Rötelmaus oder Waldwühlmaus
So niedlich und doch so gefährlich: Die Rötelmaus überträgt das Virus. Bildrechte: IMAGO

Virenschleuder Rötelmaus Hantavirus auf dem Vormarsch

Auf den ersten Blick ist die Rötelmaus ganz niedlich: Sie ist klein und hat rötliches Fell mit einem grauen oder weißen Bauch. Doch der possierliche Nager überträgt eine hochinfektiöse Erkrankung: Das Hanta-Virus. Die Infektionszahlen schwanken von Jahr zu Jahr stark - und 2017 scheint es wieder sehr viele Erkrankungen zu geben. Wie ist die Situation in Mitteldeutschland?

von Katja Schmidt

Rötelmaus oder Waldwühlmaus
So niedlich und doch so gefährlich: Die Rötelmaus überträgt das Virus. Bildrechte: IMAGO

Zuerst dachte Detlev Müller an eine Grippe: Es fing mit Gliederschmerzen an, einer etwas erhöhten Temperatur, extremem Übelsein und Husten. Doch nach drei Tagen ging das Fieber schlagartig nach oben, erzählt er. Dann habe er fünf Tage lang mehr als 40 Grad Körpertemperatur gehabt. Der Zustand des 51-Jährigen verschlechterte sich rapide – bis hin zum Nierenversagen. Erst im Krankenhaus erkannten die Ärzte, dass er sich mit dem Hantavirus infiziert hat.

Ein so extremer Krankheitsverlauf wie bei Detlev Müller ist selten. Dass das Virus nicht erkannt wird, passiert jedoch häufig, sagt Antje Bergmann vom Uniklinikum Dresden.

Professor Antje Bergmann
Bildrechte: MVZ Uniklinikum Dresden

Man kann den Virus, wenn er vorhanden ist, im Blut nachweisen. Aber man würde jetzt nicht unbedingt bei jeder Infektwelle den Hantavirus suchen, weil die Symptome sehr grippeähnlich sind: Fieber, Kopfschmerzen, Unwohlsein und Abgeschlagenheit. 

Prof. Dr. Antje Bergmann, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

In diesem Jahr haben sich bereits mehr als 600 Menschen in Deutschland mit dem Hantavirus infiziert. Das sind dreimal mehr als noch 2016. Trotzdem sind die Zahlen nicht besorgniserregend, denn die Infektionsfälle schwanken von Jahr zu Jahr stark: Waren es beispielsweise im Jahr 2012 mehr als 2.800 Fälle, sind es im Jahr darauf nur 160 Erkrankungen gewesen. Das hat mit dem Überträger des Hantavirus zu tun.

Eine Maus wird untersucht
Übertragen wird das Virus durch Mäusekot. Bildrechte: IMAGO

Denn das Virus wird durch den Kot bestimmter Nagetiere übertragen. Wenn man sich im aufgewühlten Staub einer Region bewegt, in der sich die Mäuse zuhause fühlen, ist man eher gefährdet - so etwa in Buchenwäldern, denn die Mäuse fressen gerne Bucheckern. Der warme Winter und das reichhaltige Nahrungsangebot an Bucheckern und Eicheln haben in diesem Jahr zu einer besonders starken Vermehrung der Rötelmäuse geführt.

In Deutschland betrifft das vor allem die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Sachsen und Sachsen-Anhalt sind kaum betroffen, im vergangenen Jahr gab es insgesamt sechs Fälle. In Thüringen ist es im Westen des Landes etwas risikoreicher: Dort gab es 2017 schon acht Infektionen. Betroffen sind vor allem Jäger, Landwirte, Forstarbeiter und Soldaten. Die Gefahr einer Ansteckung besteht aber auch im Haushalt oder beim Schuppen aufräumen, sagt Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

Weil man bei diesen Tätigkeiten einfach Staub aufwirbelt, der mit Ausscheidungen dieser Nagetiere kontaminiert sein könnte und damit kann man diese Hanta-Viren einatmen und sich infizieren.

Prof. Dr. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Der Virologe rät deshalb: Vor dem Putzeinsatz im Schuppen, den Boden anfeuchten und erst einmal 30 Minuten lüften, dann wirbelt der Staub nicht mehr so auf. Im Zweifelsfall sollte man beim Putzen einfach eine Atemmaske tragen und natürlich: danach Händewaschen!

Impfungen gegen das Hantavirus gibt es nicht und auch keine spezielle Therapie. Hat man sich das Virus eingefangen, können die Ärzte nur die Symptome behandeln. Experten rechnen in diesem Jahr mit mehr als 2.400 Infektionen - immer noch weniger als 2012. Ärztin Antje Bergmann sieht deshalb keinen Grund zur Panik.

Es ist ein ernstzunehmendes Problem, was bekannt ist, uns jetzt aber nicht überschwemmt. 

Prof. Dr. Antje Bergmann, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio: MDR AKTUELL | 13.06.2017 | 16:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2017, 16:30 Uhr