Dominik und Melanie springen mit einem Kopfsprung in ein Schwimmbecken.
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Pipi im Schwimmbad Wenn es nach Chlor riecht, ist was faul

Die Frage, ob im Schwimmbad Urin im Becken ist, würde vermutlich jeder mit "Ja" beantworten. Kanadische Wissenschaftler wollten das genau wissen und haben nachgemessen. Das Ergebnis: In unseren Schwimmbädern wird ins Wasser gepinkelt. Und zwar nicht zu knapp: rund 75 Liter Urin finden sich durchschnittlich in großen Becken! Und das kann man sogar ohne Testgerät herausbekommen. Je stärker es nach Chlor riecht, desto mehr Urin ist im Wasser.

Dominik und Melanie springen mit einem Kopfsprung in ein Schwimmbecken.
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Zwei junge Männer schwimmen in einem Becken.
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Wir haben es ja eigentlich gewusst, nicht wahr? Manche Menschen sparen sich im Schwimmbad den Weg auf die Toilette und pinkeln einfach ins Becken. Merkt ja keiner. Von wegen!
Kanadische Wissenschaftler haben über drei Wochen 31 unterschiedliche Schwimmbäder und Thermalbädern untersucht. Den Urin konnten sie indirekt, aber eindeutig nachweisen, indem Sie nach einem bestimmten Molekül (Acesulfam) suchten, dass nur durch Pinkeln ins Wasser gekommen sein konnte. Demnach findet sich in jedem öffentlichen Schwimmbecken Urin, ohne Ausnahme.

In jedem Schwimmbecken wird gepinkelt - täglich

In großen 50-Meter Becken konnten die Forscher durchschnittlich 75 Liter Urin nachweisen. In kleineren 25-Meter Becken waren es rund 30 Liter Pipi. Das ist nicht viel, auf 11.000 Liter Wasser kommt ein Liter Urin.
Doch die Ergebnisse legen nahe, dass der Pipi-Gehalt täglich aufgefrischt wird. Allerdings konnten die Wissenschaftler nicht sagen, welche Leute sich lieber im Schwimmbecken erleichtern.

Je wärmer das Wasser desto höher die Konzentration

Eine Frau in einem Thermalbad
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Allerdings war die Konzentration des Moleküls in Thermalbädern deutlich höher. Das warme Wasser scheint die Badenden noch mehr zu animieren, es einfach mal laufen zu lassen. In einem Jacuzzi fanden die Wissenschaftler eine dreimal höhere Konzentration als im dreckigsten Schwimmbad.

Urin ist zwar steril, aber es enthält unter anderem Harnstoff, Ammoniak und Kreatine, die in Wechselwirkung mit Desinfektionsmitteln im Schwimmwasser Nebenprodukte wie Dibutylphthalat bilden. Das ist ein Weichmacher, der zu Augenreizungen und Asthmaanfällen führen kann - ein bekanntes Problem von Vielschwimmern.

Chlor ist eigentlich geruchlos

Und wenn es im Schwimmbad besonders stark nach Chlor riecht, dann bedeutet das nicht, dass alles besonders sauber ist. Im Gegenteil. Die Chemikalie, die im Badewasser Keime abtötet, ist geruchlos. Erst zusammen mit einer anderen Substanz entsteht das typische Odeur. "Wenn es stark nach Chlor riecht, heißt das, dass viel Harnstoff ins Wasser eingetragen wurde", sagt Alexander Kämpfe, Fachgebietsleiter für Schwimm- und Badebeckenwasser beim Umweltbundesamt in Dessau.

Bessere Aufklärung aber keine Pipi-Wolken

Die kanadischen Wissenschaftler wollten mit Ihrer Arbeit einen Beitrag zur Schwimmbad-Hygiene leisten, um eine bessere Aufklärung bieten zu können. Sie spekulieren auch darauf, dass es künftig möglich sein wird, Urin in Schwimmbädern sichtbar zu machen. Entgegen einiger hartnäckiger Gerüchte, ist es bis jetzt nicht möglich, den pinkelnden Schwimmer zu überführen, indem sein Urin sich verfärbt und er eine Pipiwolke hinter sich herzieht.

Die Erbenisse der Studie wurden im American Chemical Society Journal veröffentlicht.

Über dieses Thema berichtet MDR SPUTNIK im Radio | 02.03.2017 |08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2017, 12:00 Uhr