Navi in einem Auto bei Nacht
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Verkehrsrisiko Warum Technik Sekundenschläfer nicht stoppt

von Karsten Möbius

Navi in einem Auto bei Nacht
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Das kennen viele: Nachts im Bett fährt das Gedankenkarussell auf Hochtouren und man kriegt kein Auge zu. Aber im Auto, wenn es dunkel wird, die Heizung die Füße wohlig wärmt, der Motor brummt, die Gegend eintönig vorbei zieht - das wirkt besser als eine Schlaftablette. Bevor man sich versieht, fallen die Augen für den Bruchteil einer Sekunde zu. Man schätzt, dass der Sekundenschlaf an etwa 2.000 Unfällen in Deutschland schuld ist, bzw. an bis zu 30 Prozent aller Unfälle in der Nacht. Ganz genaue Zahlen dazu gibt es nicht, genausowenig darüber ob eher Männer oder Frauen, Alte oder Junge am Steuer kurz wegnicken, sagt Verkehrspsychologe Marc Vollrath von der TU Braunschweig:

Es gibt ja eine riesen Dunkelziffer, weil die Autofahrer möglicherweise hinterher nicht mehr sagen können oder sagen wollen, dass sie eben geschlafen haben.

Marc Vollrath

Das mit dem "Nicht-sagen-wollen" klingt logisch und verständlich - aber wer vom Sekundenschlaf übermannt wird, merkt es oft wirklich nicht. Schlafmediziner Steffen Schädlich vom Martha-Maria-Krankenhaus in Halle erklärt das im Gespräch mit MDR Wissen so:

Das Einschlafen ist für den, der diesen Sekundenschlaf hat, praktisch nicht wahrnehmbar. Also man merkt eigentlich nur dann, dass man weg war, wenn es irgendeine Veränderung gegeben hat, die man sich nicht erklären kann.

Steffen Schädlich

Meist gehen Unfälle nach einem Sekundenschlaf schlimm aus. Wenn etwas passiert, fahren die Fahrer meist ungebremst in den Straßengraben, auf ein Auto auf, in den Gegenverkehr oder vor einen Baum.

Müdigkeit am Steuer
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Warum Assistenzsysteme Sekundenschläfer nicht stoppen

Längst gibt es verschiedene Assistenzsysteme, die Müdigkeit bei Autofahrern erkennen und warnen. Das Gebräuchlichste ist, dass Sensoren ruckartige Lenkbewegungen registrieren, die anzeigen, dass der Fahrer offenbar übermüdet ist. Neuerdings sollen Kameras die Augen des Fahrers scannen. Aber alle diese Warnsysteme haben einen grundsätzlichen Mangel, findet Verkehrspsychologe Marc Vollrath:

Diese Systeme sagen einem nur, was man selber schon weiß: Nämlich, dass man müde ist und eben eine Pause machen solle, auf den Rastplatz fahren und Kaffee trinken.

Doch wer hält sich an diese Hinweise, wenn er noch eine halbe Stunde Fahrzeit vor sich hat und schnell nach Hause will? Viele denken, sie kriegen das hin und meistens klappt das ja auch. Wirksam wären solche Warnsysteme nur dann, wenn sie den Wagen nach mehreren Warnungen an den Straßenrand fahren, anhalten und ausschalten würden. Aber da wollen die Hersteller nicht ran, sagt Marc Vollrath, damit würde man den Fahrer entmündigen und ihm die Verantwortung nehmen.

Müdigkeit beim Fahren ist nicht nur wegen des Einschlafens gefährlich, sondern auch weil Müdigkeit risikobereiter macht. Übrigens wird Schlafen am Steuer auch beim pilotierten Fahren nicht erlaubt sein. Gesetzliche Voraussetzung bleibt nämlich, dass man jederzeit eingreifen kann.  

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 01.01.2017 | 07:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 11:51 Uhr