Ein älteres Paar liegt vertraut nebeneinander draußen auf einer Decke.
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Positive Wirkung auf Herz und Leber Jungbrunnen Spermidin?

Die Wissenschaft ist stets auf der Suche nach Mitteln, die das Leben verlängern sollen. Ein Stoff, der in Verdacht steht ein regelrechter Jungbrunnen zu sein, ist Spermidin. Der ist - wie der Name schon verrät - vor allem in menschlichem Sperma enthalten. Aber eben auch nicht nur da, sondern auch in einer Vielzahl von Lebensmitteln. Deshalb könnten künftig Käse, Nüsse und Obst dabei helfen, den körpereigenen Mechanismen auf die Sprünge zu helfen.

von Karolin Dörner

Ein älteres Paar liegt vertraut nebeneinander draußen auf einer Decke.
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Abgesehen davon, dass es das Leben verlängern soll, ist das Tolle an Spermidin, dass es eigentlich überall vorkommt: In menschlichen Körperzellen - wie eben Sperma, woher es schließlich seinen Namen hat - aber eben auch in der meisten Nahrung. Natürlich spielt die Konzentration eine Rolle. Und bevor man im großen Maßstab Sperma zu sich nimmt, kann man eher auf Äpfel, Birnen, Sojabohnen, Nüsse oder Cheddarkäse zurückgreifen, rät Tobias Eisenberg vom Institut für molekulare Biowissenschaften in Graz.

Was wir sehen ist, dass Spermidin über die Nahrung oder über Zellkulturmedien verabreicht das Altern der Organismen und der Zellen verzögern kann, nicht komplett, aber bestimmte Aspekte.

Ass.-Prof. Dr. Tobias Eisenberg, Karl-Franzens-Universität Graz
Cheddar Käse
Auch ein Spermidin-Lieferant: Cheddar-Käse Bildrechte: IMAGO

Der Biowissenschaftler hat den Stoff an Nagetieren getestet. Das Ergebnis: Spermidin hilft der Zelle dabei ihren Müll zu beseitigen. Autophagie ist der Fachbegriff dafür und beschreibt, dass Zellen alte oder beschädigte Zellteile entsorgen und recyceln können. Dadurch bleibt die Zelle jung und gesund. Je älter der Mensch aber wird, desto mehr kommt die körpereigene Müllabfuhr ins Stocken, erklärt Eisenberg. "Man findet in manchen Zellen und Organen, dass die Autophagie-Kompetenz, also die Fähigkeit diesen Abbauprozess durchzuführen, eingeschränkt ist, sich verlangsamt, nicht mehr so gut induziert werden kann." Das Spermidin könne diesen Prozess wieder aktivieren. Darüber freut sich besonders das Herz: Durch die Verjüngung der Zellen werden die Herzmuskeln wieder elastisch und flexibel. Das ist wichtig, damit der Körper mit Blut-und Sauerstoff versorgt wird.

Und damit verhindert Spermidin einen wichtigen Risikofaktor, der zu Herzinsuffizienz und damit einer der häufigsten Todesursachen in unserer Gesellschaft führt.

Ass.-Prof. Dr. Tobias Eisenberg, Karl-Franzens-Universität Graz
Menschliche Spermien
Spermidin hilft der körpereigenen Müllabfuhr auf die Sprünge. Bildrechte: IMAGO

Und auch die Leber profitiert. Das legen zumindest neue Studien der Texas A&M University nahe. Darin erkrankten weniger Tiere an Leberkrebs, wenn sie spermidinhaltige Nahrung zu sich nahmen. Und sie lebten länger: Bis zu 25 Prozent gaben die Forscher an. Ist Spermidin also ein neuer Jungbrunnen? Der Grazer Biowissenschaftler Tobias Eisenberg ist skeptisch: "Ob es jetzt die wirkliche ewige Jugend bringt, das steht noch in den Sternen und es ist vermutlich nicht sehr wahrscheinlich. Aber es sind doch sehr wichtige Prozesse, die in den Organismen angekurbelt werden durch Spermidin."

Das Mittel hat seiner Konkurrenz zumindest jetzt schon etwas voraus: Es kommt natürlich vor und hat kaum Nebenwirkungen. Andere lebensverlängernde Stoffe, wie der Immunsystemhemmstoff Rapamycin, können Diabetes auslösen. Und Resveratrol kommt zum Beispiel im Wein nur so gering vor, dass es keine Wirkung zeigt. Ob Spermidin dann aber beim Menschen das alles hält, was es bisher verspricht, das muss noch bewiesen werden. Die ersten Studien dazu starten derzeit an der Universität in Graz.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 27.04.2017 | 16:25 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 15. September 2017, 11:21 Uhr