Schlafstörungen
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Schlafforschung Geh nicht wütend ins Bett!

Wissenschaftler haben bestätigt, was wir schon lange ahnten: wütend ins Bett gehen ist gefährlich für die Gesundheit. Im Schlaf festigen sich negative Stimmungen, und können zu unseren ständigen Begleitern zu werden.

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Wer kennt das nicht? Streit im Job, Ärger mit dem Partner, Angst vor Krankheiten. Oftmals werden solche schlechten Schwingungen zu ständigen Begleitern im Alltag. Immer wieder kommen diese Gedanken auf, wir werden sie nicht los.

Vom Problem zum Trauma

Schlafen
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Forscher der Beijing Normal University in Peking wollten es jetzt genau wissen: was passiert im Gehirn, wenn sich negative Erinnerungen etablieren und möglicherweise zu traumatischen Depressionen führen können. Denn normalerweise können wir negative Ereignisse durchaus unterdrücken. Genauso, wie wir unsere Wahrnehmung selektieren, machen wir es auch mit unseren Erinnerungen. Wir blenden sie einfach aus. Aber manchmal klappt das einfach nicht - und das liegt offenbar wesentlich am Schlaf.

Über Nacht wird aufgeräumt

Die Studie hat gezeigt, dass sich das Gehirn während des Schlafes umorganisiert. Es entscheidet, welche Erfahrungen und Erlebnisse vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis überführt werden und welche Gefühle sich mit ihnen verbinden. Festigen sich negative Erfahrungen erst einmal, können wir sie willentlich kaum noch unterdrücken. Sie kommen immer wieder hoch.

Drei Gehirn Areale sind wesentlich für die Verarbeitung neuer Informationen verantwortlich. Im Frontallappen des Großhirns ordnen wir Informationen ein und verbinden diese mit vorhandenen Erfahrungen. Im Hippocampus entscheidet sich, an was wir uns tatsächlich erinnern und was im Langzeitgedächtnis abgelegt wird. Und die Amygdala ordnet den Informationen Gefühle zu.

Wie können wir beeinflussen, an was wir uns erinnern?

Die Wissenschaftler schlagen vor, dass wir besser unsere Probleme verarbeiten sollten, bevor wir einschlafen. Das Problem ist zwar dann noch immer da, aber wenn wir Auswege finden oder gar Konflikte lösen können, wird das Problem mit anderen Gefühlen verbunden. Die Bedeutung des Problems relativiert sich und die Chancen stehen besser, dass unser Gehirn während des Schlafes keine Panikzentrale einrichtet, die fortan unser Denken beherrscht.

Ein Trauma bleibt auch im Traum ein Trauma

Ein Mann bei Psychologin
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Die Studie zeigt aber auch, dass bedeutende, traumatische Ereignisse wohl kaum so einfach zu lösen sind. "Einfach das Ereignis am selben Tag noch zu verdrängen, ist kein realistischer Ratschlag", sagt Yunzhe Liu, der Leiter der Untersuchung. Aber das bessere Verständnis von der Funktionsweise des Gehirns könne dazu beitragen, bessere Behandlungsmethoden für posttraumatische Belastungsstörungen zu entwickeln. Der Schlüssel liegt darin, dass Trauma anders einzuordnen, um ihm den Schrecken zu nehmen.

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 15:20 Uhr