Eine Joggerin trinkt während einer Pause Wasser aus einer Flasche.
Alles richtig gemacht: Joggen und stilles Wasser. Bildrechte: IMAGO

Neue Studie Kohlensäure im Wasser macht dick

Kohlensäure macht manches Getränk erst so richtig erfrischend. Einer neuen Studie zufolge haben die Bläschen im Sprudel aber einen unbeabsichtigten Nebeneffekt: Sie regen das Hungergefühl an und machen deshalb dick. Wissenschaftler in Halle zweifeln die Ergebnisse der Studie an - bestätigen aber den Effekt.

von Kristin Kielon

Eine Joggerin trinkt während einer Pause Wasser aus einer Flasche.
Alles richtig gemacht: Joggen und stilles Wasser. Bildrechte: IMAGO

Egal ob spritzig oder medium - so ein prickelndes Mineralwasser ist schon etwas Feines: Schön frisch und dabei auch noch total gesund. Oder etwa doch nicht? Auf den Straßen gibt es jedenfalls ziemlich unterschiedliche Theorien darüber, wie sich die Kohlensäure im Wasser auf unseren Körper auswirken könnte. Die einen meinen, es mache Blähungen, andere bedauern, dass sie vom Sprudel aufstoßen müssen. Die Kohlensäure könne aber auch Bakterien zersetzen, glaubt der nächste.

Im Magen richtet die Kohlensäure einer Studie der Universität Birzeit aus dem Westjordanland zufolge noch ganz andere Sachen an: Sie soll uns dick machen – oder besser: öfter hungrig. René Csuk bezweifelt jedoch, dass die Schlussfolgerung wirklich so einfach ist. Er ist Professor für Organische Chemie an der Universität Halle.

Die Autoren sagen ganz einfach: Durch das CO2 wird der Magen geweitet, dadurch kommt Druck auf die entsprechenden Zellen und die schütten deshalb Ghrelin aus und deshalb wird mehr gegessen. Ich denke das ist wahrscheinlich eher ein lang anhaltender Effekt des Ghrelins und nicht diese kurzfristige Wirkung.

René Csuk, Universität Halle, Professor für Organische Chemie

Das Hormon Ghrelin sorge nämlich dafür, dass wir häufiger Hunger bekommen. Dass durch Kohlensäure mehr davon produziert wird, konnte in der Studie anhand von Ratten nachgewiesen werden: Die Tiere, die stilles Wasser bekommen hatten, blieben deutlich dünner. Der Effekt konnte auch bei einer Gruppe von Testpersonen beobachtet werden. Auch eine frühere Studie aus Italien belegt dieses Ergebnis, erzählt Csuk.

Prof. René Csuk, MLU Halle-Wittenberg
Bildrechte: MDR/Kristin Kielon

Dieser Effekt ist vorhanden. Die Erklärung, die die Autoren geben, ist allerdings etwas sehr einfach. Nämlich zu sagen: Leute trinkt kein CO2-haltiges Wasser und dann bleibt ihr dünn. Denn das ist nicht die richtige Ursache, das Geschehen ist wesentlich komplexer.

Prof. René Csuk, Universität Halle

Da stimmt dem Hallenser auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zu und weist darauf hin, dass bei der Appetitregulation noch mehr Hormone mitspielten. Eine Einschätzung, die auch der Chemiker teilt.

Es gibt viele Hormone, die praktisch in dem Wechselspiel zwischen Essensaufnahme und eben Nicht-Essensaufnahme mitspielen, Ghrelin ist eines. Es ist wahrscheinlich eines der Wichtigsten, aber es wirkt eigentlich indirekt. Es hat auch andere Effekte. Beispielsweise spielt es mit in unserer Glücks- und Wohlfühl-Kaskade. Das heißt, wenn der Ghrelin-Spiegel hoch ist, dann fühlen wir uns besser. Wir werden quasi belohnt.

Prof. René Csuk, Universität Halle

Und genau das ist die gute Nachricht: Viel Ghrelin im Blut macht uns zwar öfter hungrig - aber gleichzeitig eben auch glücklich. Wer darauf nicht verzichten will, muss eben seinen inneren Schweinehund an die Kette legen und trotz mehr Hunger nicht mehr essen oder zumindest mehr Sport machen. Und wer zur Sicherheit trotzdem auf Sprudelwasser verzichten will, muss wenigstens nicht mehr aufstoßen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 17.05.2017 | 05:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 13:57 Uhr