Ein Mädchen mit einer großen Brille ließt in einem Buch
Bildrechte: colourbox

Molekularbiologie Gene für Intelligenz entdeckt

Intelligenz ist vererbbar. Das ist nicht neu. Das weiß man vor allem durch Forschung mit Hilfe von Zwillingen. Aber man wusste bisher nicht, wie das funktioniert. Beispielsweise welche Gene dabei eine Rolle spielen. Eine internationale Forschergruppe hat nun die ersten 40 Gene, die die Intelligenz beeinflussen, gefunden.

von Karsten Möbius

Ein Mädchen mit einer großen Brille ließt in einem Buch
Bildrechte: colourbox

Jetzt ist also auch die Intelligenz im Bereich der Molekularbiologie angekommen. Mit diesen 40 Genen weiß man nicht nur, dass unsere Klugheit zwischen den Ohren sitzt, sondern wo sie sich tief in der Zelle, in unserem Bauplan, unserem Erbgut versteckt hält. Dazu wurde das Genom von knapp 80.000 Menschen verglichen. Und zwar wollte man herausfinden, welche Rolle die Unterschiede im Erbgut in Bezug auf Ihren Intelligenzquotienten spielen. Prof. Andre Reis, Direktor des Humangenetischen Instituts an der Universität Erlangen, erklärt wie man eine Unmenge von genetischen Varianten vergleicht. Die Rede ist von zwölf Millionen Varianten.

Man rastert wie mit einem Fischernetz das Erbgut durch. Damit findet man die wichtigsten Varianten, die den stärksten Einfluss haben.

Prof. Andre Reis, Universität Erlangen, Direktor des Humangenetischen Instituts

Das Erstaunliche dabei war, dass diese 40 Gene zum Teil Prozesse in der Zelle steuern, die wir schon kennen. Prozesse, die nicht nur in den Nervenzellen eine Rolle spielen, sondern die von allgemeiner Natur sind. Nur im Kopf zeigen sie eben andere Wirkungen als in einer Muskelzelle. Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, wie effektiv, wie schnell Prozesse in einer Zelle ablaufen.

Prof. André Reis, Direktor des Humangenetischen Instituts an der Universität Erlangen
Bildrechte: MedizinFotoKöln

D.h. diese Varianten bedingen, dass manche Gene besser oder schneller oder häufiger angeschaltet werden. Das ist wie wenn sie eine Glühbirne haben, die, wenn das Kabel nicht gut angeschlossen ist, flackert und wenn es gut angeschlossen ist, sofort richtig brennt, wenn sie Strom haben. Beide werden Licht geben, die eine aber besser als die andere.

Prof. Andre Reis

40 Gene werden nach dieser Studie in direkte Verbindung zu unserer Intelligenz gebracht. Wissenschaftler sind sich sicher, dass es das aber noch lange nicht ist. Höchstwahrscheinlich wird die Intelligenz von ähnlich vielen genetischen Varianten bestimmt wie unsere Körpergröße.

Körperlänge ist auch ein Merkmal, das eine hohe Erblichkeit aufweist und ähnlich wie Intelligenz durch hunderte bis tausende von kleinen genetischen Varianten beeinflusst wird.

Prof. Andre Reis

Ähnlich wie alle anderen unserer Eigenschaften hängt also auch unsere Intelligenz von unzähligen genetischen Vorgaben ab. Jede von Ihnen beeinflusst zu einem ganz kleinen Prozentsatz, wie klug wir sind. Ein Blick in die Gene unserer Kinder wird also auch in Zukunft nur bedingt etwas über ihre Intelligenz verraten. Das hängt aber auch damit zusammen, dass Gene nicht alles sind. Bei der Ausprägung von Intelligenz spielen zu viele Faktoren von außen eine Rolle.

Studenten in einem Hörsaal an der Uni Jena
Forscher haben die Gene für Intelligenz entdeckt. Aber ohne Förderung nutzen sie nichts. Bildrechte: FSU/Kasper

Sie können ein Talent wegwerfen, wenn sie nicht die richtigen Entwicklungsschritte und die richtige Unterstützung und Förderung haben. Aber die Förderung reicht nicht, wenn sie das Talent nicht haben. Oder man kann natürlich nicht wachsen, wenn man Hunger leidet.

Prof. Andre Reis

Aber wenn man Intelligenz vielleicht nicht genetisch vorhersagen kann, vielleicht lassen sich aus den genetischen Erkenntnissen Zusammenhänge mit bestimmten Intelligenzstörungen herstellen. Dann wären medizinische Konsequenzen aus diesen Entdeckungen denkbar, glaubt Prof Reis.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 23.05.2017 | 06:49 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2017, 15:03 Uhr