Eine Frau isst genussvoll etwas Süßes.
Nanopartikel sorgen heute z.B. dafür, dass Schokolade verführerisch glänzt. Bildrechte: Colourbox.de

Gefahr im Essen Nanopartikel können Krebs auslösen

Nanopartikel – sie machen unser Zähne strahlend, Autolack und Schokolade glänzend, imprägnieren unsere Outdoorsachen und lassen den Instantkaffee rieseln. Und sie können unsere Zellen durchstoßen und Krebs auslösen.

Eine Frau isst genussvoll etwas Süßes.
Nanopartikel sorgen heute z.B. dafür, dass Schokolade verführerisch glänzt. Bildrechte: Colourbox.de

Nano – das Wort hat etwas von Verheißung. Superkleine Nanorechner sollen irgendwann die Technik steuern und dabei wenig Platz und Energie verbrauchen; Nanomedizin soll uns gesund machen, weil sie punktgenau eingesetzt werden kann; und Nanonahrung soll Essen ohne Reue bringen, weil die kleinen Teile viel Genuss erzeugen ohne die großen Mengen Zucker oder Fett. Gibt es auch eine Schattenseite? Ja, sagen Umweltexperten. Denn künstliche Nanopartikel, die in unsere Körper gelangen, können die Zellen zerstören.

Rolf Buschmann
Bildrechte: 3sat/nano

Es ist bereits festgestellt worden, dass wenn Nanopartikel eingeatmet werden, sie in der Lunge entzündliche Reaktionen hervorrufen.

Rolf Buschmann, Referent Technischer Umweltschutz, BUND 3sat, nano

Beispiel Imprägnierspray. Die Nanopartikel schweben lange in der Luft und können so eingeatmet werden. Eigentlich filtert die Lunge Schadstoffe heraus, wir husten sie dann aus, aber das gelingt bei den kleinen Partikeln nicht immer. Durchdringen sie die Zellwände können sie zu Entzündungen der Zellen führen. "Und entzündliche Strukturen in Zellen führen häufig zu Krebs“, so Rolf Buschmann vom BUND.
Forscher an der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin untersuchen, welche Nanopartikel besonders gefährlich sind. Neben der Größe ist vor allem die Form entscheidend für die Wirkung der Nanopartikel.

Bei sehr dünnen Fasern lernen wir gerade, dass sie sich in der Zelle wie gekochte Spaghetti zusammenrollen und wie Staub gereinigt werden können.

Rolf Pankroff, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 3sat, nano

Gefährlicher sind die starren Partikel. Sie können sogar Zellwände durchstechen. Und Nanopartikel begegnen uns überall, nicht nur beim Imprägnierspray. Demnächst könnten sie als nadelförmige Carbon-Nano-Tubes in unseren Autoreifen stecken. Forscher fürchten, dass der Abrieb in der Luft über die Atmung in unseren Lungen landet. Nanopartikel  sorgen dafür, dass Tütensuppen nicht verklumpen, Kaugummis weiß leuchten und Schokolade glänzt.

Man muss sich immer die Frage stellen: was passiert denn dann damit im Organismus? Deshalb sind wir besonders skeptisch.

Rolf Buschmann, Referent Technischer Umweltschutz, BUND 3sat, nano

Nano Ist eine der kleinsten Einheiten. Es bedeutet ein Milliardstel. Das ist 1.000 Mal kleiner als der Durchmesser eines Haares. Da das immer noch schwer vorzustellen ist, vielleicht dieser Vergleich. Ein Nanopartikel verhält sich zu einem Fußball wie der Fußball zur Erdkugel.

Ist die Skepsis berechtigt? Forscher wissen, dass Nanopartikel die Magenwand durchdringen und sich über die Blutbahn im ganzen Körper verteilen können. In Leber, Milz und Geschlechtsorganen wurden sie bereits nachgewiesen. Und noch ist nicht bekannt, ob die Nanopartikel mit ungefährlichen Stoffen reagieren und sie dadurch zum Problem werden könnten. Das untersucht gerade das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Was passiert, wenn wir Nanopartkel aufnehmen – zum Beispiel mit Schokolade – und essen hinterher andere Nahrung, einen Apfel, oder Brot. Werden dann die Nanopartikel verändert?

Alfonso Lampen, Bundesinstitut für Risikobewertung 3sat, nano

Die Antwort auf genau diese Frage steht noch aus. Umweltexperten wie Buschmann empfehlen daher, die Nutzung von Nanopartikeln zu beschränken. Lieber Essigreiniger, statt Reinigungssprays, oder Pumpsprays statt klassischer Spraydosen fürs Imprägnieren. Offiziell gibt es seit 2014 die EU-Verordnung, nano in Lebensmitteln zu kennzeichnen. Vorschriften, die jedoch relativ leicht umgangen werden können. So gilt zum Beispiel ein Zusatz nur dann als nano, wenn mehr als 50 Prozent der Partikel Nanogröße haben.

Sie haben als Verbraucher aktuell keine Chance, eine Lebensmittel zu erkennen, dass Nanomaterialien enthält.

Rolf Buschmann, BUND 3sat, nano

Das ist offenbar auch den EU-Behörden aufgefallen. Denn bis Ende 2017 sollen die Vorschriften verschärft werden.

Über dieses Thema berichtete 3sat/nano: im Fernsehen | 12.05.2017 | 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 12:04 Uhr