Rauchverbotsschild mit durchgestrichener Zigarette an einer Glastür.
Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart

10 Jahre Nichtraucherschutzgesetze Rauchverbote haben die Gesundheit verbessert

Eine Untersuchung belegt, was viele schon ahnten: Die vor zehn Jahren eingeführten Rauchverbote in Restaurants, Bars und am Arbeitsplatz haben die Gesundheit von Nichtrauchern tatsächlich verbessert. Nur Raucher fühlen sich gestresster.

Rauchverbotsschild mit durchgestrichener Zigarette an einer Glastür.
Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart

Die zehn Jahre alten Gesetze zum Nichtraucherschutz zeigen Wirkung: Vor allem junge Nichtraucher, die mit Rauchern zusammenleben, fühlen sich deutlich gesünder, seit in zahlreichen Restaurants, Bars, Clubs und anderen öffentlichen Gebäuden nicht mehr geraucht werden darf. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie zweier Wirtschaftswissenschaftler der Universitäten Halle und Erlangen, die nun im Fachjournal "Health Economics" erschien.

Prof. Dr. Christoph Wunder
Der Hallenser Professor Christoph Wunder hat mit seinem Kollegen Daniel Kühnle aus Nürnberg die Daten tausender Befragter ausgewertet. Bildrechte: privat

Grundlage der Untersuchung sind Daten des Sozio-ökonomischen Panels. Bei dieser Langzeituntersuchung werden seit 1984 jedes Jahr tausende Menschen in Deutschland befragt, unter anderem zu Beruf, Einkommen, Gesundheit, Bildung und Lebenszufriedenheit. Die Forscher Daniel Kühnle und Christoph Wunder wollten wissen, ob sich das persönliche Gesundheitsgefühl durch die Einführung der Rauchverbote verändert hat. Dazu analysierten sie die Angaben von rund 28.000 Befragten.

Vor allem unter 30-jährige Passivraucher, in deren Haushalt mindestens ein Raucher lebt, gaben nach Einführung der Rauchverbote an, sich deutlich gesünder zu fühlen. Mit großer Sicherheit hat sich ihre Gesundheit dadurch auch objektiv verbessert, sagt der Hallenser Wissenschaftler Wunder. "Wir wissen, dass die Befragten verlässlich Auskunft geben können über ihren Gesundheitszustand“, sagt er mit Blick auf vorangegangene Untersuchungen, in denen sich die persönlichen Angaben als zuverlässiger Indikator für die objektive Gesundheit gezeigt haben.

Ältere Menschen haben dagegen offenbar nicht so stark vom Nichtraucherschutz profitiert. Die befragten über 50-jährigen Frauen und Männer berichteten keine gesundheitliche Verbesserung. Die Forscher vermuten, dass es vor allem damit zu tun hat, dass junge Menschen häufiger ausgehen als ältere und daher die Veränderung direkter erlebt haben.

Raucher sind gestresst

Kreidetafel mit der Aufschrift
Vor allem junge Nichtraucher profitieren vom Rauchverbot in Bars, Bildrechte: IMAGO

Junge, männliche Raucher hingegen berichteten sogar von einer gesundheitlichen Verschlechtertung. "Wir vermuten, dass die Raucher durch die Rauchverbote gestresster sind“, sagt Christoph Wunder. "Andere Studien zeigen, dass sich das Rauchverhalten hinsichtlich der Menge gerauchter Zigaretten nicht verändert hat. Aber das Konsumverhalten hat sich verändert. Es gibt jetzt längere Zeiten des Entzugs und das führt bei Rauchern zu mehr Stress“, so der Forscher aus Halle.

Keinen gesundheitlichen Effekt hatte hingegen die Art, wie die einzelnen Bundesländer den Nichtraucherschutz eingeführt haben. Ob mit Erlass der Gesetze direkt Bußgelder bei Verstößen verbunden waren oder ob diese Strafen erst später hinzukamen, hatte laut den Forschern keinen Einfluss auf die Angaben der Befragten. Kühnle und Wunder glauben, dass die Gesetze lediglich eine soziale Norm durchsetzten, die vorher schon viele Anhänger hatte. "Aus früheren Untersuchungen wissen wir, dass die meisten Menschen in Deutschland ein Rauchverbot bereits vor der Reform befürwortet haben“, sagt der Nürnberger Wissenschaftler Daniel Kühnle.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 10.04.2017 | ab 05:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2017, 17:51 Uhr