Händler in Johannesburg verkaufen an ihrem Stand diverse Wurzeln und Heilpflanzen
Straßenhändler verkaufen Heilpflanzen und Wurzeln Bildrechte: dpa

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Können afrikanische Heilpflanzen AIDS bekämpfen?

Mediziner suchen seit Jahrezehnten nach Mitteln gegen tödliche Krankheiten wie AIDS oder Tuberkulose. Liegt die Lösung vielleicht in der Natur? Ein Team von Wissenschaftlern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hält das für möglich und erforscht deshalb Heilpflanzen aus Afrika.

von Karolin Dörner

Händler in Johannesburg verkaufen an ihrem Stand diverse Wurzeln und Heilpflanzen
Straßenhändler verkaufen Heilpflanzen und Wurzeln Bildrechte: dpa

Die ersten Schritte sind schon getan. Zwar nicht in Halle sondern in den afrikanischen Ländern Äthiopien, Botswana und Tansania. Dort suchen afrikanische Botaniker und Naturwissenschaftler schon länger nach Heilpflanzen, die Krankheiten wie AIDS, Tuberkulose oder Wurminfektionen bekämpfen könnten. Über ihre Erkenntnisse tauschen sie sich aus mit Peter Imming vom Institut für Pharmazie an der Universität in Halle.

Pflanzen haben in der Vergangenheit öfter sehr wirksame Wirkstoffe geliefert. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Der beste Wirkstoff gegen Malaria ist in den letzten Jahrzehnten aus einer chinesischen Arzneipflanze gefunden worden. Und jetzt haben wir die kühne Hoffnung, dass bei viralen Infektionen da auch noch was in der traditionellen Medizin schlummert.

Prof. Peter Imming, Universität Halle

Und wenn da was schlummert, dann wissen das am besten die traditionellen Heiler. In ihrer Heimat nehmen sie eine wichtige medizinische Stellung ein. Die Bevölkerung vertraut ihnen und ihren Medikamenten, die oft aus Pflanzen bestehen und schon jetzt gegen Infektionskrankheiten eingesetzt werden. Die Heiler würden einbezogen, "weil wir deren Wissen brauchen", sagt Imming. Sie würden sogar soweit einbezogen, dass die Forscher sie wissenschaftlich beteiligten bis hin zur Mitautorschaft wissenschaftlicher Publikationen. Die Heiler und ihre Patienten seien dann auch diejenigen, die von den Ergebnissen der Studie profitierten, so der Pharmazeut.

Förderung Das Projekt wird über vier Jahre mit 800.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Martin-Luther-Uni arbeitet dabei mit Wissenschaftlern der University of Botswana, der Addis Ababa University in Äthiopien und der University of Health and Allied Sciences in Tansania zusammen.

Sonnenuntergang über einem Flusstal
Liegt der Schlüssel zur Heilung schwerer Krankheiten in der Natur Afrikas? Bildrechte: Colourbox.de

Das Pflanzenwissen der Heiler soll wissenschaftlich untermauert werden. Und da kommen die Hallenser Wissenschaftler ins Spiel: Im Laufe einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit der äthiopischen Akademie der Wissenschaften entstand die Idee, einheimische Pflanzen zu untersuchen. Um welche Pflanze handelt es sich? Wie wirkt sie? Wie wirkt sie in Kombination mit anderen Stoffen? Welche Stoffe enthält sie? Fragen, die in Halle geklärt werden können, erklärt Reinhard Neubert vom Institut für Angewandte Dermatopharmazie.

Da macht die Zusammenarbeit viel Sinn, weil wir natürlich die analytisch entsprechenden Geräte hier vor Ort an der Universität [haben]. Wir haben auch das Institut für Pflanzenbiochemie im Boot, die auch instrumentell sehr gut ausgestattet sind. Insofern ist das eine wissenschaftlich sehr anspruchsvolle Aufgabe, diese Inhaltsstoffe zu identifizieren.

Prof. Reinhard Neubert, Universität Halle

Sind die Inhaltsstoffe bestimmt, geben die Hallenser Forscher ihr Wissen weiter an die Kollegen und Heiler in Afrika. Die könnten dann Heilpflanzen noch zielgenauer einsetzen, erklärt Reinhard Neubert: "Und wenn es jetzt gelingt, diese Medikamente durch unsere Forschungsarbeiten zu verbessern, ist das auch für das Gesundheitswesen in den betreffenden Ländern ein sogenannter Qualitätssprung. Und natürlich eine Möglichkeit diese Arzneien vor Ort zu produzieren und so einen ökonomischen Vorteil zu generieren, in den afrikanischen Ländern, die beteiligt sind.“ Die Heiler-Organisation von Botswana hat zumindest schon Land gepachtet und will dort Heilpflanzen anbauen. Fehlen nur noch die Ergebnisse aus Halle.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 27.04.2017 | ab 10:20 Uhr

Illustration einer afrikanischen Savannenlandschaft
Bildrechte: Colourbox

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 13:37 Uhr