Eine Speeddating-Party
Soziale Chamäleons haben einen Vorteil beim Daten. Bildrechte: IMAGO

Soziales Mimikry Besser Flirten durch Nachahmung

Wir alle ahmen andere Menschen nach, spontan und ohne es zu merken. Diese Nachahmung des verbalen und nonverbalen Verhaltens unseres Gegenübers nennt man Mimikry - eine unbewusste Strategie, um Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Wir kopieren beispielsweise den Akzent, die Mimik, die Gestik oder die Haltung der anderen Person nach. Und die Forschung zeigt, dass die Taktik wirkt: Nachahmung macht uns offenbar beliebter beim Gegenüber beim Kennenlernen - der Geheimtrick für Flirts?

Eine Speeddating-Party
Soziale Chamäleons haben einen Vorteil beim Daten. Bildrechte: IMAGO

Forscher der Universität Leipzig und der Freien Universität Berlin wollten in einer gemeinsamen Studie herausfinden, inwieweit sich Menschen in ihrem Nachahmungsverhalten voneinander unterscheiden und welchen Einfluss das auf die Sympathie beim Kennenlernen hat. Ihre Ergebnisse haben sie in der renommierten Fachzeitschrift "Psychological Science" veröffentlicht.

Speed-Dating für die Forschung

Flirt auf Firmenweihnachtsfeier
Beim Kennenlernen ahmen wir den Gegenüber unbewusst nach Bildrechte: IMAGO

Für ihre Untersuchung haben sich die Psychologen nach eigenen Angaben insgesamt 139 Menschen in gleichgeschlechtlichen Gruppen von vier bis sechs Teilnehmern ins Labor eingeladen. Wichtig dabei war: Keiner der Probanden kannte sich vorher. Was dann folgte, erinnert eher an eine Speed-Dating-Veranstaltung: Jede Person führte nacheinander mit jeweils allen anderen Mitgliedern der Untersuchungsgruppe ein fünfminütiges Kennenlerngespräch.

Vor und nach diesen Gesprächen gab jeder Proband an, wie sympathisch er oder sie die andere Person fand. Außerdem analysierten die Forscher auf Basis von Videoaufzeichnungen der Gespräche, welche Unterschiede im Nachahmungsverhalen die Personen zeigten und welche Effekte das auf die gegenseitigen Sympathie-Einschätzungen hatte.

Sympathische Personen werden nachgeahmt

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Menschen ihre Gesprächspartner tatsächlich unterschiedlich stark nachahmen. So gibt es Menschen, so die Forscher, die kaum Nachahmverhalten zeigen, während andere Menschen besonders häufig dazu neigen. Letztere würden in der Literatur auch soziale Chamäleons genannt.

In unserer Studie können wir zeigen, dass dieses Nachahmungsverhalten zu einer höheren Beliebtheit dieser sozialen Chamäleons führte.

Helén Liebermann, FU Berlin

Der Auslöser für die Nachahmung - das Mimikry - ist offenbar nicht die Person, die nachgeahmt wird. Die Forscher fanden jedenfalls kaum Hinweise dafür, dass Personen sich darin unterscheiden generell Nachahmungsverhalten auszulösen. Stattdessen zeige die Studie, dass Mimikry vor allem von der einzigartigen Beziehung zwischen zwei Personen abhänge.

So steigt den Wissenschaftlern zufolge die Wahrscheinlichkeit, dass wir Personen nachahmen je sympathischer unser erster Eindruck des Gegenübers ist. Dieses Verhalten gebe der imitierten Person dann unbewusst das Gefühl, gemocht zu werden. Das wiederum führe im Umkehrschluss dazu, dass die nachahmende Person wiederum als sympathischer wahrgenommen werde.

Die Ergebnisse weisen demnach auf einen Bindungsmechanismus durch Mimikry hin. Durch Mimikry teilen wir unbewusst mit, dass wir jemanden mögen und können damit unsere eigene Beliebtheit steigern

Maike Salazar Kämpf, Universität Leipzig

Die Leipziger Forscher wollen mit dieser Erkenntnis weiterarbeiten: Sie forschen nun weiter an den Effekten des Mimikry auf die Wirksamkeit von Psychotherapien.

Über dieses Thema berichtet MDR im Radio: MDR JUMP | 26.07.2017 | 05:20 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR SPUTNIK | 06. November 2017 | 14:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2017, 12:07 Uhr