Renée Zellweger als Bridget Jones, 2004
Die Trostschokolade - für Bridget Jones im gleichnamigen Film ein häufiger Begleiter. Damals wusste auch noch keiner, dass das depressiv machen kann. Bildrechte: dpa

Vorsicht Nebenwirkung! Besser keine Schokolade bei Liebeskummer!

Schokolade bei Liebeskummer? Vermutlich die falsche Medizin. Denn zu viel Zucker kann zu Depressionen führen. Das ist das Ergebnis einer Studie aus England. Der Grund dafür ist allerdings noch unklar.

Renée Zellweger als Bridget Jones, 2004
Die Trostschokolade - für Bridget Jones im gleichnamigen Film ein häufiger Begleiter. Damals wusste auch noch keiner, dass das depressiv machen kann. Bildrechte: dpa

Diese Szene kennen wir aus dutzenden Filmen. Sie (meistens) hat Liebeskummer, geht an den Tiefkühlschrank, holt die große Packung Eiscreme heraus, haut sich aufs Sofa und löffelt los. Und jetzt kommt die Wissenschaft und sagt: Völlig falsch. Denn die Trostschokolade und das Trosteis mit ihren Unmengen an Zucker erhöhen das Risiko von Depressionen - bei Männern und Frauen.

Die Studie stammt aus England. Anika Knüppel, die an der Uni Halle Ernährungswissenschaften studiert hat, hat sie im Rahmen eines EU-Projektes erstellt. Dafür wurden die Daten von 8.000 Menschen ausgewertet. Mit eindeutigem Ergebnis. Schluss also mit Schokolade?

Das heißt noch nicht, dass man, sobald man Zucker isst, auf jeden Fall erkrankt. Sondern, dass das Risiko ein bisschen höher ist, im Vergleich zu Leuten die weniger konsumieren.

Anika Knüppel
Anika Knüppel
Ernährungswissenschaftlerin Anika Knüppel. Bildrechte: Anika Knüppel

Wer täglich 70 Gramm Zucker isst, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit Depressionen zu bekommen, als Menschen die nur 30 Gramm essen, sagt die Wissenschaftlerin, die jetzt am University College London forscht. Doch jeder Mensch sei anders und eine grundsätzliche Regel gäbe es nicht. Die Forscher fischen noch im Trüben.
Was genau Zucker im Hirn macht, wissen sie nicht. Aber es gäbe Hypothesen. Z.B. wissen die Forscher durch Versuche mit Mäusen, dass Nahrung mit hohem Zuckeranteil beim Nervenwachstum Bereiche beeinflusst, die im Zusammenhang mit Depressionen stehen. Ein anderer Zusammenhang im Gehirn, so Knüppel, ist der Botenstoff Dopamin, der mit dem Geschmack von Süßem in Verbindung steht, aber auch mit Depressionen.

Zu viel Zucker und damit einhergehendes Übergewicht gelten für die Forscher ebenfalls als Ursache für Depressionen. Und dann gibt es da noch das „Zuckertief“. Das passiert z.B., wenn man schnell viel Süßes gegessen hat und danach der Glukoseanteil im Blut schnell sinkt, so Knüppel.

Und plötzlich empfindet man einen geringen Blutzuckerspiegel und wird ein bisschen zittrig und fühlt sich nicht sehr wohl. Das ist eine kurzfristige Reaktion und die könnte sich auch langfristig auswirken.

Anika Knüppel

Unter den 8.000 Testpersonen deren Daten die Forscher ausgewertet haben, waren besonders viele Männer. In einigen Veröffentlichungen hieß es deshalb auch, vor allem Männer seien betroffen. auf Grundlage der Studie. Anika Knüppel korrigiert. Das sei zwar oft geschrieben worden, sei aber eine Falsche Aussage. "Ich würde nicht sagen, dass Frauen und Mädels sich darüber keine Sorgen machen müssen", so Knüppel.

Um das zu bestätigen verweist die Ernährungsforscherin auf eine US-Studie, in der ausschließlich Frauen auf Zucker getestet wurden. Auch dort sei ein Zusammenhang deutlich geworden. Betroffen seien aber vor allem Menschen mit einer bestimmten genetischen Veranlagung. Oder solche, die auch noch schlechte Lebensbedingungen haben, Probleme am Arbeitsplatz, regelmäßig Alkohol trinken oder andere Drogen nehmen. Der Zucker sei da so etwas wie der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Bei Männern genauso wie bei Frauen.

Über dieses Thema berichtete MDR JUMP: im Radio | 06.08.2017 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2017, 16:06 Uhr