Eine Frau spritzt sich in den Arm.
Dresdner Forscher könnten mit ihrem Bioreaktor dafür sorgen, dass das tägliche Spritzen in Zukunft nicht mehr nötig ist. Bildrechte: Colourbox

Neue Hoffnung für Diabetiker “Bioreaktor“ statt Spritze

Diabetes Typ 1 – unter Jugendlichen ist es die am häufigsten auftretende Stoffwechselerkrankung. Die Zahl der Betroffenen wächst in Deutschland jährlich um drei bis fünf Prozent. Sie müssen lebenslang Insulin zuführen. In besonders schweren Fällen helfen auch Spritzen und Medikamente nicht auf Dauer. Doch Für ihre Behandlung gibt es neue Hoffnung aus Dresden.

von Stephan Zimmermann

Eine Frau spritzt sich in den Arm.
Dresdner Forscher könnten mit ihrem Bioreaktor dafür sorgen, dass das tägliche Spritzen in Zukunft nicht mehr nötig ist. Bildrechte: Colourbox

Stellen Sie sich eine mittelgroße Cremedose vor. Außen unspektakulär – innen vollgepackt mit medizinscher Hightech, weltweit einzigartig. Die Forscher an der medizinische Fakultät der TU Dresden nennen das Gerät deshalb “Bioreaktor“. Und der Bioreaktor könnte  für Menschen mit Diabetes Typ 1 eine völlig neue Lebensqualität ermöglichen. Stefan Bornstein, der Direktor der Medizinischen Klinik an der Universitätsklinik Carl Gustav Carus, beschreibt es so.

Man kann es sich vorstellen, wie einen Herzschrittmacher. Eine kleine Dose von fünf bis sechs Zentimetern Durchmesser, die auf das Bauchfell, also unter die Haut, transplantiert wird.

Prof. Stefan Bornstein

In der Dose, also dem Bioreaktor, sind Zellen, die Insulin produzieren. Die können von Spendern oder auch von Schweinen stammen. Normalerweise würde der Körper solche Zellen abstoßen. Aber im Bioreaktor sind sie vor der Abwehrreaktion des Körpers geschützt. Und genau das ist die Idee, die dahinter steckt, so Prof. Bernstein, die “Zellen in einer Kammer zu verpacken, die sie vor dem eigenen Immunsystem schützt, aber andererseits Insulin durch die Membranen freisetzt, wie ein eigenes, insulinproduzierendes Organ.“

Die grundlegende Technik ist klar. Aber wie immer sind es die Details, die noch zu klären sind. Eines davon: wie werden die Zellen in den Bioreaktoren versorgt, mit Sauerstoff zum Beispiel? Irgendwann könnten Algen mit in den Reaktor integriert werden, die dann Sauerstoff produzieren. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Vorerst ist die Lösung ganz profan: Der Sauerstoff wird von außen zugeführt.

Prof. Dr. Stefan Bornstein
Bildrechte: Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden

Es wird frischer Sauerstoff in die Kammer appliziert, in ein Reservoir. Das wird für den Patienten günstiger, da es nicht täglich, sondern wöchentlich oder zweiwöchentlich erfolgen muss.

Prof. Stefan Bornstein

Der Bioreaktor könnte zunächst Menschen helfen, die mit Insulintherapien nicht zurechtkommen, weil z.B. die Bauchspeicheldrüse zu schwer geschädigt ist. Die Vorteile liegen auf der Hand: bisher brauchen solche Patienten eigentlich eine Organtransplantation. Aber es gibt zu wenig Spender. Und außerdem werden die fremden Organe vom Körper abgestoßen. Das muss mit starken Medikamenten verhindert werden. Alles Probleme, die der Reaktor im Bauch lösen könnte.

Erste Versuche damit waren erfolgversprechend. Aber ausgereift ist das System noch nicht, so Bernstein und vergleicht das mit einem modernen Auto von heute, das ja auch nicht über Nacht entstanden ist.

Eine solche Entwicklung für alle Patienten praktikabel zu machen,  das wird sicher noch einige Jahre brauchen.

Prof. Stefan Bornstein

Irgendwann könnte der Bioreaktor allen Menschen mit Diabetes Typ 1 helfen. Die Forschung daran ist auch der Schwerpunkt eines neuen Therapiezentrums, das in Dresden gebaut wird. Zellbiologen und Materialwissenschaftler sollen dort genauso arbeiten, wie Mediziner. Das Zentrum kostet gut 30 Millionen Euro und soll in vier Jahren fertig sein.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 09.10.2017 | 15:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2017, 14:45 Uhr