MTA bei Blutanalysen im Labor
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Sensor als Krebsmelder und Blutkrebs-Medikament Neue Krebshoffnungen aus Dresden

MTA bei Blutanalysen im Labor
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Krebszellen-Verbreitung stoppen mit Gen-Sensor

In einem guten Haushalt schlägt der Rauchmelder Alarm, wenn es brennt. Ähnlich sieht es in Bezug auf Krebszellen im menschlichen Körper aus: In Körperzellen ist das TP53-Gen der Rauchmelder, der Alarm schlägt, wenn die Erbinformation der Zelle beschädigt ist und dann für die Zerstörung der Zelle sorgt.
Wenn aber genau dieses Gen defekt ist, können sich Krebszellen im Körper ungehemmt und oftmals lange unbemerkt ausbreiten – so, als ob der Bock still und heimlich zum Gärtner mutiert ist. Durch diesen Effekt hinken Medizin und Therapie den Krebszellen immer einen Schritt hinterher, oder wie Professor Frank Buchholz von der TU-Dresden sagt:

Wir therapieren Krebszellen bisher lange nachdem diese den bösartigen Transformationsprozess durchlaufen haben.

Frank Buchholz

Entsprechend setzen Therapien oft zu spät an, um tatsächlich alle Krebszellen im Körper beseitigen zu können. Der Behandlungserfolg wird erschwert, wenn aus einigen Krebszellen durch zusätzliche Mutationen Therapie-resistente Klone entstehen.

Prof. Frank Buchholz
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Unsere Ergebnisse zeigen, dass Zellen mit TP53-Mutationen selektiv frühzeitig erkannt und eliminiert werden können. Damit wird der zu Krebs führende Transformationsprozess verhindert.

Frank Buchholz

Dieser Teufelskreislauf aus Spät-Erkennung und Verschlimmerung durch therapieresistente Mutationen könnte durchbrochen werden, wenn Schäden am TP53-Gen rechtzeitig bemerkt werden. Dresdner Krebsspezialisten aus mehreren Einrichtungen haben einen Sensor, ein genetisches Element, entwickelt, das Zellen von der normalenTP53-Funktionsweise unabhängig macht.

Erkennt ein Sensor, dass ein TP53-Gen defekt ist, soll er den Zelltod einleiten, damit sich die Zellen mit dem defekten TP53-Gen nicht ausbreiten, erklärte Krebsforscher Buchholz im Gespärch mit dem Fachmagazin "Nature Communications: "Durch die Generierung eines TP53-Sensors wird es nun erstmals möglich, diesen Teufelskreis zu einem frühen Zeitpunkt zu durchbrechen." Die Dresdner Forscher hoffen nun neue Krebs-Diagnoseverfahren entwickeln und langfristig künstlichen Schutz vor Krebsmutationen aufbauen zu können.


Neues Leukämie-Präparat steht vor Testphase

Älterer Mann im Anzug vor einem Mikrofon
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Die Akute Myeloische Leukämie ist die häufigste Form akuter Leukämie in Deutschland. Bisher überlebt etwas weniger als ein Drittel der Patienten mehr als fünf Jahre mit der Krankheit: Unter Führung von zwei Professoren der Technischen Universität Dresden haben Forscher einen speziellen Eiweißbaustein entwickelt, der vielversprechend ist.

Nach 15 Jahren Forschung soll der nun am Menschen getestet werden, sagt Gerhard Ehninger. Der Mediziner ist einer der Direktoren am Dresdner Universitätsklinikum und Direktor am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen.

Wir haben über Jahre jetzt dieses Eiweiß (...) hochrein herstellen können und haben jetzt schon ein Votum der Ethikkommission, dass wir in die klinische Prüfung gehen können (…) und warten noch auf die Erlaubnis des Paul-Ehrlich-Instituts. Das ist die oberste Bundesbehörde.

Prof. Gerhard Ehninger

Die Forscher gehen aber davon aus, dass sie schon im Januar die ersten Patienten behandeln können. An 35 Erkrankten soll an den Unikliniken Dresden und Würzburg zunächst die geeignete Dosis ermittelt werden. An der Studie nehmen Patienten teil, für die das neue Medikament meist die letzte Hoffnung ist.

Wir behandeln damit Patienten, die eine ganz schlechte Erwartung haben, dass sie noch durch eine Therapie geheilt werden können. Die bekommen diesen neuen Antikörper in der Hoffnung, dass die Leukämie zurückgedrängt werden kann und wenn wir das dann in höherer Dosierung geben können, auch geheilt werden können.

Aber wie kann das gelingen? Das neue Medikament kann mehr als die bekannten Stoffe: Es funktioniert im Prinzip wie ein Legostein, der sich sowohl an seiner Ober- als auch der Unterseite mit anderen Steinen verbinden lässt.

Die bisherigen Antikörper (...) binden an die Tumorzelle und hoffen dann, dass durch Zufall andere Abwehrzellen vorbeikommen. (…) Unser Antikörper bindet an die Tumorzelle und zieht aber wie ein Magnet auch die Abwehrzellen an und zwingt die Abwehrzellen aktiv zu werden und aktiviert sie.

Professor Gerhard Ehninger

Neues Medikament - neue Behandlungsweise?

An Leukämie erkrankte Blutzellen
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Das Medikament startet eine Abwehrreaktion des Körpers gegen die Krebszellen. Die soll den Krebs dann zurückdrängen. Für die Patienten bedeutet diese neue Therapie aber zunächst keine zusätzliche Belastung.

Die Infusion wird über über einen Katheter eingeführt, der in der Vene liegt. Die Substanz hat eine sehr kurze Halbwertszeit, das heißt sie verschwindet sehr schnell aus dem Blut, wird sie den Patienten zehn Tage lang kontinuierlich verabreicht. Neu ist diese Art der Verabreichung nicht, denn diese "Dauerinfusionen" sind bei dieser Krankheitsform eine übliche Verabreichungsweise.

Ob das neue Medikament bei den Patienten genauso gut wirkt wie im Labor, wissen die Forscher voraussichtlich Mitte 2018. Mit einer allgemeinen Zulassung rechnen sie allerdings frühestens Ende 2020. Dann wäre es, ergänzt Ehninger, seit langer Zeit auch das erste Medikament, das wieder aus Sachsen komme.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Radio: MDR aktuell | 14.11.2017 | 04:25 Uhr

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Neuentwicklung soll besonders aggressive Form der Leukämie bekämpfen

MDR AKTUELL Di 14.11.2017 04:24Uhr 02:59 min

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Zuletzt aktualisiert: 14. November 2017, 16:27 Uhr