Eine lächelnde und zwinkernde junge Frau hält Schwamm und Sprühflasche in die Kamera.
Forscher sagen: Echte Keimfreiheit gibt´s nur mit einem frischen Schwamm. Bildrechte: IMAGO

Keimschleuder Mehr als 300 Bakterienarten in einem Küchenschwamm

In der Büroküche gammelt er gern vor sich hin und auch zu Hause wird er schnell ziemlich eklig: Dass sich im Küchenschwamm in der Spüle viele Bakterien wohl fühlen, dürfte die Wenigsten überraschen. Wie viele verschiedene es tatsächlich sind, dagegen schon. Eine Untersuchung der Hochschule Furtwangen zeigt jetzt, wie keimbelastet der Spülschwamm tastsächlich ist.

Eine lächelnde und zwinkernde junge Frau hält Schwamm und Sprühflasche in die Kamera.
Forscher sagen: Echte Keimfreiheit gibt´s nur mit einem frischen Schwamm. Bildrechte: IMAGO

In ganz Deutschland dürften so um die 100 Millionen Küchenschwämme im Einsatz sein, schätzen die Schwammforscher von der Hochschule Furtwangen. Dass er zu einer echten Keimschleuder werden kann, hat sich mittlerweile herumgesprochen – doch: Wie viele Bakterien stecken da wohl drin? Zehntausend? Eine Million? Das Forscherteam hat tatsächlich bis zu 50 Milliarden Bakterien gefunden – und nicht pro Schwamm, sondern pro Kubikzentimeter. Das sei auch für sie eine ungewöhnlich große Zahl gewesen, sagt Mikrobiologie-Professor Markus Egert. Doch die Forscher interessierten sich nicht nur für die Anzahl, sondern vor allem für die Art der Bakterien im Küchenschwamm.

Also es waren über 300 verschiedene Arten von Bakterien, die wir erstmal gefunden haben. Und unter den zehn häufigsten Bakterien, die wir so entdeckt haben, waren halt fünf, die potentiell beim Menschen auch Krankheiten auslösen können.

Prof. Markus Egert, Hochschule Furtwangen

Ein bisschen Entwarnung kann Professor Egert allerdings geben. Denn klassische Krankheitserreger habe man nicht gefunden. "Also keine Salmonellen oder andere Durchfallerreger zum Beispiel. Wir haben insbesondere solche Bakterien gefunden, die bei immungeschwächten Menschen schon mal Infektionen ausgelöst haben."

Auswaschen bringt nichts

Dabei handelte es sich um Umwelt- und Wasserbakterien, aber auch um Bakterien, die typisch für die menschliche Haut sind. Insbesondere bei immungeschwächten Menschen, wie Kranken und Alten, können Bakterien wie Acinetobacter johnsonii, Moraxella osoloensis und Chryseobacterium hominis zu Infektionen führen. Das sehr häufige nachgewiesene Bakterium Moraxella osloensis steht zudem im Verdacht, schlechten Geruch zu erzeugen, kann also für stinkende Küchenschwämme verantwortlich sein. Fäkalbakterien und Lebensmittelvergifter oder Durchfallerreger hingegen wurden kaum nachgewiesen.

Wir haben hier Studierende und Mitarbeiter der Hochschule gebeten, uns doch einfach mal ihre Schwämme zu bringen. Wir haben Ober- und Unterseite nochmal getrennt untersucht, das waren dann aus 14 Schwämmen 28 Proben und ich denke, die bieten schon einen ganz guten Überblick.

Prof. Markus Egert, Hochschule Furtwangen

Was die Forscher herausgefunden haben, dürfte die Schwammhersteller glücklich machen. Denn 1. haben sie in neuen Schwämmen keine Bakterien gefunden. Und 2. bringt heiß Auswaschen oder in die Mikrowelle legen nichts. Im Gegenteil. In diesen Schwämmen fanden die Wissenschaftler besonders viele pathogene, also krankheitserregende Keime. Sie gehen davon aus, dass die Reinigung zwar zu einer kurzfristigen Verminderung der Keimzahl führen kann; in den schnell wieder hoch wachsenden Gemeinschaften dominieren dann aber offensichtlich immer stärker die potentiell pathogenen Bakterien, vermutlich aufgrund einer höheren Stresstoleranz.

Egerts Empfehlung lautet deshalb ganz klar: Alle ein bis zwei Wochen sollte der Küchenschwamm gegen einen neuen ausgetauscht werden.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL: im Radio | 21.07.2017 | 09:31 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2017, 11:58 Uhr