Grippe-Schutz: Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff?
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Impfung Grippeschutz: Dreifach? Vierfach? Oder Universal?

Die Grippe-Saison ist zwar noch nicht gestartet – meist sind die akuten Monate im Januar bis März. Jetzt ist aber Zeit sich impfen zu lassen. Schließlich dauert es zwei Wochen bis die Impfung wirkt und jedes Jahr braucht’s eine Neue. Seit 2013 kann man entscheiden: Möchte man sich gegen drei oder vier Viren impfen lassen. Die Impfung gegen vier muss man meist selber zahlen. Was ist sinnvoll und wo steht die Wissenschaft aktuell in Sachen Grippeschutz?

von Karolin Dörner

Grippe-Schutz: Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff?
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Die Grippe-Impfung genießt in Deutschland nicht gerade den besten Ruf: Immer wieder wird hinterfragt, wie effektiv sie ist und ob sie überhaupt wirkt. Denn auch wenn man sich impfen lässt, an Grippe kann man trotzdem erkranken. Der Virus verändert sich nämlich gerne und oft. Eine Besserung versprechen sich Virologen seit 2013 durch einen neuen Impfstoff: Die Vierfachimpfung. Prof Uwe Gerd Liebert, Chef des Instituts für Virologie an der Uni Leipzig erklärt:

Prof. Uwe Gerd Liebert, Direktor des Institutes für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig.
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Es gibt zwei große Gruppen von Grippeviren, die hier eine Rolle spielen. Das ist Influenza A und Influenza B. Und jede kommt, zurzeit zumindest, in zwei verschiedenen Varianten vor. In dem vierfachen Impfstoff sind gegen alle vier Varianten Impfstoff enthalten. Während bei der Dreifachimpfung ist nur gegen einen der Stämme des Influenza B-Virus der Impfstoff enthalten.

Prof Uwe Gerd Liebert

Für den Virologen ist klar: vierfache Sicherheit ist besser als dreifache. Auch die Sächsische Impfkommission positioniert sich klar für vierfach. Der Grund: 2015 konnte man die Hälfte der Grippeerkrankungen auf einen B-Typen zurückführen, der nicht in der dreifach-Impfung enthalten war. Die Entscheidung der ständigen Impfkommission steht noch aus. Aktuell diskutiert sie mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss, ob sie ihre Empfehlung für nächstes Jahr ändert zu Gunsten der Vierfachimpfung. Dann müssten auch die Krankenkassen reagieren, denn die bezahlen nicht alle die Spritze gegen vier Virenstämme. Warum weiß Virologe Uwe Gerd Liebert: Weil sie sehr viel teurer ist.

Das hat ein bisschen damit zu tun, dass die Herstellung vom Vierfach-Impfstoff tatsächlich aufwändiger ist. Aber ob das die Differenz von 30 bis 40 Euro rechtfertigt, kann ich nicht beurteilen.

Prof Uwe Gerd Liebert

Aus Braunschweig kündigt sich derweil ein ganz neuer Ansatz der Grippeimpfung an: Der Universalgrippe-Impfstoff. Dr. Kai Schulze vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig arbeitet seit Jahren daran.

Das Ziel ist es einen Impfstoff zu haben, der möglicherweise eben nicht nur ein Jahr vor Grippe schützt, sondern idealerweise wenigstens sagen wir mal fünf Jahre. Und dann möglichst alle oder viele Varianten des Virus abdeckt.

Dr. Kai Schulze

Die Idee: Der Impfstoff soll zu mehreren Oberflächenvariationen des Virus passen. Ändert der sich also, passt der Impfstoff trotzdem noch. Die Wissenschaftler rechnen damit, dass die Impfung in fünf bis zehn Jahren auf den Markt kommen könnte.

Es ist wie eine Art Mantra des Hausarztes im Oktober: Denken Sie dran: Die Grippe-Impfung. Jetzt kommt man wieder ins Grübeln: Soll man impfen? Wenn ja welche Impfung? Und überhaupt warum? Wird der Körper nicht selber mit der Grippe fertig? Kommt er! Zumindest in den meisten Fällen, wenn man sich schont, wenn der Erkrankte ansonsten fit und erwachsen ist, wenn die Krankheit mild verläuft. Es kann aber auch ganz anders laufen, schildert Prof Uwe Gerd Liebert, Chef des Instituts für Virologie an der Uni Leipzig:

Aber Sie haben eben das Risiko einer Herzmuskelentzündung, einer Gehirnentzündung bis zum Todesfall zu kommen. Wenn Sie hören, dass wir in Deutschland mehrere tausend Todesfälle haben, dann mögen Sie das als Hinweis auf die Schwere einer Infektion nehmen.

Prof Uwe Gerd Liebert

Die Impfung dagegen aber hat einen schlechten Ruf: Vorwurf Nummer eins: Trotz Spritze kann man an Grippe erkranken. Auch das Robert-Koch Institut räumt ein, dass die Effektivität jedes Jahr stark schwankt. Der Grund dafür ist der Gleiche, warum man sich jedes Jahr neu impfen lassen muss: Das Virus ändert ständig seine Oberfläche. Die Antikörper der Impfstoffe erkennen die dann unter Umständen nicht mehr. Und so erkrankt man trotz Impfung doch an Grippe. Vorwurf Nummer zwei: Man erkrankt an Grippe, gerade weil man sich geimpft hat. Doch das liegt nicht am Impfstoff.

Der Impfstoff selbst den wir verwenden ist nicht vermehrungsfähig, kann also keine Grippe erzeugen. Das ist definitiv eine falsche Zuordnung.

Prof Uwe Gerd Liebert

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | MDR JUMP am Nachmittag | 19. Oktober 2017 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2017, 16:55 Uhr