Eine wütende Autofahrerin.
Bildrechte: IMAGO

Psychologie Fluchen macht stark

Es gibt jede Menge Studien über das Fluchen. Wer flucht, ist schlau. Fluchen lindert Schmerzen, ist ein Bewältigungsmechanismus. Wer flucht, ist ehrlicher, glaubwürdiger und kreativer. Und jetzt kommt eine neue Studie aus Großbritannien hinzu. Die besagt: Fluchen macht den Körper stärker.

Eine wütende Autofahrerin.
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Wenn uns etwas weh tut oder uns etwas nicht gefällt, dann werden wir laut. Und meist ist das mit einem guten Fluch verbunden - "Verdammte Axt!". Dass das eine körperliche Reaktion erzeugt, hat bereits vor einigen Jahren der Psychologe Dr. Richard Stephens von der Keele University (Staffordshire/Großbritannien) mit seinen Forschungen nachgewiesen. Bei seinem Test ließ er zwei Gruppen Probanden die Hände in eiskaltes Wasser halten. Die einen sollten fluchen, die anderen nicht. Ergebnis: Die Flucher hielten länger durch. Offenbar, so Stephens, erzeugte das Fluchen auch eine Reaktion im Körper.

Um das genauer zu erklären, forschte Stephens weiter. Seine neuen Experimente präsentierte er jetzt nach einem Bericht von ORF Science bei der Jahrestagung der britischen Psychologengesellschaft. In zwei Versuchen wollte er der Wirkung des Fluchens auf unseren Körper näher kommen. Zum einen setzte er 29 Probandinnen und Probanden auf Fahrradergometer. Sie sollten maximal treten. Im Versuch zwei ging es um die Kraft in den Händen. 52 Teilnehmer mussten so kräftig wie möglich auf Dynamometer drücken, die die Druckkraft in unseren Händen messen können.

Zwei Kilo mehr Druckkraft

Eine Frau steckt sich nach einer Verletzung den Daumen in den Mund
Auf den Daumen gehauen? Jetzt ein "guter" Fluch und der Sympathikus hilft gegen die Schmerzen. Bildrechte: IMAGO

Wie beim Eiswasserexperiment durfte auch hier jeweils eine Hälfte fluchen, die andere nicht. Im Ergebnis beider Experimente zeigte sich, dass die Flucherinnen und Flucher stärker waren. Beim Ergometer maßen Stephens und sein Team fünf Prozent mehr Leistung – im Schnitt 24 Watt Unterschied. Beim Dynamometer betrug der Unterschied zwei Kilogramm zugunsten der Probanden, die Schimpfwörter benutzten.

Interessant war dabei jedoch die Tatsache, dass bei den Fluchern und Nichtfluchern keine Unterschiede bei Herzfrequenz oder Blutdruck auftraten. Offenbar, so die Vermutung der Psychologen, wird wie bei der Schmerzlinderung durch das Fluchen das sympathische Nervensystem, der Sympathikus, aktiviert. Der versetzt den Körper in einen Zustand stärkerer Aufmerksamt und Fluchtbereitschaft. Wir denken nicht über die Folgen nach, der Körper geht über seine Leistungsgrenzen hinaus. Um diesen Zusammenhang zu bestätigen, müssten jetzt jedoch noch weitere Studien folgen – mit mehr Teilnehmern und mehr Aufgaben.

Über dieses Thema berichtet MDR JUMP: im Radio | 13.01.2017 | 05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2017, 16:23 Uhr