Weisser Schaum am Ufer der Lagune Achterwasser
Schaum an einem Ostseestrand: Die Überdüngung vieler Felder in Deutschland führt zu mehr Nährstoffen in den Flüssen. Diese werden in auch in die Ostsee gespült, wo es zu Algenblüten kommt. Dadurch vermehren sich Bakterien, die dem Wasser in einzelnen Gebieten sämtlichen Sauerstoff entziehen und so Todeszonen im Meer schaffen. Bildrechte: IMAGO

Meeresatlas 2017 Verschmutzung, Überfischung, Todeszonen - den Meeren geht es schlecht

Weniger Fische, mehr Plastik, wachsende Todeszonen, steigende Temperaturen, mehr Säure im Wasser: Der von Wissenschaftlern erstellte Meeresatlas 2017 zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand der Weltmeere.

von Lydia Jakobi

Weisser Schaum am Ufer der Lagune Achterwasser
Schaum an einem Ostseestrand: Die Überdüngung vieler Felder in Deutschland führt zu mehr Nährstoffen in den Flüssen. Diese werden in auch in die Ostsee gespült, wo es zu Algenblüten kommt. Dadurch vermehren sich Bakterien, die dem Wasser in einzelnen Gebieten sämtlichen Sauerstoff entziehen und so Todeszonen im Meer schaffen. Bildrechte: IMAGO

Ohne Wasser gibt es kein Leben – das weiß jeder Erstklässler. Doch die Weltmeere geraten zunehmend in Gefahr: In den Ozeanen schwimmt tonnenweise Müll, viele Fische und Meerestiere sind vom Aussterben bedroht, die wachsende Weltbevölkerung braucht immer mehr Wasser, der Klimawandel tut sein Übriges.

Wie groß der Druck auf die Meere ist, darüber gibt der jährlich erscheinende Meeresatlas Aufschluss. Und auch der aktuelle Bericht malt alles andere als ein rosiges Bild. Die Ozeane verändern sich rapide. Schuld ist der Mensch, sagt der Kieler Meeresforscher Martin Visbeck vom Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft".

Die letzten 10.000 Jahre war der Ozean relativ stabil und die letzten 50 bis 80 Jahre änderte er sich schnell. Er wird wärmer. Wir sehen in den oberen Bereichen eine Erwärmung von einem Grad Celsius, aber auch in der Tiefsee können wir die Erwärmung ganz klar dokumentieren. Und wir können sagen, dass 93 Prozent der Wärmeenergie, die durch den Klimawandel auf unserem Planeten zurückbleibt, im Ozean angekommen ist.

Martin Visbeck, Meeresforscher

Dazu nimmt das Wasser viel CO2 aus der Atmosphäre auf. Das bremst den Klimawandel zwar erstmal, hat aber auch negative Folgen: Durch die Erwärmung steigt der Meeresspiegel – in den letzten Jahren um durchschnittlich 20 Zentimeter. Und die Ozeane versauern. In manchen Meeresgebieten gibt es kaum noch Sauerstoff. Todeszonen nennen die Forscher das, denn hier überleben nur noch ein paar Bakterien. Deutschland hat dieses Problem direkt vor der Haustür, sagt Dirk Scheelje von der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein. "Die Ostsee ist das belastetste Meer mit den meisten Todeszonen."

Nicht nur die Versauerung belastet die Meere. Die Industrie sucht zunehmend unter Wasser nach Rohstoffen, zum Beispiel nach Metallen für die Herstellung von Smartphones. Die Arbeiten bringen den Ozeanboden in große Gefahr, denn er braucht extrem lange, um sich zu regenerieren. Dazu kommen die acht Millionen Tonnen Plastikmüll, die jedes Jahr neben Düngemitteln und anderen Chemikalien im Meer landen, außerdem die Hochseefischerei. Über 30 Prozent der globalen Fischbestände sind bereits überfischt, gefährdet sind weitere 58 Prozent.

Barbara Unmüßig, Vorsitzende Heinrich-Böll-Stiftung
Barbara Unmüßig, Vorsitzende Heinrich-Böll-Stiftung Bildrechte: dpa

Zeit zu handeln, meint Barbara Unmüßig, Vorsitzende der Heinrich-Böll-Stiftung: "Eine zentrale Lösung muss sein, großflächige Schutzgebiete im Meer auszuweisen. Nur 3,5 Prozent des Ozeans stehen unter Schutz. Und nur 1,6 Prozent sind für Fischerei komplett verboten. Das muss man sich erstmal deutlich machen."

Dazu müssen die illegale Fischerei gestoppt und Fangquoten vereinbart werden. Für den Bergbau in den Ozeanen müsse es ein Moratorium geben. Unmüßig dringt außerdem auf eine Lösung für das Müllproblem: "Eine Plastikkonvention könnte dabei helfen, aber wichtig ist auch darüber nachzudenken, wie der Konsum von Plastik reduziert werden kann."

Die Hoffnungen ruhen nun auf der Ozean-Konferenz der Vereinten Nationen im Juni. Die könnte zumindest der Auftakt für einen verstärkten Schutz der Weltmeere sein.

Über dieses Thema berichtet MDR-Aktuell auch im: Radio | 10.05.2017 | 16:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 11:57 Uhr