Ein Läufer am Strand
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Genforschung Pille statt Training

Wunderpillen, die das Training ersetzen – solche Schlagzeilen geistern seit einiger Zeit durchs Netz. Doch bisher war das alles noch spekulativ, fehlten die Beweise dafür. Die haben jetzt Forscher des Salk Institutes in La Jolla (San Diego/USA) geliefert.

Ein Läufer am Strand
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Können wir fit bleiben, ohne zu trainieren? Was ist mit Menschen, die zu schwach, zu alt oder aus anderen Gründen nicht in der Lage sind, Ausdauersport zu machen? “Wir Menschen sind für Bewegung gemacht, aber wir bekommen nicht genug“, so Prof. Ronald Evans, Chef-Autor der Studie. Mit den bekannten Folgen: Diabetes, Herz- Kreiskauferkrankungen. Deshalb stellten sich die Mediziner und Genspezialisten am Salt Institute in La Jolla (San Diego/USA) die Frage: Lässt sich der Trainingseffekt durch einen Wirkstoff ersetzen? Und die Antwort, die sie gefunden haben, ist ja.

Die Ergebnisse ihrer Forschung haben sie jetzt im Fachblatt “Cell Metabolism“ veröffentlicht. Die Forscher haben einen Wirkstoff entdeckt, der die Muskelzellen dazu bringt, ausdauernder zu arbeiten, vor allem indem mehr Fett statt Zucker verbrannt wird.

Der Vorteil, den eine Pille bringt, die dich fitter macht, wie es sonst nur Sport schafft, könnte dramatische Wirkungen haben.

Prof. Ronald Evans, Direktor des Genlabors, Salk Institute La Jolla
Wanda Waizenegger, Weiwei Fan, Ryan Lin, Ron Evans, Ruth Yu und Mingxiao He
Das Team um Prof. Ronald Evans (sitzend) vom Salk Institute Bildrechte: Salk Institute

Bei Untersuchungen an Mäusen hatten die Wissenschaftler festgestellt, dass bestimmte genveränderte Tiere eine höhere Ausdauer besitzen. Sie konnten das Gen identifizieren – PPAR Delta, kurz PPARd. Bei ihren Untersuchungen fanden sie den Wirkstoff, der dieses Gen aktiviert, sein Name GW 1516. Mit diesem Wirkstoff behandelten sie normale Mäuse acht Wochen lang.  

Wir waren total überrascht von den erstaunlichen Ergebnissen. Die mit der Pille behandelten Mäuse konnten über 100 Minuten länger laufen als die anderen. Das war eine Steigerung um 70 Prozent.

Weiwei Fan. Molekularbiologe, Salk Institute La Jolla

Statt 160 Minuten konnten die Mäuse im Laufrad bis zu 270 Minuten durchhalten. Und dabei hatte sich der Stoffwechsel der Muskelzellen umgestellt. Satt Zucker wurde Fett verbrannt. Das ist wichtig, da Glukose, also Zucker, für die Energieversorgung des Gehirns benötigt wird, so Prof. Evans.

Und das alles ohne Training, nur mit einer Pille, die den Stoffwechsel der Muskeln umprogrammiert hat.

Prof. Ronald Evans

Die Forscher sehen Anwendungen für ihren Wirkstoff überall da, wo Menschen aus verschiedensten Gründen kein Ausdauertraining machen können. Weil sie krank sind, im Rollstuhl sitzen, alt sind, so Prof. Evans. “Damit könnte man einer Menge Menschen helfen“. Bei gesunden Menschen kann der Wirkstoff die Leistungsgrenzen deutlich nach oben verschieben. Auch darüber sind sich die Forscher im Klaren. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat die Substanz bereits auf ihre Verbotsliste gesetzt.

Über dieses Thema berichtete der MDR im Fernsehen: Hauptsache Gesund | 02.03.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 13:50 Uhr