nachgestellte Szene: Einbrecher in der Nacht
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Studie zu Vorhersagesoftware "PRECOBS" Einbrecher bleiben unberechenbar

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Die Hoffnungen waren groß, das Ergebnis ernüchternd: Einbrecher und Einbrüche bleiben unberechenbar. Die Software "PRECOBS", die Einbruchswahrscheinlichkeiten vorhersagen sollte, ist weniger wirkungsvoll als erhofft, wie jetzt eine Freiburger Studie belegt. Demnach sinkt die Zahl der Folgeeinbrüche nicht auffällig und eindeutig nachweisbar, wenn die Polizei mit PRECOBS arbeitet.

Was wurde untersucht?

Das Max-Planck-Instituts in Freiburg hat untersucht, ob und welchen Zusammenhang es zwischen Einbruchsprognosen und ihren darauf erfolgten polizeilichen Maßnahmen gibt. Dazu wurden Einbruchsdaten aus dem Winterhalbjahr 2015/2016 aus den Polizeipräsidien Karlsruhe und Stuttgart genutzt und mit den Fallzahlen aus Vergleichszeiträumen der Vorjahre verglichen. 183 PRECOBS-Prognosen wurden im Studienzeitraum erstellt. Ob und wie viele Einbrüche in als potenziell einbruchgefährdeten Regionen verhindert wurden, lässt sich nicht sagen. Und in ländlichen Gebieten, in denen Wohnungseinbrüche seltener als in Großstädten vorkommen, lohne sich der Einsatz gar nicht.

Einbrecher bricht Tür auf
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Die Software ist zwar nicht nutzlos, aber kein Werkzeug, mit dem die Fallzahlen per Mausclick reduziert werden können.

Dominik Gerstner, Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg

PRECOBS - Wie geht das noch mal?

"Pre Crime Observation Systeme", kurz PRECOBS, sind Kriminalitätsprognosen, die anhand von Datensammlungen verwertbare Muster suchen. In Deutschland werden in Bayern und Baden-Württemberg anhand von PRECOBS-Software Flächen-Analysen erstellt, die potentielle Einbruch-Gebiete und die Risikowahrscheinlichkeit identifizieren. In den USA wird dieser Vorhersage-Ansatz auch zur Berechnung von Bandenkriminalität herangezogen.

Die Risiko-Prognose von PRECOBS basiert zum Beispiel auf dem Wissen, dass auf einen Wohnungseinbruch zwischen sieben und 30 Tage später in der Nähe des ersten Tatorts erneut eingebrochen wird. Für die Berechnung werden in Deutschland Informationen über Beute, Ort, Datum, Uhrzeit, Haus oder Wohnung, Einstieg über Fenster oder Türen, Hilfsmittel und örtliche Gegebenheiten genutzt. Anhand der jeweiligen Prognose und Risiko-Einstufung löst PRECOBS-Alarm für solche Straßenzügen aus, sodass dann verstärkt Polizei unterwegs ist.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Fernsehen: Einfach genial | 25.10.2016 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2017, 15:29 Uhr