Fliegendes Spaghettimonster - Fresko in Anlehung an Michelangelos Die Erschaffung Adams
Michelangelo mal anders: Das fliegende Spaghettimonster und Adam aus der christlichen Schöpfungsgeschichte. Bildrechte: IMAGO

Kirche des fliegenden Spaghettimonsters "Unser täglich Pasta gib uns heute"

Die Welt wurde einst erschaffen von einem fliegenden Monster aus Spaghetti und Fleischklößen. Im Himmel gibt es einen Biervulkan und die Erde erwärmt sich nur, weil die Zahl der Piraten auf der Welt abnimmt. Stimmt alles nicht? Wer kann das schon beweisen, sagen die Pastafari. So nennen sich die Anhänger der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters - eine Parodie-Religion erfunden von einem Wissenschaftler mit einem ernsten Kern: Sie ist auch Kritik am Fundamentalismus.

Fliegendes Spaghettimonster - Fresko in Anlehung an Michelangelos Die Erschaffung Adams
Michelangelo mal anders: Das fliegende Spaghettimonster und Adam aus der christlichen Schöpfungsgeschichte. Bildrechte: IMAGO

Es war im Juni 2005 als dem Propheten Bobby Henderson das fliegende Spaghettimonster erschien und zu seiner Gottheit wurde - gewissermaßen. Tatsächlich geht der Pasta-Gott auf den US-amerikanischen Physiker zurück. Er gründete die Religionsparodie ursprünglich, um die Evolutionstheorie Charles Darwins zu verteidigen - als Persiflage der kreationistischen Pseudowissenschaft "Intelligent Design".

Damals sollte die nämlich auf Bestreben der christlich-fundamentalistischen Strömung gleichberechtigt im Biologie-Unterricht mehrerer US-amerikanischer Schulbezirke im US-Bundesstaat Kansas gelehrt werden. Doch da die Kreationisten nicht eindeutig bestimmen, welcher Gott der Schöpfer gewesen sein soll, argumentierte "Prophet" Henderson, es handle sich dabei um seinen Gott - das fliegende Spaghettimonster. Deshalb müsse auch seine Glaubenslehre gleichberechtigt im Unterricht behandelt werden, schrieb er in einem offenen Brief an die Schulbehörde von Kansas. Natürlich war es eine Parodie: Der Physiker wollte zeigen, dass religiöse Inhalte im naturwissenschaftlichen Unterricht nichts verloren haben.

Kreationismus Beim Kreationismus handelt es sich um eine Auffassung, die unter christlich-fundamentalistischen evangelikalen Strömungen - insbesondere in den USA - verbreitet ist. Der Kreationismus leugnet die Evolutionstheorie von Charles Darwin und beruft sich auf die Schöpfungsgeschichte. Demnach seien das Universum und das Leben durch den unmittelbaren Eingriff eines Schöpfergottes entstanden. Begründet wird diese Auffassung mit der wörtlichen Interpretation der Bibel. Ihre Lehre nennt sich "Intelligent Design" und geht davon aus, dass die Entstehung der Welt nur durch einen intelligenten Urheber erklären lasse.

Mir wär’s wirklich lieber, du würdest nicht …

Wie andere Religionen hat die Persiflage natürlich zentrale "Glaubensinhalte". So lehnen die Pastafari - wie sich Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters selbst nennen - Dogmen jeglicher Art ab. In ihren Augen sind die ursprünglichen Anhänger ihrer Religion Piraten. Die Lebensmaxime der Gläubigen: What Would A Pirate Do? (Was würde ein Pirat tun?) Ihre Gebete beenden sie mit dem Wort "Ramen", der Name einer bekannten japanische Nudelsuppe.

Und dann hat "Prophet" Henderson in seinem Buch "Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters" auch noch acht "Gebote" festgelegt. Doch da die Pastafari gemäß ihrer Religion Dogmen ablehnen, heißen sie hier die acht "Mir wär’s wirklich lieber, du würdest nicht …" - und die wurden vom Spaghettimonster gepredigt. Die darin erklärten Grundsätze sprechen sich unter anderem gegen Diskriminierung, Vorurteile, religiöse Dogmen, Nötigung und Frauenfeindlichkeit aus. Und Nummer acht beschreibt eine abgewandelte Form der Goldenen Regel: Es fordert zur Freien Liebe und dem Gebrauch von Kondomen auf.

Ein Schild der «Nudelmesse» von der «Kirche der fliegenden Spaghettimonster» ist am 05.04.2016 in Templin (Brandenburg) zu sehen und im Hintergrund das Schild der katholischen und evangelischen Kirche.
Ein Schild in Templin (Brandenburg) weist auf die "Messe" der Pastafari-Gemeinde hin. Bildrechte: dpa

Monsterunser Monster unser, das DU bist im Himmel,
geheiligt werden DEINE Anhängsel
DEINE Piraten kommen
DEINE Soße geschehe,
Wie im Himmel so auch auf hoher See.
Unser täglich Pasta gib uns heute
und vergib uns unsere Reiskugeln
wie auch wir vergeben den Kartoffelessern.
Und führe uns nicht nach Kansas
sondern erlöse uns von den Fundamentalisten
denn dein ist die Soße
und der Käse
und die Fleischklößchen
in Ewigkeit.

Ramen Quelle: Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters e.V.

Nur echt mit Sieb und Piratentuch

In Österreich hat es Niko Alm, ein Anhänger der Spaßreligion «Fliegendes Spaghettimonster» mit Nudelsieb auf dem Kopf auf sein Führerscheinfoto geschafft (undatiertes Handout).
Mit Nudelsieb: Das Führerscheinfoto von Niko Alm. Bildrechte: dpa

Auch in Sachen Kopfbedeckung hat die Kirche des fliegenden Spaghettimonsters analog zu anderen Religionen ihre Traditionen: Denn ein echter Pastafari ist erst, wer - wie sollte es auch anders sein - ein Nudelsieb auf dem Kopf trägt, vor allem auf offiziellen Dokumenten. Während es in den USA bereits zahlreiche Führerschein-Fotos mit Sieb auf dem Kopf gibt, erregte im deutschen Sprachraum erst der österreichische Pastafari-Aktivist Niko Alm Aufsehen. Er hatte sich im Juli 2011 für seinen Führerschein mit Nudelsieb ablichten lassen, um das Privileg zu kritisieren, das Mitgliedern von Religionsgemeinschaften gegenüber Nicht-Mitgliedern gewährt werde, erklärte er damals. In Österreich wird das jedoch für Führerscheine gar nicht geregelt, es muss nur das Gesicht vollständig erkennbar sein.

Alms deutscher Glaubensbruder Rüdiger Weida aus der Pastafari-Hochburg Templin hat auf dem Führerschein ein Piratentuch auf dem Kopf - genehmigt mit eindeutigem religiösem Bezug. Sein Verein "Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters e. V." wurde 2012 als Weltanschauungsgemeinschaft anerkannt. In Templin sind nach einem ausgiebigen Streit um die Rechtmäßigkeit auch Schilder zu finden, die auf die "Nudelmesse" der Gemeinschaft hinweisen.

Marianna Young (l) und Toby Ricketts posieren in Piratenkostümen (undatiertes Foto).
Das erste glückliche Hochzeitspaar im Priatenoutfit: Marianna Young und Toby Ricketts wurden von der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters getraut. Bildrechte: dpa

Und ausgerechnet nicht in Italien, sondern in Neuseeland wird der Glaube ans Spaghettimonster von offizieller Seite noch mehr anerkannt. Denn seit Dezember 2015 darf die Spaghettimonster-Kirche offiziell kirchliche Trauungen durchführen. Die weltweit erste anerkannte Eheschließung nach Spaghettimonster-Ritus wurde am 16. April 2016 auf einem kleinen Schiff bei der Küstenstadt Christchurch durchgeführt. Es war ein heterosexuelles Pastafari-Hochzeitspaar - doch generell hat sich die neuseeländische Spaghettimonster-Kirche bereit erklärt, Trauungen von homosexuellen Paaren durchzuführen. Das ist seit 2013 von staatlicher Seite möglich, wird aber von der anglikanischen und der katholischen Kirche im Land abgelehnt.

Über dieses Thema berichtet MDR Wissen auch im Fernsehen: LexiTV | 13.06.2017 | 15:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 15:14 Uhr