Keine Kinderkrankheit Warum eine Masern-Impfung extrem wichtig ist

Tod durch Masern - in Essen ist eine 37 Jahre alte Frau an der Krankheit gestorben. Seuchenexperten des Robert-Koch-Institutes warnen bereits seit Jahren: Masern sind keine Kinderkrankheit. Sie empfehlen dringend mehr Impfungen.

Die Masern gehen um in Europa. In Italien gilt jetzt nach schweren Masernfällen eine Impfpflicht. In Deutschland sollen sich Eltern in Zukunft beraten lassen müssen. Wer das nicht tut, könnte in der Kita Probleme bekommen. Das Robert-Koch-Institut, Deutschlands nationale Seuchenschutzbehörde, empfiehlt aber nicht nur Kindern eine Impfung: Vor allem junge Erwachsene im Alter von 18 bis 44 Jahren sollten prüfen, ob sie zwei- oder wenigstens einmal gegen die Viren geimpft wurden. "Masern sind keine Kinderkrankheit“, sagt Sprecherin Susanne Glasmacher.

Anders als viele Menschen vermuten, geht eine Erkrankung nicht sofort mit den bekannten roten Punkten einher. Zunächst kann eine Infektion die unspezifischen Symptome einer gewöhnlichen Grippe annehmen: Fieber, Müdigkeit, Halsschmerzen. Dann aber folgt vor allem bei Erwachsenen schnell eine schwere Erkrankung.

Masernviren sind extrem ansteckend. Betritt jemand ein Zimmer, in dem sich zwei Stunden zuvor ein Masernkranker aufgehalten hat, dann kann er sich noch anstecken. Anders als bei der Grippe kommt es auch fast immer zu einer Erkrankung, praktisch in 99 Prozent aller Fälle.

Susanne Glasmacher, Robert-Koch-Institut

Besonders Erwachsene treffen die Masern härter als Kinder, warnt die RKI-Sprecherin. Das Virus unterdrücke die Immunabwehr, dadurch komme es häufig zu weiteren Folgekrankheiten. "Auf die Masern kann schnell eine Hirnhaut- oder Lungenentzündung folgen, weil es andere Erreger durch die Masernviren leichter haben“, sagt sie. Rund ein Viertel aller Infizierten, bei denen ein Labortest den Nachweis auf eine Maserninfektion erbringt, müssen schließlich im Krankenhaus behandelt werden. Einer von 1.000 Erkrankten sterbe an den Folgen.

Bei der Masernimpfung erhalten Patienten abgeschwächte Viren. Dadurch kann es mitunter zu einer leichten Impferkrankung kommen, die von einer Rötung und Schmerzen an der Einstichstelle der Impfspritze bis zu leichtem Fieber reichen kann. Das sei aber immer noch weniger dramatisch, als eine richtige Erkrankung, sagt Glasmacher. Zwei Impfungen schützen für ein ganzes Leben.

Auch bei Neugeborenen können Masern dramatische Folgen haben, etwa die schwere Gehirnerkrankung SSPE. Diese trete mitunter erste Jahre nach einer frühen Maserninfektion auf, führe aber in jedem Fall zu einem qualvollen Tod, sagt Glasmacher.

Sind die Mütter nicht geimpft oder haben sie die Krankheit nicht selbst durchgemacht, können sie an ihre Kinder keine Antikörper weitergeben. Da Kinder aber erst ab sechs Monate geimpft werden können, haben sie ein halbes Jahr keinen Schutz.

Susanne Glasmacher, Robert-Koch-Institut

Aktuell bereitet den Seuchenexperten große Sorgen, dass in Deutschland zwischen 1973 und 1991 in der Regel nur einmal geimpft wurde. Bei einer Befragung habe sich gezeigt, von den 18- bis 44-Jährigen seien im Schnitt 48 Prozent nicht geimpft. Bei den 30- bis 44-Jährigen seien es sogar 60 Prozent, sagt Glasmacher. "Wenn dann das Virus einmal in der Welt ist, kann es sich rasch ausbreiten."

Wer sich nicht sicher sei, etwa weil der Impfpass weg ist, solle zum Arzt gehen und sich wenigstens einmal impfen lassen.

Man kann nicht überimpfen bei den Masern. Selbst wer noch einen intakten Schutz durch Antikörper hat, bei dem wird das Immunsystem die Impfviren einfach ausschalten. Das eigene Abwehrsystem wird auf diese Weise einfach trainiert. Das erhöht den Schutz.

Susanne Glasmacher, Robert-Koch-Institut

Über dieses Thema berichtete der MDR im Radio MDR AKTUELL | 26.05.2017 | 01:30 Uhr
im Fernsehen "brisant" | 24.05.2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 12:07 Uhr