Spaltenkreuzspinne
Auch die Spaltenkreuzspinne kann zu Unbehagen führen. Bildrechte: IMAGO

Uralte Mechanismen im Gehirn Schon Babys haben Angst vor Spinnen

Hierzulande gibt es kaum giftige Tiere. Die Angst vor Spinnen und Schlangen ist trotzdem weit verbreitet. Eine neue Studie zeigt: Sie ist möglicherweise sogar angeboren.

Spaltenkreuzspinne
Auch die Spaltenkreuzspinne kann zu Unbehagen führen. Bildrechte: IMAGO

Über den Grund, warum sich Menschen vor Spinnen und Schlangen ekeln oder sogar fürchten, gibt es viele Theorien. Es gibt Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass es sich bei der Angst um erlerntes und über Generationen weitergegebenes Verhalten handelt. Eine Theorie besagt zum Beispiel, dass die Abneigung aus der Zeit der Pest stammen könnte. Spinnen hätten damals neben Ratten die Krankheit übertragen. Die Angst vor den Achtbeinern wäre demnach also erlernt und über Generationen weitergegeben. Ob das stimmt oder ob die Angst vielmehr angeboren ist, war lange umstritten.

Spinnen und Schlangen stressen Babys

Um das herauszufinden, haben Wissenschaftler am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften Experimente mit Babys durchgeführt. Sechs Monate alten Kleinkindern wurden Bilder von Spinnen und Schlangen gezeigt. Mit sogenannten Eye-Trackern wurde dann die Pupillentätigkeit der Kinder gemessen. Das Ergebnis: Bei Bildern einer Schlange oder einer Spinne reagierten die Kinder mit vergrößerten Pupillen, einem wesentlichen Signal für eine Stressreaktion. Auf Blumen oder Fische ähnlicher Größe reagierten die Kinder hingegen gelassen.

Uralte Ängste

Da Babys in dem Alter noch nicht wissen können, dass die beiden Tiergruppen bedrohlich oder zumindest unangenehm sein können, gehen die Forscher davon aus, dass die Reaktion angeboren ist.  Die Vermutung: Uralte Lebenserfahrung hat sich evolutionär in unser Erbgut geschleust.

Stefanie Höhl Max-Planck-Institut
Prof. Dr. Stefanie Höhl hat die Studie geleitet. Bildrechte: Kerstin Flake/Max-Planck-Institut Leipzig

Schon vor 40 bis 60 Millionen Jahren haben Schlangen beziehungsweise Spinnen giftige Bisse für unsere Urahnen entwickelt. Da besteht eine lange Zeit der Ko-Evolution, wodurch unsere Vorfahren die Chance hatten, entsprechende Mechanismen zu entwickeln, im Gehirn zu implementieren und Nachkommen damit auf die Welt zu schicken.

Weil Spinnen und schlangenähnliche Repitlien mit unseren Vorfahren eine längere gemeinsame Geschichte haben als andere Tiere, wanderte die Abneigung gegen sie in das Erbgut. Zu einer ausgewachsene Spinnen- der Schlangenphobie tragen aller Wahrscheinlichkeit nach noch andere Aspekte bei. Der Studie zufolge gibt es aber eine angeborene Tendenz. Und so erklärt sich auch, dass Kinder zwar Angst vor Kriech- und Spinnentieren haben, aber den wirklichen Gefahren des Alltages, wie Steckdosen oder Herdplatten meist entspannt entgegensehen.

Über dieses Thema berichtet MDR: Fernsehen LexiTV | 23.08.2016 | 15:00 Uhr
Radio MDR AKTUELL | 20.10.2017 | 17:20 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2017, 10:52 Uhr