Wiesenschlüsselblume
Bildrechte: H. Timmann/Loki Schmidt Stiftung

McDonaldisierung der Natur Weltweit werden sich Ökosysteme immer ähnlicher

Egal, wo wir uns in der westlichen Welt befinden, überall gibt es die gleichen Geschäfte, die gleiche Mode, die gleiche Musik. Wir finden kaum noch etwas Einzigartiges. Anlässlich der Artenschutzkonferenz im mexikanischen Cancun, die gerade läuft, macht das Zentrum für Biodiversitätsforschung in Halle-Jena-Leipzig auf eine ähnliche Entwicklung in der Natur aufmerksam. Die Forscher sprechen von einer McDonaldisierung der Tier-und Pflanzenwelt. Wissenschaftsredakteur Karsten Möbius war vor Ort.

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McDonaldisierung - damit meinen die Wissenschaftler, dass sich die Ökosysteme weltweit immer ähnlicher werden. Zuerst sterben Pflanzen aus, die sogenannte Spezialisten sind. Sie sind extrem gut an besondere Lebensbedingungen angepasst. Aber eben nur an diese. Ändern sie sich, zum Beispiel durch Klimaveränderung, ist ihr Überleben gefährdet. Dann kommen die Generalisten, die überall gedeihen, und breiten sich aus. Für beide Prozesse ist der Mensch verantwortlich. Besonders die intensive Landwirtschaft trägt zum Artensterben bei. Globaler Handel und intensiver Reiseverkehr sorgen dafür, dass Pflanzen und Samen um die Welt getragen werden.

Dr. Marten Winter
Dr. Marten Winter vom Zentrum für Integrative Biodiversität iDiv, Leipzig. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Also 4% aller Pflanzenarten dieser Welt sind irgendwo eingeschleppt worden. Absichtlich oder unabsichtlich. Und dann haben sie sich sich etabliert. In Neuseeland gibt es zum Beispiel an den Straßenrändern genau die gleichen Pflanzen wie hier bei uns.  

4% hört sich nicht viel an. Dahinter stecken jedoch zwölf- bis dreizehntausend Arten, die geschafft haben, sich trotz neuer Bedinungungen irgendwo festzusetzen. Sie trotzen einem fremden Klima, fremden Böden, sogar fremden Schädlingen. Dieser Prozess geht weiter: Noch sehen wir Normalbürger wenig von der McDonaldisierung der Natur. Wissenschaftler registrieren diesen Trend aber mit besonderem Interesse. Denn neue Erkenntnisse zeigen, dass bspw. der Verlust einer Pflanzenart unmittelbar weitere Konsequenzen für Biotope hat. Mit dem Verlust einer Pflanzenart verschwinden nicht selten Käfer und Bodenlebewesen gleich mit. Die Frage ist, was macht diese zunehmende Veränderung mit unseren Ökosystemen.

Vielleicht brechen ganze Systeme oder Gemeinschaften zusammen, so dass zum Beispiel die Wälder, die wir in der Zukunft haben, gar nicht mehr das bereitstellen, was wir als Menschen als Dienstleistung wollen: Holz oder Schatten.

Eine These ist, dass mit dem Aussterben seltener Arten die Ökosystemen immer weniger in der Lage sind, auf Umweltbedingungen zu reagieren.

Ein Trend, der kurioser Weise auch mit der Angleichung der Natur verbunden ist: Wir haben hier in Europa viel mehr Arten als noch vor 500 Jahren, vor der Entdeckung der neuen Welt. Die Kartoffel ist nur ein Beispiel einer Pflanzenart, die es vorher bei uns noch nicht gab. Die McDonaldisierung der Welt aufzuhalten, wenn man es überhaupt will, ist extrem schwierig, gibt Winter zu:

Der Verlust und die Ausbreitung von Arten ist tatsächlich etwas, wogegen wir sehr wenig tun können. Zumindest nicht heutzutage, so wie wir leben

Wissenschaftler des Zentrums für Biodiversitätsforschung iDiv sind zur Zeit bei der Artenschutzkonferenz im mexikanischen Cancun dabei und stehen Politikern und Umweltschutzorganisationen beratend zur Seite. Ihre Expertise dient dazu zu erklären, welche Pflanzen bedroht sind, welche nicht mehr um den Globus transportiert werden sollten, welche Pflanzen nichts in Gartenmärkten zu suchen haben und wie intensive Landwirtschaft unsere Natur beeinflusst.

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2016, 15:51 Uhr