein oder regelmäßig sein, dann kommt’s irgendwann zum Loch.

Christian Gernhardt

Bakterien sind also im Spiel, vorneweg der sogenannte Streptoccocus mutans. Diesen Bazillus haben sich schon seit den 60er-Jahren Forschergruppen vorgeknöpft und versucht außer Gefecht zu setzen. Eine vielversprechende Methode erforschen gerade amerikanische und chinesische Wissenschaftler. Sie wollen den Streptoccocus daran hindern, an den Zahn anzudocken. Angriffspunkt ist die Bakterienoberfläche. Im Fachblatt "Scientific Report" schreiben die Wissenschaftler des Wuhan Institute of Virology:

Das Faserprotein der Zelloberfläche des Streptococcus Mutans ist ein virulenter Faktor, wenn es um die erste Anhaftung an die Zahnoberfläche geht. Momentan wird das Protein daher in verschiedenen Experimenten genutzt. Es wurde bestätigt, dass es sich dabei um ein effektives Immunogen handelt, um Karies-Impfungen zu entwickeln.

Zitat aus der Studie in der Zeitschrift "Scientific Report"

Heißt übersetzt: Die Forscher glauben, dass der Wirkstoff verhindert, dass die Bakterien überhaupt an den Zahn gelangen. Das Problem bisher: Enorme Nebenwirkungen! Von Entzündungen bis hin zu Störungen der Herzmuskeln. Das wollen die chinesischen Forscher nun behoben haben, indem sie eine Zutat des Impfstoffs neu konzipiert haben. Das Ergebnis: Knapp über die Hälfte ihrer Versuchsmäuse konnte von Karies geheilt werden. Bei über 60 Prozent gab es eine prophylaktische Wirkung. Aber eben nur bei Mäusen. Ob und wie solche Impf-Stoffe beim Menschen wirken, soweit ist noch kein Forscherteam vorgedrungen. Daher mahnt Professor Christian Gernhardt von der Uni Halle auch vor voreiliger Hoffnung auf eine Allzweckwaffe gegen Karies.

Ich hab die große Sorge, dass wenn Sie im Radio ausstrahlen: 'Impfstoff gegen Karies', dass wir ab morgen hier Patienten haben, die sich gegen Karies impfen wollen und das ist einfach nicht der Fall.

Christian Gernhardt

Überhaupt ist schon jetzt klar: Auch mit einem solchen Mittel, bleibt einem das Zähneputzen nicht erspart. Der Streptococcus ist schließlich nicht der einzige Übeltäter im Mund und final außer Gefecht gesetzt wird er durch den Impfstoff auch nicht. Er wird nur daran gehindert, die Zähne zu besiedeln, kann sich aber in der Mundhöhle weiter ausbreiten. Um eine Impfung im engeren Sinne, also einem Mittel des Immunsystems gegen den Übeltäter, handelt es sich also auch dann nicht, wenn die chinesischen Forscher Erfolg haben.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 25.09.2017 | 17:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2017, 11:44 Uhr