Arzt mit Gummihandschuhen tastet einer Patientin den Bauch ab.
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Darmkrebsvorsorge Neuer Test zur Darmkrebsvorsorge

Wer auf die 50 zugeht, sollte sich mit dem Thema Darmkrebsvorsorge auseinandersetzen. Sie ist nicht angenehm, kann aber effektiv eine Krebsentstehung verhindern. Ab 01. April 2017 gibt es einen neuen Test. Mit Vor- und Nachteilen.

von Karolin Dörner

Arzt mit Gummihandschuhen tastet einer Patientin den Bauch ab.
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Gleich vorneweg: Wer hofft, demnächst auf die unangenehme Darmspiegelung verzichten zu können, der wird enttäuscht. Der neue immunologische Test ersetzt den Papierstreifentest, sozusagen die Vorstufe der Darmspiegelung. Alter und neuer Test haben gemein, dass sie Stuhlgang auf Blut untersuchen. Die Idee dahinter: Kommt Krebs im Darm vor, blutet der. Das Problem: Blut im Darm ist nicht immer menschlich. Rohes Fleisch oder viel Vitamin C konnte der bisherige Test nicht von Eigenblut unterscheiden. Das ändert sich nun, so der Mediziner Oliver Zastrow.

Der immunologische Test kann gezielt durch einen Antikörper den menschlichen Blutbestandteil binden und mit einer höheren Sicherheit nachweisen.

Oliver Zastrow, Oberarzt für Innere Medizin und Geriatrie, Diakonissenkrankenhaus Dessau

Deshalb macht sich Christa Maar seit Jahren für den immunologischen Test stark. Sie rief 2001 die Felix Burda-Stiftung ins Leben, um Menschen über Darmkrebsvorsorge aufzuklären. Sie rechnet vor:

Der alte Test erkennt etwa 20 Prozent der vorhandenen Karzinome und der neue erkennt ca. 70 Prozent.

Christa Maar, Felix Burda-Stiftung
Vorsorge Untersuchung Arzt
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Ebenfalls neu: Der Test berücksichtigt nicht nur Krebs, sondern bereits die ungefährliche Vorstufe, so genannte Polypen, die eben auch bluten. "Nur bei Darmkrebs haben Sie diese Polypen, die da erstmal ungefähr zehn Jahre wachsen bis sie zu Krebs werden. Und Sie haben ungefähr zehn Jahre Zeit vom Entstehen des Polypen, bis der zu Krebs wird, um den abzutragen und dann kriegen Sie keinen Krebs,“ sagt Christa Maar.

Theoretisch alles gut, praktisch aber etwas schwieriger. Der Berufsverband der Urologen bemängelt, dass der Arzt nun nicht mehr selbst die Proben auswerten darf. Der neue Test muss in ein zertifiziertes Labor. Die langen Wege könnten die Qualität des Tests beeinflussen. Da sieht auch Christa Maar Nachholbedarf:

Also so ist es natürlich ziemlich umständlich. Ich hoffe da kann man noch was dran ändern.

Christa Maar, Felix Burda Stiftung

Hinzu kommt, dass der Test auch schnell an seine Grenzen stößt, so Oliver Zastrow: "Wenn ich Blut im Stuhl nachweise, weiß ich noch nicht: Blutet der Polyp? Blutet der Tumor? Oder ist es vielleicht Zahnfleischbluten? Ist es ein Blutgefäß? Sind es Hämorrhoiden? Das kann ich nicht unterscheiden mit dem Test. Deswegen muss man immer nachgucken."

Nachgucken heißt Darmspiegelung. Darmspiegelung heißt vier Liter Abführmittel und unter Umständen Narkose. In Deutschland nimmt daher nur etwas mehr als die Hälfte einen solchen Eingriff vor, laut Zentralinstitut für Kassenärztliche Versorgung. Zastrow und Maar erhoffen sich nun, dass der spezifischere Vortest mehr Menschen animiert, auch die Darmspiegelung durchzuführen. Denn nur so, könne man direkt in den Darm gucken, mögliche Tumorvorstufen entfernen und eine Erkrankung verhindern.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 25.03.2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 14:55 Uhr