Eine Katze jagt eine Maus.
Bildrechte: Colourbox.de

Domestizierung begann vor 9.000 Jahren Katzen – Mäusejäger aus Ägypten und der Türkei

Katzen sind heute beliebte Streicheltiere. Zu menschlichen Gefährten wurden sie allerdings als Mäusejäger. Forscher vermuten, dass sie deshalb vor 9.000 Jahren über das Mittelmeer zu uns kamen.

Eine Katze jagt eine Maus.
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Mehr als 11 Millionen Katzen (Stand 2016) leben laut einer Repräsentativen Umfrage des Verbandes deutscher Zoohandlungen in deutschen Haushalten, rund 1,5 Millionen davon in Mitteldeuschland (Sachsen: 700.000; Sachsen-Anhalt: 400.000; Thüringen: 400.000). Bundesweit sind Miezen damit zahlreicher als Hunde (8,6 Millionen) oder Kleintiere (5 Millionen). Und so hatten die vielen Katzenbesitzer zahlreiche Gelegenheiten, sich über die mitunter sonderbaren Vorlieben und Gewohnheiten ihrer flauschigen Mitbewohner zu wundern: Warum setzen sich Katzen gerne in Rechtecke? Warum mögen die einen Hängematten während die anderen Kisten als Schlafplätze vorziehen? Stubentiger wirken manchmal rätselhaft wie eine Sphinx.

Unsere Hauskatzen haben aber noch mehr gemein mit den Mischwesen aus dem Reich der antiken Mythen, wie ein Forscherteam aus Belgien und Frankreich nun zeigt. Die Vorfahren der beliebten Streicheltiere lebten teilweise auch in Ägypten. Eine andere Abstammungslinie führt nach Vorderasien, in das Gebiet der heutigen Türkei. Und aus beiden setzte sich das zusammen, was heute unsere Hauskatze ist.

Das Team um Claudio Ottoni von den Universitäten Leuven (Belgien) und Paris-Diderot analysierte DNA-Proben aus den Überresten von mehr als 200 Katzen, die im Verlauf der vergangenen 9.000 Jahre gelebt haben. Wie die Forscher im Fachmagazin "Nature Ecology & Evolution" schreiben, waren darunter Tiere aus steinzeitlichen Fundstätten, aber auch Mumien aus dem alten Ägypten und Überreste aus Wikingergräbern. Die Wissenschaftler extrahierten Erbgut aus Knochen und Zähnen und verglichen es mit den Genen der heute lebenden Hauskatzen.

Wichtigstes Ergebnis: Katzen wurden offenbar in zwei großen Wellen gezähmt. Bereits vor 9.000 Jahren im heutigen Zypern machten sich demnach Menschen die Fressvorlieben der Vierbeiner zu Nutze. Katzen sollten damals Mäuse und andere Nager von Getreidevorräten fernhalten. Bis 4.400 vor Christus gelangten diese Haustiere über die Türkei nach Südosteuropa.

Rund 1.000 vor Christus kam nach Ansicht der Forscher eine weitere Linie hinzu. Zur Zeit des römischen Reichs gelangten Katzen über Mittelmeerrouten aus Ägypten nach Nordeuropa. Handelsleute hielten die Tiere wohl auf Schiffen, wo sie Getreide vor Mäusen schützen sollten. Die Nachfahren dieser Katzen waren zunächst weiter verbreitet als diejenigen aus den türkischen Gebieten. Heute findet sich das Genmaterial beider Linien in unseren Hauskatzen.

Dass Katzen Nagetiere in Schach hielten, war laut den Wissenschaftlern zunächst die wichtigere Eigenschaft der Tiere. Das Aussehen wurde wohl erst viel später wichtig. Zu diesem Schluss gelangten die Biologen bei der Analyse von DNA-Proben nach Anzeichen für ein bestimmtes Fellmuster, das bei Wildkatzen nicht vorkommt. Diese Fellzeichnung tauchte demnach relativ spät in der westlichen Türkei auf und war erst im 18. Jahrhundert einigermaßen verbreitet. Für die Forschergruppe ist das ein Indiz dafür, dass die Züchtung von Katzen nach ästhetischen Gesichtspunkten vergleichsweise spät begann.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 21.04.2017 | 10:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 17:00 Uhr