MJ Fox und Chris Martin Youtube
Der Schauspieler Michael J. Fox leidet seit über 25 Jahren an Parkinson. Er gründete eine eigene Stiftung, die Mittel für die Parkinson-Forschung sammelt und verteilt. Bildrechte: Youtube/Liz H

Neue Studie zu Parkinson Mit Stammzellen gegen das Zittern

In einem Experiment mit Menschenaffen haben Forscher aus Japan gezeigt, dass eine Therapie mit Stammzellen Parkinson lindern kann. Das Verfahren soll nun klinisch getestet werden.

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Der Schauspieler Michael J. Fox leidet seit über 25 Jahren an Parkinson. Er gründete eine eigene Stiftung, die Mittel für die Parkinson-Forschung sammelt und verteilt. Bildrechte: Youtube/Liz H

Im Gehirn funktioniert kaum ein Vorgang, ohne dass Neurotransmitter beteiligt sind. Diese Botenstoffe hemmen oder leiten Signale weiter und sind letztendlich Grundlage motorischer und kognitiver Fähigkeiten. Bei Parkinson ist die Produktion des Botenstoffes Dopamin gehemmt. Im Laufe der Zeit schränkt die Krankheit die Motorik immer mehr ein. Ihre Symtopme sind Muskelsteifheit, Zittern und Unbeweglichkeit.

Laut der Europäischen Vereinigung für Parkinson leiden etwa zehn Millionen Menschen weltweit an der Krankheit, besonders Menschen über 60. Forscher wissen noch nicht, welche Ursachen die Krankheit hat, aber es gibt Therapien, die das Leiden lindern. Patienten bekommen Medikamente, die die Dopaminproduktion wieder anregen. Und sie machen Krankengymnastik. Damit lässt sich die Erkrankung zwar verlangsamen, aber nicht komplett verhindern.

Heilmittel Stammzelle?

Forscher von der Universität Kyoto haben tiefer im Gehirn angesetzt: mit Stammzellen. Diese Zellen lassen sich in verschiedenste Zelltypen ausgestalten. Sie sind die Hoffnungsträger bei der Bekämpfung neurodegenerativer Krankheiten. Man findet sie in menschlichen Föten, aber auch im Blut und in der Haut erwachsener Menschen. Die Wissenschaftler aus Japan haben zuerst Zellen von Menschen entnommen, die an Parkinson erkrankt sind. Diese Stammzellen haben sie dann zu Nervenzellen umprogrammiert, die nachweislich bei Parkinson-Patienten fehlen: Dopaminneuronen.

In einem zweiten Schritt wurden die Dopaminneuronen in die Gehirne von zehn Menschenaffen transplantiert. Affen, denen zuvor ein Mittel verabreicht worden war, das zu einer Parkinson ähnelnden Nervenerkrankung führt. Nach der Operation beobachteten die Forscher die Affen zwei Jahre lang. Ergebnis: Die Symptome der Erkrankung gingen deutlich zurück. Geheilt wurden sie nicht. Eine andere wichtige Erkenntnis: Es bildeten sich keine Tumore in den Versuchstieren – ein Risiko, dass bei Stammzelltherapien besteht. Allerdings sei das Risiko nicht vollständig ausgeschlossen, sagt Andreas Hermann, Professor für Neurologie am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Dresden. Die Versuchsgruppe mit zehn Tieren sei zu klein gewesen, als dass man abschließend über das Risiko von Tumoren urteilen könne.

Ein Schritt von vielen

Versuche mit Stammzellen wurden bereits an Mäusen und Ratten durchgeführt. Der erfolgreiche Test mit Menschenaffen eröffnet nun den Weg für klinische Studien mit Patienten – der typische Weg bis zur Marktreife eines Medikaments oder einer Therapie. Andreas Hermann sieht den Erkenntnisgewinn der Studie vor allem darin, dass Parkinson-Patienten potentiell heilende Zellen in sich trügen. Wenn Patienten mit ihren eigenen Stammzellen behandelt werden, gibt es deutlich seltener Abwehrreaktionen des Immunsystems. Hermann glaubt aber nicht, dass sich das Verfahren in seiner derzeitigen Form durchsetzen kann.

Prof. Dr. med. Dr. rer. med. Andreas Hermann
Oberarzt, Facharzt für Neurologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Bildrechte: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus/TU Dresden

Allein die Herstellung der Zellen kostet mehrere zehntausend Euro – ohne die Transplantation. Das ist in einer breiten Versorgung nicht denkbar.

Andreas Hermann, Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, Dresden

Man müsste Zelllinien finden, die allgemein verträglich seien, ist der Neurologe überzeugt. Nur so ließen sich die Kosten für die Stammzelltherapie senken. In Zukunft könnte das Verfahren die Behandlung von Parkinson um eine Säule erweitern. Wenn Medikamente und Krankengymnastik nicht mehr helfen, könnte die Stammzelltherapie eingesetzt werden und so Dopamin im Hirn anregen. Dann könnten auch die Tierversuche in der Parkinson-Forschung ein Ende finden.

Über dieses Thema berichtete MDR THÜRINGEN: im Radio - Haase und Waage am Vormittag | 30. August 2017 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2017, 10:37 Uhr