Eine Seniorin fasst sich an die Stirn
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Alzheimerforschung in Halle Neuer Antikörper als möglicher Wirkstoff gegen Demenz

Weltweit arbeiten Forscher an Heilmitteln für Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Hallesche Wissenschaftler haben jetzt einen neuartigen Antikörper beschrieben, der als möglicher Wirkstoff gegen die Krankheit in Frage kommt.

Eine Seniorin fasst sich an die Stirn
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Es ist wieder ein Schritt auf einem langen Weg. Das Ziel: Ein Medikament gegen Alzheimer. Daran arbeiten Forscher in Halle seit nunmehr 15 Jahren. Mittlerweile im Verbund der halleschen Firma Probiodrug AG mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und dem Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI. Gerade erst haben sie eine Studie erfolgreich abgeschlossen, die gezeigt hat, dass ein von ihnen entwickelter Wirkstoff ein Enzym blockiert, dass das für Alzheimer verantwortliche Eiweiß in den Hirnzellen entstehen lässt.

Denn Alzheimer entsteht, so die Forscher, wenn sich bestimmte schädliche Ablagerungen im Gehirn bilden. "Besonders gefährlich ist hierbei eine speziell modifizierte Art des Beta-Amyloid-Peptids. Diese verklumpen aufgrund ihrer Struktur sehr schnell und lagern sich dann im Gehirn ab", so Prof. Dr. Milton T. Stubbs vom Institut für Biochemie und Biotechnologie der MLU.

Staubsauger für Gefahrenstoff

Der Antikörper-Wirkstoff, den die Forscher in ihrer neuen Studie (erschienen in der internationalen Fachzeitschrift "Journal of Biological Chemistry")  beschreiben, ergänzt nach eigenen Angaben die bisherigen Ansätze. Er solle dann wirken, wenn die gefährlichen Peptide bereits im Körper gebildet wurden, so Dr. Inge Lues, Chief Development Officer bei Probiodrug und Co-Autorin der Publikation.

Das kann man sich wie einen Staubsauger vorstellen, der die Stoffe aus dem System entfernt.

Dr. Inge Lues

Und dieser Antikörper könne wie bei einer Impfung einfach gespritzt werden, so die Forscherin.

Nachdem die Forscher den Antikörper beschrieben haben, arbeiten sie jetzt daran, ihn gezielt auf die schädlichen Ablagerungen anzusetzen. "Wenn wir die Struktur des Peptids kennen, können wir die Antikörper so entwickeln, dass sie nur diesen einen Stoff angreifen", so MLU-Professor Stubbs. Das hätte noch einen weiteren positiven Effekt. Denn je genauer der Wirkstoff arbeitet, desto weniger Nebenwirkungen hätte eine solche Behandlung.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 20.06.2017 | 06:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2017, 13:09 Uhr