Eine Gruppe Kinder spielt in den Trümmern einer zerstörten Stadt im Deutschland der Nachkriegszeit
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DNA-Forschung Erblich: Stress und Trauma

Von wegen, lange her! Das, was die Eltern und Großeltern im Krieg, in Gefangenschaft oder Lagern erlebt haben, geht nicht spurlos an den Folgegenerationen vorüber. Leben nun die Stresserfahrungen nur durch die Erzählungen der Alten weiter – oder werden sie auch biologisch weitergegeben?

Eine Gruppe Kinder spielt in den Trümmern einer zerstörten Stadt im Deutschland der Nachkriegszeit
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Jeder Mensch reagiert anders auf Stress. Die einen bleiben in stressigen Situationen die "Ruhe in Person" und schalten danach schnell wieder ab. Andere bleiben nach akuter Anspannung extrem lang im Stressmodus. Wie man auf Stress reagiert, kann entscheidend sein bei der Entstehung von Krankheiten wie Depression oder einer posttraumatischen Belastungsstörung. Extremer Stress kann sich sogar ins Erbgut einbrennen und so über Generationen weitergegeben werden. Genau das untersucht Dr. Elisabeth Binder, Direktorin am Max Planck-Institut für Psychiatrie in München. Sie erforscht, wie Stress und traumatische Erlebnisse in die DNA gelangen und welche Rolle sie bei der Entstehung von psychischen Krankheiten spielen.

Wie sich Stress ins Erbgut schreibt

Junge Frau in weißem Hemd mit hochgestecktem Haar und verschränkten Armen
Dr. Elisabeth Binder Bildrechte: Max Planck Institut München

Welche Mechanismen im Körper sind für Stress-Vererbung verantwortlich, obwohl unser Erbgut als stabil gilt? Die Antwort liegt Binder zufolge im sogenannten Epigenom. Schon lange ist bekannt, dass das Epigenom dafür zuständig ist, dass verschiedene DNA-Baupläne und Genabschnitte aktiviert werden, damit sich der gleichen genetischen Information verschiedene Körperzellen wie Leber, Herz oder Hautzellen bilden. Dagegen ist erst seit kurzem bekannt, dass das Epigenom auch auf Umwelteinflüsse wie Stress flexibel antwortet. Alles, was wir erleben, beeinflusst offenbar auch, wie biochemische Prozesse unser Erbgut ablesen, wie stark oder niedrig bestimmte Genbereiche aktiviert werden – nicht nur über kurze Zeiträume wie Stunden oder Wochen. Frauen, die in der Kindheit ein Trauma erleben, geben Stressgene sogar an ihre Kinder und Kindeskinder weiter, wie Binder erklärt:

Studien zeigen, dass wenn eine Mutter in der Kindheit traumatisiert war, dass sich das auf ihre Schwangerschaft auswirkt und auch auf die Entwicklung bestimmter Hirnareale des Kindes bei Geburt, dass diese Schwangerschaft anders ist, auch hormonell anders ist.

Dr. Elisabeth Binder

Auch Männern mit traumatischen Erfahrungen geben über ihre Spermien solche epigenetischen Signale an ihre Nachkommen weiter.  

Keine endlose Stress-Gen-Vererbung

Elisabet Binder geht aber nicht von einer endlosen Vererbungskette aus. Wenn die stressenden Umwelteinflüsse nicht mehr da sind, müssen sich ihr zufolge irgendwann auch die hyperaktiven Stressgene normalisieren, die mit Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen in Verbindung gebracht werden. Am Max Planck Institut in München erforscht man inzwischen, womit diese Genüberaktivität blockiert werden kann. Außerdem gibt es erste Hinweise darauf, wie Psychotherapie gen-regulierend wirken könne.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL im Radio | 12.07.2017 | 08:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2017, 18:28 Uhr