Kinder rennen ins Meer Sommer
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Tod nach dem Baden Gibt es ein "Sekundäres Ertrinken"?

Eigentlich ist der Sommer ja etwas Schönes - Sonne, Meer, das große Badevergnügen. Natürlich ist das nicht ungefährlich. Aber eine Geschichte aus Texas sorgte jetzt für besonderes Aufsehen: Der vierjährige Frankie wird im knietiefen Wasser von einer Welle erfasst und atmet Wasser ein. Danach scheint alles okay zu sein, er badet stundenlang weiter. Doch fast eine Woche später stirbt er in seinem Kinderbett. Die Ärzte sprechen von "Sekundärem Ertrinken" – doch was genau ist da dran?

von Katja Schmidt

Kinder rennen ins Meer Sommer
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Sucht man im Netz den Begriff "Sekundäres Ertrinken" wird man schnell fündig. In Elternforen zum Beispiel tummeln sich ängstliche Mütter und Väter, die sich fragen, ob ihr Kind auch an den Spätfolgen eines Badeunfalls sterben könnte. Von vielen Fällen wie dem des kleinen Frankie wird dort berichtet: Von Kindern, die Stunden oder Tage nachdem sie Wasser eingeatmet hatten, einfach erstickten. Allein: Es fehlen die medizinischen Belege.

Die Weltgesundheitsorganisation spricht von Ertrinken, wenn der Tod durch das Einatmen von Flüssigkeiten eintritt. Die Unterform des sekundären Ertrinkens wurde bei der Erarbeitung dieser Definition explizit abgelehnt. Auch Kinderärztin Heike Teichler hält dieses Phänomen für einen Mythos. Bei Badeunfällen atmen die Kinder oft unfreiwillig Wasser ein und das führe ganz automatisch zu einem plötzlichen Hustenreiz, der auch nicht zu unterdrücken sei.

Und nur wenn diese Wassermenge bedenklich ist, kommt es zu allgemeinen Beschwerden, wie Atemnot und Blaufärbung. Bei ganz akuten Sachen kommt der Notarzt und schaut sich das an. Wenn das Kind aber völlig symptomfrei ist, es ihm gut geht, muss man sich keine Sorgen machen, dann gibt es keinen Grund zur Panikmache.

Heike Teichler, Kinderärztin in Halle

Auch im Fall des vierjährigen Frankie gab es Symptome. Nach dem Badetag klagte er über Schmerzen, ihm war übel, er hatte Durchfall. Seine Eltern hielten es für einen Infekt - wenige Tage später bekam er keine Luft mehr und starb. Kinderärztin Heike Teichler geht davon aus, dass er sich durch das Wasser in der Lunge eine Lungenentzündung zugezogen hatte.

Die Kinder entwickeln dann über diese Lungenentzündung eine Atemnot, sie können nicht mehr gut Sauerstoff aufnehmen. Das sind aber Krankheitsbilder, die in die Intensivmedizin gehören, die also nicht einfach so in der Kita eine Stunde husten. Das ist kein "sekundäres Ertrinken".

Heike Teichler, Kinderärztin

Der Tod von Frankie ist ein tragischer Fall, der anderen Eltern natürlich Angst macht. Heike Teichler rät trotzdem dazu, ruhig zu bleiben. "Wenn ein Kind nach einem Badetag auch abends mal erbricht, ist das kein Grund zu denken, es liegt hier ein 'sekundäres Ertrinken' vor. Wenn jetzt doch so zwei, drei Tage nach so einer Episode Atemnot, Husten und Fieber auftreten würden, müssten wir nachschauen mit einer klinischen Untersuchung, ob eine Lungenentzündung vorliegt, ob das Kind durch so einen Badeunfall eine Schädigung erlitten hat."

Generell lehnt Heike Teichler den Ausdruck "sekundäres Ertrinken" ab. Er sei irreführend und verbreite Panik. Das merkt sie auch in ihrer Sprechstunde. Immer wieder fragen Eltern bei ihr nach, wie groß das Risiko ist. Ihre Antwort: Eltern sollten sich keine Gedanken um das "sekundäre" sondern um das "normale" Ertrinken machen - denn ca. 85 Prozent der Fälle wären vermeidbar.

Also wirklich gut aufpassen, allein dieses Seepferdchen reicht nicht aus, um in einem unbekannten Gewässer eine längere Strecke zu schwimmen. Die Kinder nicht aus den Augen lassen und wenn sie mit Freunden längere Zeit unterwegs waren, und fraglich ist, was da gewesen ist, dann auch zeitnah die Mitschüler befragen.

Heike Teichler, Kinderärztin

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL im: Radio | 12.06.2017 | 00:01 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2017, 18:49 Uhr