Computergrafik eines Androiden.
Bildrechte: IMAGO

Trend Sex mit Robotern - wer braucht schon Beziehungen?

In London ist gerade eine wissenschaftliche Konferenz zum Thema "Love and Sex with Robots" zu Ende gegangen. Es ist ein globaler Trend - Sex mit Robotern ist gerade voll im Kommen.

von Karsten Möbius

Computergrafik eines Androiden.
Bildrechte: IMAGO

Roboter schweißen Autoteile zusammen, saugen Staub oder mähen Rasen. Aber Sex mit Robotern, das ist etwas. Das wollen sich viele nicht mal im Entferntesten vorstellen. Trotzdem ist das ein Trend, der immer mehr zunimmt. Sexualtherapeutin Carla Thiele aus Leipzig ist das Thema durchaus bekannt:

In jedem Land werden sich Leute finden, die daran interessiert sind und ich denke, dass die Community auch wachsen wird.

Carla Thiele, Sexualtherapeutin, Leipzig

Dieser speziellen Community stehen immer realistischere Nachbildungen von Menschen zur Verfügung. Eine amerikanische Firma produziert bereits erfolgreich intelligente Sexpuppen, die von ihren Nutzern lernen und sich mit ihnen unterhalten können.
Roxxxy heißt so eine Version eines Roboters. Sie hat fünf programmierte Persönlichkeiten zu bieten von abenteuerlustig über schüchtern und lernwillig. Bis zu zehntausend Dollar müssen Kunden dafür bezahlen, aber offenbar ist ein Markt vorhanden zu sein. Philosoph Christoph Quarch sieht mit dem Ende der Gummipuppen und dem Beginn von Sexrobotern eine ganz neue Stufe erreicht.   

Diese Maschinen spiegeln letztlich vor, dass es eine Beziehung ist, die auf Augenhöhe stattfindet. Das hat einen Anstrich von Unmenschlichkeit.

Christoph Quarch, Philosoph

Dem würde Everard Cunion wahrscheinlich vehement widersprechen. Der Engländer war 2012 der erste Mann, der so eine Gummipuppe geheiratet hat. Und es heißt, er wäre nicht der einzige, dessen Lebensgefährtin aus Draht und Plaste wäre. Wen wundert es, dass bei dieser neuen Beziehungsform zwischen Mensch und Computer sogar der Begriff Liebe auftaucht. Für den Philosophen Christoph Quarch verlieren durch den Einsatz von Robotern eine Beziehung und auch die Sexualität ihre Würde, ihre wundervolle Einzigartigkeit:

Dass nun Maschinen für die Selbstbefriedigung auf den Markt geschleudert werden, passt in das Gesamtbild einer zunehmend beziehungsunfähigen Gesellschaft.

Christoph Quarch, Philosoph

Ähnlich sieht das die Sexualtherapeutin Clara Thiele. Sex mit Robotern an sich macht ihr keine Sorgen. Sie beschäftigt vielmehr, dass die neuen Generationen Dinge vom Computer lernen, die ihnen früher von den Eltern oder Großeltern beigebracht wurden. Wir müssten aufpassen, dass uns reale Beziehungen und Einfühlsamkeit nicht verlorengehen.

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2017, 16:36 Uhr