Dr. Georg Schmidt (l.) und Student Robert Eland kontrollieren an einer Rolle-zu-Rolle-Druckmaschine im Labor der Professur Printmedientechnik die Qualität eines Probedruckes.
Bildrechte: TU Chemnitz/Uwe Meinhold

Sprechendes Papier Chemnitzer Forscher drucken Lautsprecher in Serie

Eine Cornflakespackung, die sprechen kann? Ein Buch, das sich selbst vorliest? Mit den papierdünnen Lautsprechern der TU Chemnitz ist das keine Zukunftsmusik mehr. Bereits 2015 präsentierten die Forscher ein sprechendes Fotobuch, das "T-Book". Allerdings wurde dafür noch jeder Bogen einzeln gefertigt. Doch bald soll die neue Technik in Serie gehen. Dafür gab es jetzt eine Millionenförderung.

von Kathleen Raschke-Maas

Dr. Georg Schmidt (l.) und Student Robert Eland kontrollieren an einer Rolle-zu-Rolle-Druckmaschine im Labor der Professur Printmedientechnik die Qualität eines Probedruckes.
Bildrechte: TU Chemnitz/Uwe Meinhold

Bereits 2015 präsentierten die Wissenschaftler der TU Chemnitz ein sprechendes Fotobuch. Das Institut für Print- und Medientechnik hatte als Prototypen einen großformatigen Bildband so mit gedruckter Elektronik und hauchdünnen Lautsprechern ausgestattet, dass beim Umblättern Töne zu hören waren. Die Forscher gaben ihm den Namen "T-Book", "T" für "Ton. Die Bilder erzählten ihre Geschichte. Ein Chip im Buchrücken enthielt die Sounddateien, die beim Umblättern abgespielt wurden.

Das T-Book war und ist ein Meilenstein in der Entwicklung gedruckter Elektronik.

Prof. Dr. Arved C. Hübler, Leiter des Instiuts für Print- und Medientechnik der TU Chemnitz

Die klangvolle Erfindung aus Chemnitz wurde seit ihrer Premiere in einer halbautomatischen Einzelbogenfertigung mit großem Aufwand hergestellt, und zwar so: Ganz normales Papier oder Folien werden dazu mit zwei Schichten eines Polymers bedruckt, also eines chemischen Stoffes aus großen Molekülen. Wichtig ist, dass er leitfähig ist und Kohlenstoff enthält. Chemiker nennen das dann organische Polymere. Dieser Aufdruck dient dann als Elektroden.

Elektroden allein machen noch keine Musik

Doch ohne Schwingungen keine Musik! Deshalb bringen die Chemnitzer noch eine weitere Schicht auf, die eine elektrische Spannung aufbaut und damit das Papier oder die Folie zum Schwingen bringt. Luft wird verdrängt und damit gut hörbar Sound erzeugt. Zum Schluss kann die Oberfläche bedruckt werden, zum Beispiel mit Fotos. Bislang ging das nur mit einzelnen Bögen und war deshalb sehr aufwändig.

"T-Paper" von der Rolle: Lautsprecherpapier in Massenfertigung

Damit die Erfindung aus Chemitz auch alltagstauglich wird, arbeiten die Forscher des Instituts für Print- und Medientechnik jetzt daran, das Lautsprecherpapier in einer Massenproduktion zu fertigen. Dazu sollen nicht mehr nur einzelne Bögen bedruckt werden, sondern Material von der Rolle.

Damit soll der gesamte Herstellungsprozesses wesentlich effektiver werden, damit wir mit dem T-Paper auch Massenmärkte wie Fotobücher erreichen können.

Georg C. Schmidt, Projektleiter T-Paper

In den kommenden drei Jahren werden die Wissenschaftler einen Prototypen für den Rollendruck entwickeln. Außerdem wollen sie die Leistungsfähigkeit und das Aussehen des T-Paper weiter verbessern, um es auch in anderen Anwendungsbereichen einsetzen zu können. Denn natürlich geht es bei der Entwicklung nicht nur um singende Fotobücher oder sprechende Cornflakes-Verpackungen. Die Lautsprecher aus Papier könnten auch medizinisch genutzt werden - zum Beispiel für Ultraschall-Meßtechnik im Miniformat. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit rund 1,4 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN: im Radio | 06.06.2017 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juli 2017, 09:57 Uhr